Handball Fulminante Schlussphase des VfL reißt Fans von den Sitzen

VfL-Spielgestalter Florian Möck (rechts) erfreute sich gegen Fürstenfeldbruck besonderer Zuwendung und wurde teils in den Schwitzkasten genommen. Den Gästen half dieser Einsatz nichts.
VfL-Spielgestalter Florian Möck (rechts) erfreute sich gegen Fürstenfeldbruck besonderer Zuwendung und wurde teils in den Schwitzkasten genommen. Den Gästen half dieser Einsatz nichts. © Foto: Grundler
Pfullingen / Wolfgang Gattiker 26.11.2018

Wer Krimis liebt, sollte zu den Heimspielen des VfL Pfullingen kommen. Tatort Kurt-App-Halle. Der Gast aus Oberbayern führte in der 54. Minute mit 27:25. Jabot und Roth vergaben die Pfullinger Chancen, an den TuS Fürstenfeldbruck heranzukommen, aber Torwart Daniel Schlipphak (14 Paraden) zeigte eine starke Leistung, wehrte alles ab. Fürstenfeldbruck traf in den letzten sechs Minuten nicht mehr.

Breckel erzielte in der 58. Minute das 26:27, dann gelang Jabot der Ausgleich (59.) – die Halle tobte. Johannes Stumpf wurde zur tragischen Figur. Der TuS-Akteur erzielte zehn Tore, vergab aber den entscheidenden  Siebenmeter. Der Ball ging ins Aus neben den Pfosten. Ballbesitz für den VfL und Florian Möck nahm sich ein Herz, traf vier Sekunden vor Schluss. Die App-Halle kochte, der Jubel war riesengroß.

Negativserie gerissen

Endlich ist die Pfullinger Negativserie von 2:10 Punkten aus den Köpfen.  Der VfL zeigte Leidenschaft, Biss, Einsatz, einen großen Willen und die Gier, endlich gegen ein Top-Team zu gewinnen, um die Punkte an der Echaz zu behalten. Diese Grundtugenden verlangt Trainer Frederick Griesbach, der auch  den Einsatz von Mental-Trainer Gerhard Wittmann positiv sieht.

Fürstenfeldbrucks Trainer Martin Wild meinte: „In der Kabine war es totenstill, da wurde zehn Minuten kein Wort gesprochen. Stumpf, der ein Riesenspiel zeigte, wurde zur tragischen Figur, als er den entscheidenden Siebenmeter verwarf.“

Beim VfL kam Micha Thiemann, den frühzeitig  zwei Zeitstrafen belasteten, nur selten zum Einsatz, weil laut Griesbach Rückraumshooter Roth toll funktionierte. Da musste Thiemann eben oft zuschaute.

David Wittlinger spielte auch nicht, wird den VfL aus  beruflichen Gründen zum Saisonende wieder verlassen und zu seinem Stammverein  TV Steinheim/Albuch  auf die Ostalb zurückkehren.

Die Zuschauer sahen ein ausgeglichenes Drittliga-Spiel, der  Gast führte meist knapp mit zwei Toren. Beim VfL stand der formstarke Daniel Schlipphak im Tor, weil Magnus Becker privat verhindert war. Nach dem 4:6-Zwischenstand notierte man die  erste VfL-Führung in der 22. Minute durch Breckel zum 8:7 und 11:10.

Doch vor der Pause gab es den 3.0-Lauf der Gäste aus der Münchner Peripherie, als die Oberbayern mit 13:11 führten. Beim VfL kam zu wenig von Außen, es gab technische Fehler und Fehlwürfe. Das war nicht optimal, elf Tore sind Magerkost, wobei auch TuS-Keeper Micha Luderschmid  glänzend reagierte.

Nach der Pause kam der VfL zum 14:14, dann aber 15:17 – man lief einem Rückstand nach: 19:19 durch den bärenstarken Niklas Roth, dann 20:22.

22:25 (50.), da hatten die Echaz- Krokodile  drei Tore Rückstand und das Spiel schien gelaufen. Pustekuchen, dieser VfL bot  einen Willen, der  einmalig war. Als es 24:27 stand, gab es nur noch wenig Hoffnung, aber der VfL vom Samstag gab alles, Vollgas-Handball bis zur letzten Sekunde, ehe die eingangs geschilderte  dramatische Schlussphase mit Pfullinger Happy-End kam.

So will man die VfL-Handballer sehen und erleben, dann kann man auch die kommenden machbaren Gegner besiegen.

Linksaußen Marc Breckel meinte: „Wir hatten alle das Gefühl, auch bei Rückstand das Spiel drehen zu können. Da war auch Glück dabei, aber wir gaben Vollgas. Das war der erste Schritt in die richtige Richtung, der zweite soll am Samstag gegen den TVS Baden-Baden folgen.“

Gäste-Trainer Martin Wild  sagte: „So hart kann Sport sein, das tut richtig weh. Wir verteidigten die Gegenstöße gut.“

VfL-Trainer Frederick Griesbach strahlte: „Wir arbeiten hart, wurden belohnt. Es war der Sieg des  Glaubens, die gesamte Mannschaft glaubte zu jeder Sekunde an den Sieg, drehte das Spiel mit Einsatz. Auch bei 25:27 glaubte jeder an die Wende, wir haben gegen ein Top-Team gewonnen und den Favoriten besiegt. Meine Truppe  kam oft zurück. Wir haben auch in Balingen 60 Minuten gut gespielt und nun nicht nach 45 Minuten aufgehört.“

VfL-Manager Jörg Hertwig lobte: „Wir haben bis zum Schluss gekämpft, alles reingeworfen, alles rausgeholt, das will ich sehen. Ich wäre froh gewesen, einen Punkt zu holen, es wurden zwei.“

So spielten sie: VfL - Fürstenfeldbruck

VfL Pfullingen: Schlipphak, Bantle (n.e.) – Wittlinger, Schmid 1, Breckel 4, Stahl 1, Roth 9, Thiemann 2, Prinz 1, Jabot 5/2, Möck 3, Haug, Goller, Hertwig 1, List 1.
TuS Fürstenfeldbruck: Luderschmid – Huber 2, Hagitte, Gnan, Kolodziej, Lentner, Meinzer 3, Engelmann 2, Stumpf 10/2, Hartz 4/1 ,Lex 1, Schwagerus 2, Horner 3.
Siebenmeter: Jabot verwandelte beide. Stumph und Hartz scheiterten je ein Mal.
Zeitstrafen: VfL zehn Minuten, TuS vier Minuten plus Rot für Lex in der 39. Minute.
Schiedsrichter: Jonathan und Maximilian Winter (Schwetzingen).
Zuschauer: 600.

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