Ein Testspiel der B-Jugendmannschaften der Young Boys Reutlingen und dem TSV Neu-Ulm musste am Sonntagmittag abgebrochen werden, nachdem Spieler und Väter aufeinander losgegangen waren. Wie inzwischen bekannt wurde, war ein Streit unter Spielern auf einem Nebenplatz des Kreuzeiche-Stadions eskaliert. In die Auseinandersetzung mischten sich ihre Mitspieler sowie zwei Reutlinger Väter ein. Bevor es den Trainern und dem Schiedsrichter gelang, die Kontrahenten zu trennen wurde ein 16-Jähriger verletzt und musste vom Rettungsdienst in eine Klinik gebracht werden.

Die Polizei Reutlingen nahm mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung auf. Ob diese nur gegen Reutlinger Väter und Spieler oder auch gegen Neu-Ulmer gerichtet wurden, wollte das Polizeipräsidium Reutlingen auf Nachfrage nicht mitteilen.

Ausschluss für Spieler der Young Boys Reutlingen

„Grundsätzlich verlief das Spiel fair. Gegen Ende gab es dann Unstimmigkeiten über einen Eckball für die Young Boys. In Folge dessen kam es zu einem handfesten Gerangel zwischen einem Spieler des TSV Neu-Ulm und Young Boys Reutlingen sowie dessen Vater“, bezog Marcel Laaß, Sportlicher Leiter der Young Boys Reutlingen, Stellung zu dem Vorfall. Erste Konsequenzen gab es laut Laaß auch schon: „Da wir bei den Young Boys keine Art von Gewalt dulden, wurde der Spieler mit sofortiger Wirkung vom Verein ausgeschlossen und gegen den Vater eine Platzsperre verhängt.“

Reutlinger Vater tritt Spieler des TSV Neu-Ulm an den Kopf

Darüber hinaus hat der Gewaltakt ein strafrechtliches Nachspiel. Die Polizei nahm mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung auf. Denn die Ausführungen von Neu-Ulms Jugendtrainer Herbert Bracknies klingen noch drastischer: „Zunächst wurde geschubst und gestoßen. Kurze Zeit später kam es zur Rudelbildung und dann sind zwei Zuschauer in den Pulk gerannt. Mindestens eine dieser Personen hat unseren Spieler geschlagen und als er am Boden lag noch mit dem Fuß gegen den Kopf getreten“, so Bracknies, der sich dabei auf die Aussagen seiner Spieler beruft, weil er selbst zu weit entfernt stand und alles „sehr schnell“ ging. Laut „Reutlinger General-Anzeiger“ soll der später verletzte Neu-Ulmer zuerst zugeschlagen haben.

Am Montag ist der 16-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen worden: „Er klagte zwar immer noch über Kopfschmerzen, kann aber hoffentlich morgen wieder in die Schule gehen“, so Bracknies, der das Geschehene mit der Mannschaft noch aufarbeitet: „Meine Jungs müssen auch schauen, dass sie so eine Eskalation nicht provozieren.“

Betreuer der Young Boys Reutlingen zugleich Schiedsrichter

Eine Besonderheit war, dass ein Betreuer der Young Boys als Schiedsrichter fungierte, da der eingeteilte Unparteiische nicht gekommen war. Im Nachhinein kein glücklicher Umstand. Wobei Bracknies die Reutlinger sogar in Schutz nahm: „Der Ersatz-Schiedsrichter hatte eine wirklich gute Spielleitung“, lobte der Trainer der Neu-Ulmer Verbandsstaffel-Mannschaft und betonte, dass der Konflikt nach dem Abtransport des 16-Jährigen beendet war.