Leichtathletik Trikotsammeln an der Nordsee

Der gelbe Trikotsatz, welchen sich Ute Pfeiffer beim EWE-Nordseelauf sicherte, würde für ein Handballteam reichen.
Der gelbe Trikotsatz, welchen sich Ute Pfeiffer beim EWE-Nordseelauf sicherte, würde für ein Handballteam reichen. © Foto: Privat
Münsingen / Sabine Zeller-Rauscher 19.07.2018

Der gelbe Trikotsatz, welchen sich Ute Pfeiffer kürzlich als Gesamtsiegerin beim EWE-Nordseelauf sicherte, würde für eine komplette Handballmannschaft reichen. Laufen und Urlaub an acht Tagen.

„Oh Mist“, klingt nicht gerade nach Freudenschrei. Aber genau mit diesen Worte reagierte Ute Pfeiffers Mann Armin auf die Tatsache, dass seine Ute zunächst den ersten von sieben Läufen des EWE-Nordseelaufs gewann, der vom 9. Juni bis 16. Juni auf die Ostfriesischen Inseln und entlang der Nordseeküste führte. Jahrelang galt Ute Pfeiffer, über die Grenzen der Münsinger Alb hinweg, als Aushängeschild des SV Auingen, was in der heute 56-Jährigen nicht immer nur Freude, sondern auch ordentlich Druck vor jedem Wettkampf aufbaute.

„An der Nordsee kennt mich keiner, da kann ich völlig entspannt und ohne Druck inkognito  laufen“, so zumindest der Plan der Münsingerin.

Eine Planänderung stand dann bereits nach dem ersten Lauf, welcher von Krummhörn nach Greetsiel führte an. Ute Pfeiffer lief als dritte Läuferin nach 10,8 Kilometer ins Ziel. Weil die beiden anderen Läuferinnen jedoch nur ein Tagesticket und nicht das der Gesamttour buchten, ging das gelbe Tour-Führungstrikot an die Älblerin.

Vorbei wars mit inkognito. Die Augen waren bei der Siegerehrung auf Ute Pfeiffer gerichtet.  Mit dem Führungstrikot in der Hand packte sie dann wie schon so oft der Ehrgeiz. Armin Pfeiffer wusste nur zu gut, was das bedeutet. Ende Gelände, vorbei mit den Genussläufen.

Daran änderte sich auch bis zum letzten Tag nichts mehr. Obwohl Ute Pfeiffer „nur“ zwei Etappen komplett für sich entscheiden konnte, sicherte sie sich über die ganze Tour hinweg täglich das Führungstrikot. So kam ein Trikotsatz zusammen, welcher am Ende für eine komplette Handballmannschaft ausreichen würde.

Insgesamt 250 Tourenläufer, darunter 100 Frauen nahmen das Abenteuer „Urlaub und Laufen“ beim bestens organisierten 17. EWE-Nordseelauf in Angriff.

Tag zwei führte auf die Insel Borkum, die westlichste der Ostfriesischen Inseln. Tag drei nach Norddeich durch das grüne Tor zum Weltnaturerbe Wattenmeer.

Entspannung nötig

Tag vier auf Baltrum, der kleinsten Ostfriesischen Insel. Am sechsten Tag war dann Entspannung angesagt. Die war auch bitternötig mit Blick auf den Folgetag, denn das lockige Powerpaket, das letztes Jahr unter anderem auch beim X-treme Battle in Heroldstatt mitmischte, als hammerhart beschreibt.

  Knöcheltief galt es bei der fünften Etappe, dem „Cuxhavener Wattlauf“ durch den Schlick zu eiern. An ein normales Laufen mit ordentlich Abdruck, war dabei nicht zu denken. Wesentlich entspannter dann die sechste Etappe auf der Nordsee-Halbinsel Butjadingen, die zwischen Jadebusen und Weser liegt und sich durch ihre grüne Weite auszeichnet.

Letzte Etappe

Ein Zehn-Kilometer-Rundkurs mit Start- und Ziel bei der Freizeitanlage in Dorum-Neufeld stand dann bei der siebten und letzten Etappe an. Auch hier sicherte sich Ute Pfeiffer wieder wie in all den anderen Tagen zuvor, das gelbe Trikot und den Gesamtsieg in 5:20,13 Stunden. Und die Erkenntnis, dass ein Nordseeurlaub auch ganz schön sein kann, wenn auch der Süden ihr Favorit für entspannte Tage bleiben wird.

Ein Hauch Nordsee hängt jedoch immer noch bei Ute Pfeiffer im heimischen Wohnzimmer oder in ihrer Entspannungsoase vor ihrer Terrasse. Immer dann, wenn die Läuferin ihr E-Book in die Hand nimmt und sich mit den Nordseekrimis von Klaus-Peter Wolf zumindest gedanklich ab und zu wieder an die Küste beamt.

Heimrennen steht bevor

Armin Pfeiffer, der die Idee zum Nordseeabenteuer hatte, ging die Sache wesentlich entspannter an. Er trug sich am Ende mit einer Gesamtzeit von 6:17,00 Stunden in der Ergebnisliste ein. An einem entspannten Laufen ohne Druck will Ute Pfeiffer jetzt, mit der Erkenntnis, dass auch sie nicht jünger wird, arbeiten. Vielleicht gelingt ihr das bereits am 25. Juli beim Münsinger „Run in die Ferien“, selbst vor heimischem Publikum. Man wird sehen.

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