Reutlingen / Alexander Mareis  Uhr

Das Dröhnen der Motoren war am Samstag und Sonntag vom RMC-Gelände „Am Sportpark“ bis in die angrenzenden Wälder und Wohngebiete zu hören. 140 Teilnehmer aus 15 Nationen sorgten für eine Geräuschkulisse, die sich aus der Ferne wie ein riesiger Bienenschwarm anhörte.

Fleißig wie Bienen indes waren die Mitglieder des 1. RMC Reutlingen, die in zahlreichen Arbeitsstunden vor Veranstaltungsbeginn dafür sorgten, dass die Rennfahrer optimale Bedingungen an der Gönninger Landstraße vorfanden und Pistenverhältnisse, die sogar von höchster Stelle gelobt wurden.

Feuerwehr als Unfallhelfer

„Das waren optimale Verhältnisse, eine insgesamt exzellente Ausrichtung durch den 1. RMC Reutlingen. Wir tragen jederzeit gerne wieder eine Europameisterschaft hier aus“, lobte der Däne Peter Hansen, der als Jury-Präsident des Motorradweltverbands FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) vor Ort war.

Ihn hatten die Läufe um die Europameisterschaft der Klassen 65 ccm, 85 ccm und bei den Ladies zum 57. Internationalen Reutlinger ADAC Motocross gelockt, echte Lokalpatrioten waren auch auf den Ausgang des Zwei-Takt-Cups gespannt, der ebenfalls ins Reutlinger Motocross-Wochenende integriert war, aber als Event auf nationaler Ebene daherkam.

Ein großes Thema bei Motorsportereignissen ist immer die Sicherheit sowie, nach Abschluss der Rennen, die Bilanz von Unfällen und Verunglückten. Hier konnte RMC-Vorsitzender Michael Saur Entwarnung geben. „Es kam zu Unfällen mit leichten Verletzungen. Spektakulär war das Missgeschick eines dänischen Piloten, dessen Fuß sich so in der Kette seiner Maschine einklemmte, dass er von der Feuerwehr per Bolzenschneider befreit werden musste. Letztlich aber ist alles glimpflich ausgegangen, niemand musste nach Rennende im Krankenhaus verweilen.“

Der 57-jährige Saur, nicht nur RMC-Vorsitzender, sondern auch Sportleiter des ADAC Württemberg und seit Jahren Rennleiter des großen Stuttgarter ADAC-Supercross in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, durfte mit Genugtuung feststellen, dass der von ihm selbst eingeleitete Generationswechsel beim 1. RMC Reutlingen auf einem vielversprechenden Weg ist.

In Person des 26-jährigen RMC-Mitglieds Florian Allrams­eder und des 58-jährigen Thomas Moser (früherer Vorsitzender des MSC Wieslauftal aus Rudersberg) konnten zwei Motorsport-Enthusiasten als Rennleiter beim 57. Reutlinger ADAC Motocross gewonnen werden. Auch Allramseder, der Moser häufig über die Schulter schaute, erledigte seine Aufgabe wie ein alter Hase. Während der 26-Jährige für die Rennen des vom Niveau zwischen Baden-Württemberg-Cup und Deutscher Meisterschaft pendelnden Zwei-Takt-Cups zuständig war, hatte der Rudersberger bei den diversen EM-Rennen das Sagen.

Ladies aus Übersee

Wer bei EM-Rennen nur an Teilnehmer aus Europa dachte, wurde auf dem Renngelände „Am Sportpark“ überrascht. Zwei Pilotinnen der Ladies-Rennen um Europameisterschaftspunkte kamen aus Australien und den USA. „Der Modus der EM ist als frei zu betrachten, was bedeutet, dass es keine nationalen Grenzen gibt und im Grunde theoretisch die ganze Welt zwar mitfahren kann, aber eben  Grundlinien und Regeln der EM stets zu beachten sind“, erklärt Saur.

Allzu viele Sorgen wegen einer diesbezüglichen Verwirrung muss man sich nicht machen, denn wie schon in unserer gestrigen Ausgabe berichtet, darf sich weder eine Australierin noch eine Amerikanerin fortan Europameisterin nennen. Statt dessen behielt eine Deutsche die Oberhand, nämlich Ex-Weltmeisterin Stephanie Laier aus Dielheim.

EM-Debütanten

„Bei einem Event, in das eine EM eingebunden ist, war ich zuvor auf dem RMC-Gelände noch nie in dieser Position. Ganz neu war die Rennleitererfahrung für mich freilich nicht, weil ich schon seit drei Jahren beim Baden-Württemberg-Cup und der Deutschen Meisterschaft in dieser Mission unterwegs bin“, erklärt Allrams­eder, dem die Lizenz als EM-Rennleiter noch fehlt.

Begeistert schaute er zu, als der 13-jährige Luca Röhner (einziger EM-Pilot des 1. RMC Reutlingen) auf Gesamtrang 25 der Klasse 85 ccm fuhr.

Vater stolz auf Sohn

„Lucas Vater war zufrieden, sein Sohn hatte viel Spaß. Sich als Neuling in der 85-ccm-Klasse auf EM-Niveau praktisch im Mittelfeld des Teilnehmerfelds zu platzieren, ist aller Ehren wert“, lobte Florian Allramseder den Youngster.

Der Zwei-Takt-Cup-Rennleiter selbst erlebte ein „ruhiges Wochenende“, war überall auf dem Gelände anzutreffen und übernahm die Koordination mit den Bewässerungsteams und Streckenrichtern, um optimale Pistenverhältnisse zu schaffen.