Serie Niklas Illig geht für Deutschlands Skicrosser an den Start

Pfeilschnell auf den weißen Pisten unterwegs: Der Münsinger Niklas Illig ist nun sogar in den deutschen Nationalkader gefahren.
Pfeilschnell auf den weißen Pisten unterwegs: Der Münsinger Niklas Illig ist nun sogar in den deutschen Nationalkader gefahren. © Foto: Privat
Münsingen / szr 29.08.2018

Lange Zeit war es still um Niklas Illig, der sich bereits im Schülerbereich auf seinen schnellen Rennskiern einen Namen im weiteren Umkreis machte. Mit Unterstützung seiner Familie und des Deutschen Skiverbandes wagte der damals 15-Jährige vor zwei Jahren einen mutigen Schritt. Er wechselte vom heimischen Gymnasium, welches sich nur 300 Meter neben seiner Haustüre befindet, ans Ski-Gymnasium in Berchtesgaden, um die optimale Sportförderung voll auszureizen. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt. Nach seinen jüngsten Erfolgen in Österreich, der Schweiz, Schweden, Italien und Deutschland, bei welchen Niklas kontinuierlich auf die vorderen Ränge fuhr, wurde er vom Deutschen Skiverband mit der direkten Nominierung in die Lehrgangsgruppe II des Nationalkaders nominiert und hat somit als jüngster Skicross-Läufer einen fixen Startplatz für die Ende November beginnenden Europa-Cup-Rennen auf dem Pitztaler Gletscher.

Kein einfacher Weg, wie Niklas und auch seine Familie rückblickend bestätigen. Musste das Skitalent doch einige harte Schicksalsschläge erleben, bei welchen ihm durchaus bewusst wurde, dass sein Sport, dem er sich mit Herz und Blut verschrieben hat, nicht zu den ungefährlichen zählt. Tischtennis wäre definitiv ungefährlicher. Im Mai 2017 stürzte sein Zimmerkollege Niko Sommer auf dem Kaunertaler Gletscher bei einem Trainingslehrgang, wobei er sich eine Querschnittlähmung zuzog. Am 6. Dezember dann der nächste harte Schlag in die Psyche von Niklas und der kompletten Skiwelt. Kumpel Max Burkhart verunglückt bei einem Rennen im kanadischen Lake Louise tödlich. Niklas und auch seine Familie stellten damals wie schon so oft, vieles in Frage. Auch leistungsmäßig musste der Wahl-Berchtesgadener lernen mit Tiefschlägen umzugehen, obwohl anfangs alles bestens lief. Zählte Niklas doch zum Ende der Saison 2016, zu den besten Schülern der Republik, was mit einem besonders schmackhaften Bonbon seitens des DSV belohnt wurde.

Trainingslager in den USA

Im November 2016 durfte Niklas einen Trainingsaufenthalt in den USA genießen, um sich mit seinen amerikanischen Alterskollegen zu messen. Niklas überzeugte auch über dem Teich. Zurück auf deutschem Boden blieben die Podestplätze jedoch meist aus. Eine Erkältung jagte die andere, begleitet von zahlreichen Schwächephasen, bei welchen an gute Leistungen nicht zu denken war. Was mit dem Burschen los war, konnten sich zunächst auch die Ärzte, bei welchen er zwischenzeitlich Stammgast war, nicht erklären. Keine der zahlreichen Maßnahmen, die Niklas wieder in die Spur bringen sollten, wollte richtig greifen. Und wer nichts bringt, ist im Leistungssport ohne Gnade oft schnell raus. Ende der Saison zeichnete sich ab, dass Niklas, der zu diesem Zeitpunkt noch für die Sportfreunde Dottingen am Start war, seitens des BW-Landes-Skiverbandes sowohl die Förderung als auch den Kaderplatz verlieren wird. In der Folge wäre auch der Platz an der „Eliteschule des Sports“ flöten gegangen. Erst als sich die obersten Funktionäre und Trainer des Alpinbereichs aus den Reihen des DSV persönlich der Sache annahmen, entspannte sich die Situation. Ein erster Lichtblick im „Berchtesgadener-Desaster“.

Eine ganz entscheidende  Wende brachte dann aber die sportärztliche Untersuchung in der Sommerpause, bei welcher endlich eine Antwort für die schwache Saisonleistung gefunden werden konnte. Niklas litt die ganze Saison über am Pfeifferschen Drüsenfieber, was die schwache Leistung erklärte. Mit Beginn des neuen Schuljahres entschied sich Niklas dann für die noch junge Disziplin Ski-Cross. Und wer Niklas kennt, weiß: „das ist genau sein Ding“. Da kann er seine Kraft auspowern und seine Technik einbringen. Der Münsinger sieht für sich im Skicross langfristig die besseren Perspektiven im Spitzenbereich.

Wechsel nach Königssee

Neue Disziplin, neuer Verein, neuer Landesverband. Mit dem Wechsel zum WSV Königsee, will der 17-jährige Münsinger die Enttäuschung über den Württembergischen Skiverband vergessen und nun wieder nach vorne blicken. Wer sich ein bisschen im Skisport auskennt, der weiß, dass schnelle Skifahrer auch mit dem Sommertraining gemacht werden. Seit Juni ist deshalb die Vorbereitung für die Wintersaison 2018/2019 in vollem Gange.

Neben dem üblichen Training in Berchtesgaden standen die verschiedensten Trockentrainingsprogramme am Leistungszentrum in Garmisch-Partenkirchen, der Bundespolizeischule in Bad Endorf und am Olympiastützpunkt in München an. Die ersten Schneelehrgänge finden seit Anfang August am Hintertuxer Gletscher, in Norwegen und am Stilfser Joch statt.

Abitur 2020 angepeilt

Neben der sportlichen Karriere richtet Illig seinen Fokus auch noch auf das Abitur, welches er 2020 am Ski-Gymnasium machen will. Weil sich die Anwesenheit an der Schule bei den jungen Leistungssportlern in Grenzen hält, kommen sie in den Genuss der „Schulstreckung“, wobei ihnen ein Jahr mehr zum Pauken zur Verfügung steht.

Klingt locker, bedeutet aber sehr große Disziplin. Denn Versäumtes wird oft per Mail an die Athleten und Trainer seitens der Lehrer zum selbständigen Aufarbeiten übermittelt. Zusätzlich wird so manche versäumte Stunde in der regulären Ferienzeit am Internat nachgeholt. Auch wenn der Leistungssport in der Ferne einiges von Illig und seiner Familie abverlangt, sind sich alle sicher, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Weg so zu gehen.

Ein Weg, der nicht nur den sportlichen Kick mit sich bringt, sondern auch für’s Leben prägt, in welchem Disziplin und Durchhaltevermögen sicherlich nicht schaden werden.

Schulzentrum als Eliteschule des Sports

In Berchtesgaden sind die CJD Christophorusschulen ein staatlich anerkanntes privates Schulzentrum mit angeschlossenem Internat im Berchtesgadener Land. Träger ist das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands. Überregional ist das Berchtesgadener Schulzentrum als Eliteschule des Sports unter dem Begriff „Ski Gymnasium“ bekannt. Es umfasst dabei alle Formen des dreigliedrigen bayerischen Schulsystems (Grund- und Hauptschule, Realschule, Gymnasium) und darüber hinaus auch noch eine Berufsfachschule für Kinderpflege (BFSK). Die Schulen sind auf mehrere Standorte in Berchtesgaden, Schönau am Königssee und Bischofswiesen verteilt. Die Kernkompetenzen liegen auf den Bereichen Sport, Gesundheit und Religion. Die Betreuung von Leistungssportlern hat die Schulen deutschlandweit und auch international bekannt gemacht. Bereits seit Jahrzehnten werden Leistungssportler gefördert. Viele erfolgreiche Sportler, wie zum Beispiel Hilde Gerg, Maria Höfl-Riesch, Evi Sachenbacher-Stehle und Georg Hackl  haben das „Ski Gymnasium Berchtesgaden“ besucht und waren Ausgangspunkt für eine große Karriere.

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