Handball Entfesselter VfL überrascht mit Kantersieg zum Auftakt

Unaufhaltsam dem Kantersieg entgegen: Der Pfullinger Paul Prinz (am Ball) setzt sich hier gegen die Neuhäuser Timo Durst (Mitte) und Julian Reinhardt (links) durch.
Unaufhaltsam dem Kantersieg entgegen: Der Pfullinger Paul Prinz (am Ball) setzt sich hier gegen die Neuhäuser Timo Durst (Mitte) und Julian Reinhardt (links) durch. © Foto: Baur
Pfullingen / Wolfgang Gattiker 27.08.2018

Paradox: Da fährt Handball-Drittligist VfL Pfullingen zum Saisonstart gegen den TSV Neuhausen/Filder einen Kantersieg ein und dennoch gibt es nicht nur glückliche Gesichter. Die Echaztäler siegten nämlich nicht nur haushoch mit 43:28 und überraschten ihre Fans mit der Höhe des Derbyerfolgs, sondern müssen in den nächsten Wochen schmerzhafte Ausfälle verkraften.

Neben Robin Keupp  hat sich auch Christian Jabot verletzt (Knochenabsplitterung im Mittelfuss), Micha Thiemann (Knie-Diagnose steht aus, es sieht aber nicht gut aus) hat es ebenfalls erwischt und dazu fehlt Axel Goller. Dennoch machte der VfL vieles gegen die Filder-Truppe richtig und setzte ein Ausrufezeichen.

43 Tore sind stark. Die Chancenverwertung, ein Manko der Vorsaison, hat sich deutlich verbessert. Man ließ dem enttäuschenden Gast, der vom Ex-Pfullinger Eckard Nothdurft trainiert wird, nicht den Hauch einer Chance.

In dieser Verfassung wird man das Ziel einstelliger Tabellenplatz  erreichen. Der neue Pfullinger Trainer Frederick Griesbach will Konzentration und Leidenschaft über 60 Minuten sehen. Er wird einiges ansprechen, gilt als nie zufriedener Perfektionist. Das Team ist konditionell auf Höchstniveau und wurde für den Riesenaufwand belohnt.

Das Heimspiel in der Kurt-App-Halle begann ausgeglichen: 3:3, dann aber 6:3  und 8:5. Danach fiel eine Vorentscheidung: Nach dem 11:8 legte der VfL einen 5:0-Lauf hin (Breckel von Außen, Schmid vom Kreis), führte 16:8. Somit war Neuhausen/Filder der Zahn gezogen worden.

Der VfL zog sein Spiel, den Tempo-Handball gnadenlos durch, führte zur Pause 19:10. TSV-Trainer Eckard Nothdurft sprach Klartext: „Wir verloren die erste Halbzeit mit neun Toren, die zweite mit sechs. Der VfL hat sich den Sieg verdient.“

Keine Lösungen gehabt

Neuhausen/Filder hatte  keine Lösungen gegen den aggressiven VfL, der auf 23:13 wegzog, anschließend 29:17 führte, 32:20 (46.) vorne lag, auf 36:23 wegzog. Es war eine wahre Freude, den Blau-Weißen zuzuschauen,wie sie alles gut umsetzten. Die Gäste konnten einem leid tun.

Das war Tempo-Handball mit tollen Kreistoren und Gegenstößen.  VfL-Rückkehrer Florian Möck dirigierte und  Alexander Schmid vollendete, da ging die Post ab.

Neuhausen/Filder war  gnadenlos unterlegen. Pfullingens Frieder Nothdurft durfte gegen das Team seines Onkels Eckard Nothdurft auch zweimal einlochen.

Für die Heimtruppe war es ein gelungener Saisonauftakt, der optimistisch stimmt. Doch der VfL benötigt den 16-er Kader, derzeit fehlen vier Spieler.

Trainer Frederick Griesbach zog ein Fazit: „Dass Thiemann verletzt ist, beschert mir Sorgenfalten, das ist ein Wermutstropfen. Er ist Kapitän und nicht nur als Spieler wichtig. Der Pokalsieg gegen die Eulen Ludwigshafen war Ansporn, weiter hart zu arbeiten. Die Jungs haben noch eine Schippe draufgelegt. Neuhausen war vorgewarnt, denn Eckard Nothdurft hatte uns gegen die Eulen im DHB-Pokal beobachtet.“

Griesbach glaubt: „Wenn wir ein Jahr diese Leidenschaft und den Handball so konservieren können, haben wir eine gute Saison vor uns. 43 Tore sind okay, wir haben dennoch noch viel Arbeit vor uns. Ich weiß, den Startsieg richtig einzuordnen.”

Marc Breckel freute sich auch. Er vergab die erste Chance, traf dann sieben Mal in Folge. „So macht es Spaß, wir sind topfit.“

Enttäuschte VfL-Legende

Neuhausens Trainer Eckard Nothdurft, das VfL-Urgestein, meinte enttäuscht: „Wir haben alles falsch gemacht. Gefühlt gewannen wir keinen Zweikampf. Der VfL war uns in allen Bereichen überlegen, wir fanden kein Mittel gegen die VfL-Abwehrformationen.”

Doch der VfL tut gut daran, den Sieg richtig einzuordnen. Dafür sorgt Griesbach sicher.

Der Gast von den Fildern bot kein Paroli, war hoffnungslos unterlegen. Aber der VfL muss nun auf einige Stammkräfte verzichten. Trainer Frederick Griesbach appelliert an das  Teamgefüge und hofft damit, die Ausfälle zu kompensieren.

So spielten sie

VfL Pfullingen -
TSV Neuhausen/Filder

43:28

VfL Pfullingen: Schlipphak, Becker – Wittlinger (4), Schmid (5), Breckel (7), Stahl (2), Roth (4), Thiemann (1/1), Prinz (3), Möck (5), Haug (3), Nothdurft (2), Hertwig (1), List (6/2).
TSV Neuhausen/Filder: Arnold, Gross – Mönch (6/5), Durst (3), Letzgus (4), Pabst (1), Hipp, Grundler (5/1), Reinhardt (1), Flechsenhaar (1), Roos (2), Sommer, Holder (5), Keppeler, Lohmann.
Schiedsrichter:  Kauth/Kolb (Olching, Oberpfaffenhofen).
Zeitstrafen. VfL  18 Minuten - TSV 10 Minuten.
Siebenmeter VfL verwandelte alle drei, TSV scheiterte  zwei Mal an Becker.
Zuschauer: 760.

Neuer Drittliga-Rekord für den VfL Pfullingen

Neuer Rekord in der Pfullinger Kurt-App-Halle: Mit dem 43:28-Kantersieg über den TSV Neuhausen/Filder konnte der VfL den höchsten Heimsieg und die am meisten erzielten Tore seit seiner Drittligazugehörigkeit feiern. Das 35:21 aus dem Januar 2017 gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen ist nun nicht mehr der Pfullinger Heimsieg mit der höchsten Differenz.

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