Moto-Cross Mit Vollgas übers Stoppelfeld

Mit Vollgas ging es über die  abgeernteten Felder.
Mit Vollgas ging es über die abgeernteten Felder. © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Region / szr 09.10.2018

„Man muss schon ein bisschen ‚Drecksau’ sein, um sich mit dem Motocrossvirus voll und ganz zu infizieren“, war sich eine Zuschauerin, welche die waghalsigen Sprünge der Motorrad- und Quadfahrer beobachtete, hinter dem Schutzzaun sicher. Weicheier hingegen sind vor dem Virus vermutlich bestens geschützt.  „Drecksau“ galt an dieser Stelle als sportlicher Inbegriff, welcher einen wagemutigen und furchtlosen Sportler, mit einer ordentlichen Überdosis Benzin im Blut beschreibt. Für den 25-jährigen Josia Wald, im Zusammenhang mit seinem Motocrossfahrstil, durchaus ein Kompliment. Der Ehestetter zählte am Wochenende zu den auffälligen „Drecksauen“, welche den Anschein erweckten, als wäre Furcht ein absolutes Fremdwort für sie. Stolz aber dennoch mit einem gewissen Sorgenpaket im Nacken, beobachtete Freundin Tamara wie Josia scheinbar furchtlos mit aufgedrehtem Gashahn über den Schanzentisch flog, nach der Landung gleich volle Karacho die Kurve nahm, um anschließend mit Vollgas bergan in Richtung Horizont zu verschwinden.

Kraft und Ausdauer sind wichtig

Ganz klar: Ohne Kraft und Ausdauer läuft beim Motocross nichts. Zeit für extra Krafttrainingseinheiten opfert Wald jedoch nicht. „Meine Kraft hol ich mir beim Arbeiten als Straßenbauer“, verrät der Adrenalinjunkie, der sich in 18 Jahren Motocrosssport einzig zwei Rippen gebrochen hat. Auf so eine verletzungsarme Motocrosskarriere hofft auch Walds Neffe Raphael, weil er das Krankenhaus schlichtweg blöd findet. „Viel geiler finde ich das Schanzenfahren“,  verrät der fünfjährige Nachwuchscrosser, der neben seinem grünen Laufrad auch eine grasgrüne PW 50 sein Eigen nennt und bereits seit eineinhalb Jahren aktiv mit Motocrosssport mitmischt. Wie Raphael, wurde auch Simon Röcker aus Hülben eine Überdosis Motocrossblut mit in die Wiege gelegt. Seit seinem sechsten Lebensjahr heizt der heute 22-Jährige nicht selten mit Vollgas über Felder und abgemähte Wiesen. „Fußball hat er als Kind auch mal probiert, das war ihm damals aber zu hart“, erzählt sein Vater Michael, der mit 52 Lenzen der älteste im Hülbener Motocrossrennstall WK-bau ist. Teamchef André Kuder liebt vor allem den Zusammenhalt in der Motocrossszene, die Kameradschaft und den riesigen Spaß, welchen der Sport bereits auf der Hobbyebene mit sich bringt. Genau dieses Flair will Michael Röcker, der zwei Söhne und 16 Motorräder hat, auch mit der dritten Generation erleben. „Ich sag zu Simon schon ne ganze Weile, dass er nicht mehr mit Platzpatronen schießen soll, weil das Kindercrossrädle bereits in der Garage steht“, scherzt der leidenschaftliche Motorsportler, der großes Lob für das GSGA-Orgateam und die Quad-Freaks  übrig hatte. Verdientes Lob, denn unzählige Arbeitsstunden mit schwerem Gerät gingen dem Event voraus, um aus dem landwirtschaftlichen Nutzfeld, welches Rolf Bleher bereits zum vierten Mal für die Motorsportfreunde zur Verfügung stellte, ein durchaus lobenswertes Stoppelcrossfeld zu machen. Bereits am Samstag nutzten 170 Fahrer das Feld, um ohne Renncharakter, einzig aus der Just for Fun-Laune heraus übers bestens abgesteckte und präparierte Gelände zu heizen. Dass der Schanzentisch heuer rund 1,50 Meter flacher war, als in den Jahren zuvor, brachte der heiße, trockene Sommer mit sich. „Es gab dieses Jahr schlichtweg kein Stroh, welches wir in den Schanzentisch einbauen konnten“, erzählt Andreas Gallmetzer, alias Galli, einer der Hauptorganisatoren, der sich zufrieden mit der Resonanz zeigte und großes Lob, für die Fahrer, für Bauer Bleher und das Baugeschäft Hanna Bau, welches zum Präparieren der Strecke schweres Gerät samt Fahrer sponserte, übrig hatte. Sicher ist, ohne die Unterstützung würde es das Spektakel, welches sich die meisten Fahrer ganzjährig wünschen würden, nicht geben. Auch wenn zahlreiche Älbler hochgradig mit dem Motocrossvirus infiziert sind und den Sport gerne professioneller betreiben würden, wird der Traum vom Alb-Cross-Gelände vermutlich noch lange ein Traum bleiben. „Das funktioniert halt in Bayern oder im Osten“, zeigte sich ein Crossfahrer aus Mehrstetten leicht gefrustet.

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