Handball Vize-Europameister wird ein Blauer

Dragan Jerkovic (hier noch im Trikot des TVB Stuttgart) ist im Welthandball kein Unbekannter. Dass der TV Neuhausen einen solchen Hochkaräter zum Karriereende ins Ermstal lockt, ist ein Coup.
Dragan Jerkovic (hier noch im Trikot des TVB Stuttgart) ist im Welthandball kein Unbekannter. Dass der TV Neuhausen einen solchen Hochkaräter zum Karriereende ins Ermstal lockt, ist ein Coup. © Foto: Privat
Neuhausen / swp 07.03.2018

Seine sportliche Vita kann sich absolut sehen lassen, ab Sommer spielt er für den TV Neuhausen: In Person von Torwart Dragan Jerkovic kommt zur neuen Saison ein Spieler ins Ermstal, der viel im Handball erlebt hat. Der 42 Jahre alte Routinier, international enorm erfahren, ist ein wichtiger Baustein für die Neustrukturierung des Kaders und der Nachwuchsarbeit.

„Bei ihm passt einfach das Gesamtpaket“, betont TVN-Geschäftsleiter Nico Held. „Dragan kann uns mit seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung im Profihandball enorm weiterhelfen.“

Jerkovic, dessen Vertrag für die dritte und vierte Liga Gültigkeit besitzt, soll zudem als Bindeglied zwischen erster Mannschaft und dem Nachwuchsbereich agieren. Ziel: Torhüter aus dem eigenen Nachwuchs für den Profibereich zu entwickeln.

Verzicht auf Gehalt

„Sein Ehrgeiz für die Aufgabe zeigt, dass er wegen dem Projekt auf Gehalt verzichtet und lieber mit Taten punkten möchte“, erklärt Nico Held. Dem blau-weißen Ermstalklub kam bei der Verpflichtung zugute, dass es Jerkovic wieder in den Süden zieht, wo er noch vor nicht allzu langer Zeit ganz besondere Momente seiner langen Karriere erlebte.

Ab Januar 2014 spielte der Kroate für den TV Bittenfeld, stieg mit dem TVB (ab diesem Zeitpunkt TVB 1898 Stuttgart) nicht nur in die Bundesliga auf, sondern hielt mit dem Klub die Liga. Nach der Saison 2016/2017 schloss sich Dragan Jerkovic dem VfL Eintracht Hagen an. Der Neuhäuser Neuzugang ist als Spieler, spielender Co-Trainer, Teil der sportlichen Leitung und im Nachwuchsbereich vorgesehen. „Durch sein Netzwerk und seine sportlichen Qualitäten kann er uns und den gesamten Verein nach vorne bringen“, sagt Held.

Des Weiteren wird der TVN Dragan Jerkovic bei seiner Trainer-Ausbildung unterstützen.

Einige Titel und viel Erfahrung

Jerkovic‘ Karriere begann bei RK Brodomerkur Split in der ersten kroatischen Liga, er wechselte danach zu RK Metkovic-Jambo, wie sich der Klub seinerzeit nannte. Zwar schaffte er es mit seinem Verein nie, an Serienmeister RK Zagreb vorbeizukommen, dafür gewann Jerkovic mit dem Team aus seiner Geburtsstadt (am 8. Dezember 1975 wurde Dragan Jerkovic im 16 500 Einwohner zählenden Metkovic geboren) allerdings 2000 den EHF-Pokal und zog 2001 noch einmal ins Finale dieses Wettbewerbs ein.

Eben 2001 wechselte der Keeper in die Handball-Bundesliga, Eisenach war seine erste Station. 2004 stieg er mit den Thüringern ab, im Februar 2005 schloss er sich dem Erstligisten SV Post Schwerin an. Im Sommer 2005 kehrte Dragan Jerkovic für ein knappes Jahr in seine Heimat zurück, spielte  für RK Agram Medvescak Zagreb. Nächste Station war der Schweizer NLA-Verein Kadetten Schaffhausen, mit dem er Meister, Pokalsieger und Supercupsieger wurde.

2007 ging‘s erneut zurück nach Kroatien, diesmal zum Serienmeister RK Zagreb. 2008 feierte er die Meisterschaft. Stationen in Portugal (FC Porto, zwei Mal Meister) und Frankreich (Zweitligist US Cretel) folgten. Für die kroatische Nationalmannschaft bestritt der TVN-Neuzugang 65 Länderspiele. Bei der Handball-Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland war Jerkovic Nummer eins seines Teams; am Ende belegte Kroatien den fünften Platz.

Ein Jahr später wurde Dragan Jerkovic mit dem Nationalteam Vize-Europameister.

Kein Profivertrag und kein Kostenrisiko

Die Philosophie des TV Neuhausen für die nächsten Jahre lautet, mit jungen Leuten aus der Region erfolgreich sein zu wollen. Dass nun ein 42-jähriger Kroate geholt wird, widerspricht sich laut Nico Held nicht. „Die Talente brauchen natürlich zwei oder drei erfahrene Leute, die sie führen. Außerdem reißt Dragan Jerkovic trotz seines bekannten Namens kein Loch in unser Budget - er wird weniger als andere Akteure verdienen, verzichtet auf viel Geld. Einen Profivertrag wird Dragan nicht erhalten, weil wir überhaupt keine Profis im Kader der nächsten Saison haben werden“, verspricht der Geschäftsleiter, der den Keeper schon seit Jahren kennt. Unter Coach Aleksandar Stevic hatte  Jerkovic zu Zweitligazeiten des TVN die Keeper Becker und Rebmann zeitweise gecoacht.

Themen in diesem Artikel