Münsingen Die Freude am lustvollen Schinden geht zurück

Von der Schießzone so schnell wie möglich zurück aufs Rad: Der Dottinger Mountainbike-Biathlon stellte die Teilnehmer vor eine echte Herausforderung. Nicht jeder will sich selbiger stellen.
Von der Schießzone so schnell wie möglich zurück aufs Rad: Der Dottinger Mountainbike-Biathlon stellte die Teilnehmer vor eine echte Herausforderung. Nicht jeder will sich selbiger stellen. © Foto: Zeller-Rauscher
Münsingen / Sabine Zeller-Rauscher 11.09.2018

Unübersehbare Entwicklung: „Freiwilliges lustvolles Schinden“, wie es einst der Münsinger „Bewegungspapst“ Erich Hörz gepredigt hat, scheint nicht mehr voll im Trend zu sein. Zumindest lassen dies die oft rückläufigen Zahlen bei kleineren, regionalen Sportveranstaltungen vermuten.

Eine Tendenz, die heuer die Sportfreunde Dottingen bei ihrem mittlerweile traditionellen Mountainbike-Biathlon im Münsinger Stadtteil zu spüren bekamen.

Mit Spaß an der Sache

Ein Blick ins überschaubare Starterfeld zeigte dennoch deutlich auf, dass diejenigen, die da waren, ihren Spaß an der Sache hatten. Für die Macher auf der Münsinger Alb eine Genugtuung, die den Stimmungsbarometer im oberen Bereich hielt. Dass bei dem Wettkampf nicht nur Kraft in den Waden vorhanden sein musste, bekamen selbst erfahrene Biker immer wieder am modernen Schießstand zu spüren. Hier war eine ruhige Hand gefragt, um zu treffen. „Zuschauer als auch Teilnehmer, die sich oft beim Biathlon im Winter fragen, warum die Biathleten nicht immer treffen, können erkennen, dass es gar nicht so einfach ist“,  betonte Bauer. Ein ruhiger Puls ist dabei eindeutig von Vorteil. Gar nicht so einfach, wenn im Vorfeld volle Kanne in die Pedale getreten werden musste. Was dann  oft beim Hinlegen die gefürchtete Nähmaschine, bei welcher der Zeigefinger nur noch auf dem Abzug des Gewehres tanzt, zur Folge hat.

Da half nur kurz abwarten oder Strafrunden fahren, denn pro Schießfehler musste eine Strafrunde gefahren werden. Bei nicht gefahrenen Strafrunden gab es Strafminuten.

16 Jugendliche mischten am Morgen unter anderem die Blätter am Wald oberhalb des Dottinger Sportgeländes auf. Chiara Schweizer vom TSV Böhringen ging dabei bereits im Vorfeld als potenzielle Siegerin ins Rennen, weil sie als einziges Mädchen antrat. 27:15 Minuten lang gab sie dennoch alles. Knapp zehn Minuten schneller, brachte Jannis Tress von der TSG Münsingen das Rennen hinter sich, um sich am Ende als Gesamtjugendsieger vor Fabian Schweizer vom TSV Böhringen (19:19) und Hannes Bauer von den SF Dottingen (19:50) feiern zu lassen. In der Jugendwertung wurden die Jahrgänge 2003 bis 2006 gemeinsam gewertet.

28 Männer beim Einzelfahren

Immerhin drei Teilnehmerinnen fanden sich in der Frauen-aktiv-I-Klasse, in welcher Lisa-Marie Ruopp vom WSV Mehrstetten in 27:29 Minuten das Rennen machte. Vor Svenja Failenschmid (TSG Münsingen), die nach 30:11 Minuten das Ziel erreichte. Dritte wurde Hanna Luccaini vom SSV Meidelstetten in 30:33. Nach 29:49 Minuten war die vereinslose Katrin Vogelwald als einzige Frau in der Frauen-aktiv-II-Klasse im Ziel.

28 Männer mischten beim Einzelfahren das Feld auf. Zehn bei den Youngsters, der Männer-aktiv I-Klasse-  und 18 bei den etwas älteren, aber dennoch kernigen und tretfreudigen Semestern. Den Sieg bei den Youngsters holte sich Louis Tress von der TSG Münsingen in 21:23 Minuten vor Nils Holocher (21:53) und Thomas Heinlin vom Team Axel Schäfer (22:36).

Tobias Wutz von den Triathleten des SV Sulmetingen hatte bei den AH-Tretern mit einer Zeit von 21:50 die Nase vorn. Zweiter wurde Andreas Eberhardt von der TSG Münsingen in 22:01 Minuten vor dem Drittplatzierten Markus Allgaier vom WSV Mehrstetten (22:37).

Teamgeist war bei den Staffelrennen ab 14 Uhr gefragt, wobei sich die Powergirls der SF Dottingen den Sieg in der Frauenklasse in 1:09:42 Stunden vor der Girls-Power Mannschaft des TSV Böhringen, die zusammen 1:16.16 Stunden in die Pedale traten, sicherten. In der Mixwertung holten sich ganz klar die roten Flitzer der TSG Münsingen den Sieg in 54:55. Als zweitbeste Mannschaft trug sich der Team Radschuppen mit einer Zeit von 56:50 in der Ergebnisliste ein und auf Platz drei von vier Mannschaften faden sich das FARU-Team des WSV Mehrstetten mit einer Zeit von 57:16 Minuten.

Auch bei den Männern sicherte sich die TSG Münsingen mit ihren Kurbelquälern die oberste Stufe auf dem Siegerpodest in 46:18 Minuten vor dem WSV Mehrstetten (48:13) und dem Dottinger Radlern, die nach 49:25 Minuten am Ziel waren.

Angst vor Blamage als Erklärung für Abstinenz

Achim Bauer, einer der Verantwortlichen im Organisationsteam der SF Dottingen, vermutet, dass so mancher Hobbysportler möglicherweise auch Angst davor hat, sich im Wettkampf zu blamieren, was beim Dottinger Rennen, bei welchem der Freizeitsportcharakter an oberster Stelle steht, eigentlich auszuschließen wäre. Wie auch immer, es waren weniger Teilnehmer als sonst und Firmenteams waren gar keine am Start. Immerhin halten die Sponsoren dem Münsinger Stadtteilklub und seiner Veranstaltung die Stange.

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