Ski Nordisch Pia Fink ergattert in Oberstdorf die ersten vier Weltcup-Punkte

Erste Weltcup-Punkte ergattert: Pia Fink kam in Oberstdorf auf Rang 27 mit 22,2 Sekunden Rückstand auf die Siegerin.
Erste Weltcup-Punkte ergattert: Pia Fink kam in Oberstdorf auf Rang 27 mit 22,2 Sekunden Rückstand auf die Siegerin. © Foto: Erhard Goller
Oberstdorf / Erhard Goller 04.01.2018
Ski Nordisch: Meilenstein in der Karriere der Bremelauer Langläuferin bei der Tour de Ski. Platz 20 im Massenstart ist für den Ermstäler Florian Notz noch zu wenig

Es war ein selten gesehenes, wildes Spektakel, das 15 Kilometer lange Skating-Massenstart-Rennen der Herren in Oberstdorf bei der Tour de Ski am gestrigen Donnerstag. Durch eingestürzte Bäume auf der Strecke musste der bekannte steile Burgstall-Anstieg aus dem Kurs genommen werden und so gab es keinen Anstieg, der das Feld richtig auseinander gerissen hätte.

Dadurch blieb es im Feld der 60 Läufer bis zum Schluss sehr eng. Es gab jede Menge Zwischenfälle, es gab Stürze, es brachen Stöcke, es brachen Ski und ein wenig war es Glücksache, wenn man nicht drin verwickelt wurde. Der Dettinger Florian Notz (SZ Römerstein) hatte zwei Mal dieses Glück, nicht von einem stürzenden Konkurrenten zu Boden gerissen zu werden. Doch durch den Umweg, den der Ermstäler dann nehmen musste, gingen wieder einige Plätze verloren. Im dichten Gedränge waren die nur schwer wieder gut zu machen.

Nach vorne gespült

Zwischen Kilometer 4,2 und 5,7 spülte es Notz, mit Startnummer 53 ins Rennen gegangen, von Position 38 auf 13 nach vorne. Das war eigentlich eine ideale Ausgangsposition, doch er konnte sie nicht halten. Teamkollege Andreas Katz aus Baiersbronn stürzte und schoss Notz praktisch ab. So fand man ihn bei Kilometer 8,4 plötzlich an 44. Stelle wieder. Das war die Phase, in der möglicherweise die Chance auf ein Top-15-Ergebnis verloren ginge. „Er musste sich zwei Mal nach vorne arbeiten“, erklärte Vater Dieter Notz als Beobachter. Doch es reichte nicht mehr ganz nach vorne.

900 Meter vor dem Ziel hatte sich der Römersteiner Skizunft-Lang­läufer zwar wieder an Position 23 nach vorne gekämpft, doch mehr als Rang 20, nur 8,1 Sekunden hinter dem Sieger Emil Iversen (Norwegen, 29:49), war nicht drin. Platz 15, die halbe Olympia-Norm, lag nur 1,1 Sekunden entfernt. Entsprechend enttäuscht war der Dettinger nach dem Rennen.

Vor ihm erreichten Lucas Bögl (Gaißach) und Jonas Dobler (Traunstein) als Elfter (+5,8) und 13. (+6,6) die halbe Olympia-Norm. Bester Deutscher war Thomas Bing (Dernbach) auf Rang neun (+4,9).

Was Notz’ Form wirklich wert ist, lässt sich in diesem Getümmel allerdings kaum ermessen. Das zeigt vermutlich erst am Sonntag der Anstieg zur Alpe Cernis.

Im Massenstart der Damen über zehn Kilometer konnte Pia Fink (SV Bremelau) aus Münsingen-Hundersingen bis Kilometer sechs mithalten und war bisweilen sogar an 15. Stelle zu finden. Doch dann stürzte am Anstieg eine Konkurrentin vor ihr, sodass eine Lücke aufriss. „Die musste ich erst wieder schließen“, so die Hundersingerin. Doch da hatte sich davor bereits eine weitere Lücke aufgetan und der Zug war abgefahren. Pia Fink machte von Position 29 aus zwar noch zwei Plätze gut, aber mehr als Rang 27 mit 22,2 Sekunden Rückstand auf die Siegerin Ingvild Flugstad Oestberg (Norwegen, 23:16,5) war nicht mehr drin.

„Mit dem Ergebnis und den ersten Weltcup-Punkten bin ich trotzdem sehr zufrieden“, kommentierte Pia Fink. „Körperlich ging es gut, das hatte ich nach den drei Tagen von Lenzerheide gar nicht so erwartet.“

Einige Asse fehlen

Dass die Ergebnisse ein wenig zu relativieren sind, das weiß auch Pia Fink. Aus der Weltklasse fehlt die eine oder andere Läuferin zugunsten der Olympia-Vorbereitung und nach den drei Tagen von Lenzerheide haben weitere die Tour de Ski verlassen. Doch bedenkt man, dass Pia Fink zum Beispiel die U23-Vizeweltmeisterin des Vorjahres, die Norwegerin Tiril Udnes Weng regelmäßig und auch in der Gesamtwertung hinter sich weiß, lässt sich das schon als ein Erfolg einordnen. Und als viertbeste Deutsche am Donnerstag braucht sie sich auch nicht verstecken.

Der Klassik-Sprint am Mittwoch, war den Wetterbedingungen zum Opfer gefallen. Im Gegensatz zu den Herren, wurden die Damen noch in die Qualifikation geschickt. Die Abstände waren für eine 1,2-Kilometer-Distanz immens. „Es hat stark geregnet, geblitzt und gestürmt“, berichtet Pia Fink, die das dann nicht gelaufene Finale der besten 30 um elf Sekunden verfehlt hätte. „Die Beine gingen eigentlich, ich hatte eher Probleme mit dem Wind.“  Eine Gegenwind-Böe kostete da prompt die eine oder andere Sekunde. Aber dann flogen Banner und Sponsoren-Aufsteller durch die Landschaft und in die Spur, sodass dem Spuk ein Ende gemacht wurde.

Pia Fink darf die Tour de Ski zu Ende laufen

Weil sie bei ihrer Tour-de-Ski-Premiere auch nach dem fünften Tag „noch nicht so kaputt“ ist, beschlossen die Trainer um Chefcoach Torstein Drivenes, die Münsinger Vorzeigeathletin Pia Fink entgegen der ursprünglichen Planungen im Rennen zu belassen. Als Gesamt-30. geht sie in Val di Fiemme in die letzten beiden Etappen. Am Samstag in einen 10-Kilometer-Massenstart im klassischen Stil und am Sonntag in das gefürchtete Verfolgungsrennen hinauf zur Alpe Cernis. „Ich freue mich, dass ich die Tour de Ski zu Ende laufen darf und bin gespannt, was mich erwartet“, sagt Pia Fink. Ob sie eine gute Kletterin ist? „Das weiß ich dann am Sonntag“, entgegnet sie.

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