Crailsheim / Joachim Mayershofer und Andre Uferr

Ben Madgen hat zu Beginn des Jahres maßgeblich dazu beigetragen, dass die Hakro Merlins Crailsheim in Frankfurt gewonnen haben. 20 seiner 22 Punkte erzielte er in der ersten Halbzeit. Mit ein Motivationsgrund: Er wurde zum zweiten Mal Papa. Für das Spiel beim Mitteldeutschen BC in Weißenfels hoffen die Merlins wieder auf einen Motivationsschub familiärer Art: Tess Madgen, die Schwester des Shooting Guards, ist zu Besuch in Crailsheim.

Wie ihr Bruder ist sie Basketballprofi. Die 28-Jährige, die 2018 mit der Nationalmannschaft Silber bei der Weltmeisterschaft gewonnen hat, spielt in der australischen Liga WNBL bei Townsville Fire, einem Klub in Queensland. Seit Sonntag ist sie in Crailsheim. „Wir hatten letzte Woche in Spanien ein Trainingslager und jetzt eine Woche freibekommen. Da hat es sich angeboten, Ben und seine Familie zu besuchen“, sagt Tess. Am morgigen Samstag geht es zurück nach Australien, sie kann kein Spiel von Ben und den Merlins live erleben. „Das ist echt schade. Aber wenn ich Zeit habe, schaue ich mir jedes Spiel meines Bruders auf dem Computer an. Ich liebe es zu sehen wie er spielt, er ist so ein guter Spieler“, schwärmt die 1,83 Meter große Basketballerin.

Auf die Frage, ob sie sich freut, wenn Ben Madgen und seine Familie bald wieder in Australien wohnen, sagt sie strahlend: „Wenn ich ehrlich bin, dann ja, ich freue mich sehr darüber. Er wird dann in Melbourne spielen, und das ist meine Lieblingsstadt. Außerdem lebt mein anderer Bruder auch dort.“ Der Noch-Crailsheimer wird dann für South East Melbourne Phoenix auflaufen.

Tess Madgen hofft natürlich, dass sich ihr Bruder Ben nach der Saison mit dem Klassenerhalt von den Merlins verabschieden kann. Das Spiel beim MBC heute Abend ist dafür wegweisend. Beide Teams haben in dieser Saison vier Spiele gewonnen, 8:32 Punkte auf dem Konto. Schlusslicht Bremerhaven hat 6:36 zu Buche stehen, der Viertletzte aus Jena 10:28. Der MBC hat allerdings einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil, weil er das Hinspiel in Ilshofen gegen Crailsheim 89:70 für sich entschieden hat, und damit im direkten Vergleich deutlich die Nase vorne hat, wenn beide Teams am Ende der Saison punktgleich sein sollten. Umso wichtiger ist ein Crailsheimer Erfolg.

„Wir erwarten ein sehr hartes und umkämpftes Spiel“, sagt Merlins-Trainer Tuomas Iisalo. Beide Teams haben überraschend ihre letzten Spiele vor der Pokalfinal- und Länderspielpause gegen starke Gegner gewonnen: Weißenfels 77:76 gegen Ludwigsburg, die Merlins 97:90 gegen Bayreuth. „Der MBC ist aggressiv und körperlich stark, besonders auf den Flügeln. Außerdem müssen wir unter den Körben gut arbeiten und einen Weg finden, so viele Rebounds wie möglich zu holen“, erklärt Iisalo. Der Sportliche Leiter Ingo Enskat hofft darauf, dass die Mannschaft mit der gleichen Energie wie beim Heimsieg gegen Bayreuth agieren wird. „Dann werden wir sehen, was dabei rauskommt. Beide Mannschaften gehen mit einem positiven Gefühl aus den Partien vor der Länderspielpause ins Spiel. Ob man es als Vier-Punkte-Spiel betiteln kann? „Es kann natürlich ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt werden“, ist sich Enskat um die Bedeutung der Partie heute Abend bewusst.

Der MBC hat mit Silvano Poropat vor Kurzem den früheren Erfolgscoach wieder an Bord geholt, um den Klassenerhalt zu schaffen. „Wir müssen mit voller Konzentration in die Partie gehen und bereit sein, unser Bestes zu geben. Crailsheim hat sich in den letzten Wochen verbessert, aber genau das haben wir auch getan. Die Zeichen für ein spannendes Spiel stehen günstig“, wird der zweimalige BBL-Trainer des Jahres (2006/07, 2013/14) auf der Homepage des MBC zitiert. „Wir müssen den Spielrhythmus bestimmen, gut verteidigen und um jeden Ball kämpfen. Gemeinsam mit den Fans müssen wir im Wolfsbau eine Einheit bilden und zusammenhalten, das kann ein ganz wichtiger Faktor werden. Zu den Qualitäten der Crailsheimer zählen Kampfgeist und ein schneller Spielstil. Wir sind darauf vorbereitet und müssen willens sein, alles zu geben.“

Bekannter Neuzugang

Die Wölfe aus Sachsen-Anhalt haben im Saisonendspurt neben Trainer Poropat noch ein weiteres bekanntes Gesicht verpflichtet: Andrew Warren schnürt schon zum dritten Mal die Basketballschuhe für den MBC. „In Weißenfels hat er immer sehr gut funktioniert, für den MBC eine sehr gute Verpflichtung“, findet Ingo Enskat. Der starke Schütze Warren soll mit Topscorer Trevor Releford (15,3 Punkte), Lee Moore (12,1) und James Farr (10,3) für die nötige Feuerkraft sorgen. Auch bei Crailsheim punkten drei Spieler im Schnitt zweistellig: Ben Madgen (14,2), Frank Turner (11,6) und Joe Lawson (11,1).

Beide Mannschaften kommen nahezu auf die identische Punktausbeute pro Spiel (MBC: 80,4; Crailsheim: 80,9). Bei der Freiwurfquote (71,9 Prozent; Merlins: 72,9) und der Dreierquote (31,1 Prozent; Merlins: 37,9) hat der MBC die schwächste Quote der Liga. Dafür verbuchen die Wölfe die zweitmeisten Blocks in der BBL (3,1; Merlins: 1,6).

Info Mitteldeutscher BC – Hakro
Merlins Crailsheim, heute, 19 Uhr,
www.magentasport.de

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Spiele hat es in der Bundesliga bislang zwischen Crailsheim und dem MBC gegeben. Dabei liegt das Team aus Weißenfels im direkten Vergleich mit drei Siegen noch in Führung.