Metzingen Zu Trainingszwecken gibt es den Zehner durchs Ermstal

Die Triathletin Anja Knapp beschränkt sich beim Ermstal-Marathon auf die letzte Disziplin – das Laufen.
Die Triathletin Anja Knapp beschränkt sich beim Ermstal-Marathon auf die letzte Disziplin – das Laufen. © Foto: Eibner
Metzingen / Wolfgang Seitz 30.06.2018

Anja Knapp unterscheidet sich vom Gros ihrer Mitläuferinnen beim Ermstal-Marathon. Schon die Anreise ist ein bisschen anders. Wobei Reise da eigentlich gar nicht passt. Sie läuft nämlich – von ihrem Heimatort Dettingen nach Bad Urach. Von dort aus geht es die zehn Kilometer ermstalabwärts gen Metzingen. Macht in Summe schon einmal 15. „Der Tag ist dann aber noch nicht vorbei“, verweist die Triathletin auf den Nachmittag des 8. Juli. Da sitzt sie drei Stunden auf dem Fahrrad und kurbelt mächtig. Das Programm danach ist noch offen. Gut möglich, dass eine Wasser-Einheit hinzukommt. Das wäre praktisch ein umgedrehter Triathlon, der zu Traingszwecken natürlich erlaubt ist. Deshalb haben ihre Trainer Erich Jud und Dan Lorang auch sicher nichts gegen eine Teilnahme beim Ermstal-Marthon.

Es geht flotter voran

„Es hat seither einfach nicht mehr gepasst“, sagt Anja Knapp. 2009 hat sie gewonnen über die zehn Kilometer, seither offerierte der Triathlon-Kalender keine Möglichkeit mehr. Jetzt klappt es, vielleicht auch, weil sie mit Peter Keinath und Michael Leibfarth zwei Lauftrainer hat, die mit dem Rennen vor der Haustür eng verwurzelt sind. „Sie quälen mich ein bisschen“, sagt die Dettingerin – und lacht. Weil die „Quälerei“ sie nämlich im Laufen schneller gemacht hat.

Das war bis vor kurzem noch die Problemdisziplin. Jetzt geht es flotter voran bei der jungen Dame, die im Gespräch nur ganz kurz damit hadert, dass sie „bald den Dreier vorne stehen hat“. Das glaubt sowieso niemand und zudem ist es kein Alter, um sich im Triathlon mit dem Karriereende zu befassen.

Zumindest hat Anja Knapp dies bis zum vergangenen Jahr gedacht. „Dann kam ein neuer Sportdirektor, es gab Streit und Probleme, weil er das System umgedreht hat. Die Älteren fanden bei ihm plötzlich keine Berücksichtigung mehr“, so Knapp rückblickend auf die Querelen mit dem Verband. Ein Jahr lang konnte sie deshalb keine Punkte sammeln, die nun nach Beginn des Olympiazykluses und eines Umdenkens seitens des Verbandes dringender denn je gebraucht werden. Deshalb ist der Wettkampfkalender von Anja Knapp umfangreich. Zum Beispiel startet sie an diesem Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft in Düsseldorf, wo es über die Distanzen 750 Meter (Schwimmen), 20 Kilometer (Rad) und fünf Kilometer (Laufen) geht. Da gilt es noch einen Startplatz zu ergattern für die Team Relay am 14. Juli in Hamburg. Dem könnten sich Rennen in Kanada anschließen, wesentlich näher liegt die Bundesliga in Tübingen, richtig gereist wird dann wieder zu den Weltcups in aller Herren Länder – sofern die gesammelten Punkte für einen Startplatz reichen. Getan wird dafür alles. Den Sport will Anja Knapp nicht missen, betreibt ihn „fast“ profimäßig, zehn Stunden pro Woche ist sie aber noch bei der Frima Bosch in der Mikro-Technologie beschäftigt. So ist also für das berufliche Standbein gesorgt – und Zeit für Training bleibt genug.

„Michi und Peter haben mich schneller gemacht“, lobt die Triathletin ihre Disziplintrainer, wobei „Michi“ nicht nur Coach, sondern auch Freund ist. Der wird sie dann auch am 8. Juli begleiten – obwohl ihm wieder die Achillessehne zu schaffen macht, er ein paar Wochen aussetzen musste. Es geht wieder, beziehungsweise er rennt wieder. „Ich werde mit Anja laufen“, hat er verkündet. Nicht einmal beim Rennen hat sie also ihre Ruhe vor den unerbittlichen Trainern. Zwei nette Kerls im übrigen, die ihre Arbeit eben Ernst nehmen.

Der Druck des Heimrennens

Wohl auch deshalb hat Anja Knapp ein ambitioniertes Ziel formuliert. „Um den Sieg will ich mitlaufen, ich mache ja keinen Hobbylauf“, sagt sie. Zeitmäßig gibt es keine klaren Vorstellungen. Wenn keine andere vor ihr wäre, ginge es schon in Ordnung. Wenn dann eine Schnellere mitrennt, ist es auch okay  – Anja Knapp wird auf alle Fälle ihr Bestes geben. Muss sie auch, weil natürlich die gesamte Verwandtschaft mit Argusaugen ihren Auftritt verfolgen wird. So ist es halt bei Heimrennen.

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