Gomadingen-Marbach / swp Andreas Dibowski gewinnt mit Corrida die 33. Internationale Marbacher Vielseitigkeit. Michael Jung aus Horb am Neckar wird mit Chimpunk Zweiter. Das Wetter spielt dem Veranstalter nicht in die Karten, trotzdem wird ein positives Fazit an der Lauter gezogen.

Wie immer hielt der Name Wort: Die 33. Marbacher Vielseitigkeit im Pferdesport stand auch von Mittwoch bis Sonntag für vielseitigen Pferdesport und unterschiedlichste Prüfungen.

Die Eqiupe Tricolore der Nachwuchsreiter im Ponysattel ließ von Turnierbeginn an keinen Zweifel an ihrem Anspruch auf den Sieg in Gomadingen-Marbach. Und so wurde bei der Siegerehrung des CCIOP2* in der Marbacher Arena die Marseillaise gespielt.

„Die Reiter aus Frankreich haben im Gelände keine Sekunde verschenkt“, meinte der deutsche Bundestrainer Fritz Lutter. An der Führung der Franzosen änderte auch das abschließende Springen nichts, es wären sogar noch ein paar Springfehler mehr „drin“ gewesen. Mit insgesamt 105,6 Minuspunkten entschieden sie den Nationenpreis der Ponyreiter für sich, Platz zwei belegte die Mannschaft aus Italien (127,3 Punkte), Dritte wurden die Reiter aus den Niederlanden (171,2).

Nicht ganz rund lief es für das deutsche Quartett Sophia Rössel (Mayen),  Jule Krueger (Hamburg), Maya Marie Fernandez (Weiterstadt) und Maxima Homola (Bad Homburg). Mit einem Endstand von 1071,70 Minuspunkten belegte Deutschland Platz vier.

Auch in der Einzelwertung ging der Sieg an Frankreich. Zwar galoppierte Louise Petitjean mit ihrem zehnjährigen Wallach Versailles des Morins nach einem Abwurf und 1,2 Zeitstrafpunkten über die Ziellinie des Parcours – aber dank ihres komfortablen Punktevorsprungs aus Dressur und Gelände konnte sie sich das leisten. Die Team-Bronzemedaillengewinnerin der Europameisterschaft in Bishop Burton 2018 siegte mit 29,8 Minuspunkten im CCIOP2*. Platz zwei ging mit Camilla Luciani und Morelands Affair nach Italien (30,8 Punkte). Auf dem dritten Rang positionierte sich dann erneut eine Reiterin aus Frankreich: Manon Marin brachte ihr Dressurergebnis im Sattel von Urgence de Bel´Air dank fehlerfreier Runden in Gelände und Parcours sicher ins Ziel.

Mit dem Mannschaftswettbewerb um den Alpencup stand eine weitere Entscheidung im Springen des CCIOP2* an. Auch hier siegte Frabnkreich vor Italien. Die Mannschaft „Germany 2“ – Jette Lakeberg mit Nadeshi, Charlotte Schulze Zurmussen mit Pascal S.W., Josepha Fischer mit Bell-A-Bon und Theda Knop von Schwerdtner mit Chapeau Claque – belegte Platz drei  vor dem Team „Germany 1“.

Deutsches Junioren-Team siegt

Wie im vergangenen Jahr waren die deutschen Nachwuchsreiter auch beim zweiten, in Marbach ausgetragenen Junioren-Nationenpreis nicht zu schlagen. Calvin Böckmann wiederholte seinen Vorjahressieg in der Einzelwertung.

In der Endabrechnung hatten die Deutschen 98,1 Minuspunkte auf dem Konto, die zweitplatzierte Mannschaft „Italien 1“ brachte es auf 188,90 Minuspunkte. In Springfehler umgerechnet bedeutet das eine Differenz von gut 22 Abwürfen. Mit 204,0 Punkten folgte das zweite italienische Team.

Auf allen Treppchenplätzen in der Einzelwertung fanden sich deutsche Reiter. Der Sieger durfte übrigens in Marbach an der Lauter schon im vergangenen Jahr feiern: Calvin Böckmann, der bereits im Ponysattel Medaillen bei Europameisterschaften sammelte und auch im Springen schon Mannschafts-Europameister war. Er hatte Altair de la Cense gesattelt, eine neunjährige Stute aus französischer Zucht. Die beiden waren im Gelände fehlerfrei geblieben und beendeten den Springparcours mit nur 1,2 Zeitstrafpunkten. Dieb Plätze zwei und drei gingen an seine Teamkollegen Konstantin Harting mit Westfalenstiute Cigaline (32,8 Minuspunkte) und Christina Schöninger mit Schoensgreen Continus, einem zehnjährigen Wallach aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen.

Der vierte Teamreiter, Gregor Migas aus dem baden-württembergischen Neukirch am Bodensee, gab sein Debüt im deutschen Junioren-Team. Der erst 16-Jährige und seine Scheckstute Lisa waren kurzfristig in die Equipe berufen worden. Mit einer Verweigerung im Gelände und sechs Abwürfen im Springen lieferten sie das Streichergebnis für das Team. Komplettiert wurde der Erfolg der deutschen Junioren durch einen vierten Platz der bayerischen Einzelreiterin Tamara Langhof mit Icy Eye und 38,7 Minuspunkten.

Andreas Dibowski siegt

Der Mann, der die Hauptprüfung der Marbacher Vielseitigkeit so oft gewinnen konnte wie kein anderer, musste am Ende einem Kollegen den Vortritt lassen: Der Niedersachse Andreas Dibowski (zweifacher Team-Europameister und Mannschafts-Olympiasieger von Hongkong 2008) entschied das CCI4*-S vor Michael Jung für sich und sicherte sich damit den Titel des Champions der deutschen Berufsreiter Vielseitigkeit. Für Dibowski war es der erste Triumph in Marbach. Außerdem war es für seine zehnjährige Hannoveraner Stute FRH Corrida der erste Sieg auf diesem Niveau.

Dritter im CCI4*-S wurde Andrew Hoy mit Vassily de Lassos, dreimaliger Mannschaftsolympiasieger aus Australien.

Den Bronzerang im Berufsreiterchampionat belegte Jörg Kurbel aus Rüsselsheim, der mit mit 1,88 Meter großen Josera’s Entertain You auf Platz 13 der internationalen Wertung landete.

Einen Führungswechsel gab es auch in der Sonderwertung des U25-Förderpreises Vielseitigkeit. Denn wie Jung leistete sich auch Anna-Katharina Vogel aus Biessenhofen in Bayern einen Abwurf im Springen. Vogel, im vergangenen Jahr Zweite der Gesamtserie, war neben Hoy als einzige im Gelände fehlerfrei geblieben. In der CCI4*-Wertung landete sie am Ende auf Platz acht. Erste unter den Top-Nachwuchsreitern (Platz sechs im CCI) wurde die Landwirtschaftsstudentin Miriam Engel aus Kiel. Im Zwischenstand der Serie rangieren beide Reiterinnen damit punktgleich mit jeweils 60 Punkten auf Platz eins.

Michael Jung gewinnt CCI2*-L

Michael Jungs Sammlung an Medaillen dürfte einmalig sein. In Marbach kam eine weitere für den Olympiasieger aus Horb hinzu. Sein Sieg im CCI2*-L bescherte ihm auch die Schärpe des Landesmeisters. Titelverteidigerin Eva Terpeluk hatte sich mit Uni’s Black Pearl schon in der Dressur an die Spitze des Zwei-Sterne-Feldes gesetzt, die Führung dank eines fehlerfreien Rittes im Gelände behalten, und dann hat’s doch nicht sollen sein. 14 Minuspunkte im Parcours bedeuteten für sie am Ende Platz sieben im Gesamtclassement.

Theresa Müller auf dem Vizerang

Michael Jung dagegen – mit dem erst siebenjährigen Holsteiner Wild Wave Vierter nach Dressur  und Dritter nach dem Gelände – blieb im Parcours fehlerfrei und siegte am Ende mit 29,6 Minuspunkten. Der Sieg im  CCI2*-L brachte ihm gleichzeitig den Titel des Landesmeisters ein. Zweite und Baden-Württembergische Vizemeisterin wurde Theresa Müller mit Schoensgreen Lenny (30,9 Punkte), Platz drei und Bronze ging an Pietro Grandis, der international für Italien startet, mit Star Connection (32,5).

Turnierleiter ist trotz Widrigkeiten zufrieden

Der Marbacher Turnierleiter Wolfgang Leiss zog ein positives Fazit: „Wir hatten in diesem Jahr nicht die besten Voraussetzungen: Es war das erste Turnier ohne unseren langjährigen Sportlichen Leiter Gerd Haiber. Zudem konnten wir die Historische Reithalle des Gestüts, in der ansonsten die Organisation untergebracht war, wegen Umbaumaßnahmen nicht nutzen. Und nicht zuletzt war schlechtes Wetter angesagt. Vor diesem Hintergrund kann ich nur feststellen: Es war ein super Turnier. Trotz teilweise kühler Witterung und einiger Regenschauer herrschte im Gelände überall eine wirklich gute Stimmung. Das zu spüren, war auch für mich persönlich ein schönes Erlebnis.“