Wir blicken kurz zurück auf das Jahr 2019, als Corona noch ganz weit weg und der Sport-Kalender prall gefüllt war. Zum Beispiel mit dem größten Sport-Ereignis im Kreis Reutlingen. Am 14. Juli tobte der Ermstal-Marathon durch selbiges, mittendrin Dominik Notz. Was aber schon wieder falsch ist. Er rannte vorne weg. Zum ersten Mal hat es geklappt mit dem Rennen vor der Haustür. Und das hat der Dettinger richtig genossen, es pressierte ihm aber mächtig auf den zehn Kilometern zwischen Bad Urach und Metzingen. Nach 30:51 Minuten ließ er sich auf dem Kelternplatz feiern, hatte dem Veranstalter im Vorbeihuschen die Prämie für einen neuen Streckenrekord aus der Tasche geleiert.

Vom Ermstal nach Frankfurt

Szenenwechsel: Raus aus dem beschaulichen Ermstal – rein in die brodelnde Finanzmetropole Frankfurt. Dort steigt einer der schönsten Marathons der Welt. Der 27. Oktober 2019 hat sich bei Dominik Notz eingebrannt. Kein Läufer vergisst seinen ersten Marathon – in diesem Fall auch nicht jene, die gebannt am Bildschirm mitfieberten. Da passte einfach alles beim Debütanten, der die ersten 30 der insgesamt 42,195 Kilometer in sagenhafter Manier runterspulte, ehe sich diverse Unpässlichkeiten einstellten. Es reichte aber immer noch zu der Traumzeit von 2:18:41 Stunden. Unter 2:14 wäre die halbe Fahrkarte nach Tokio zu Olympia 2020 gewesen, was den jungen Mann dann doch etwas wurmte. Dieses Ziel hatte er zuvor gar nicht groß thematisiert, sich vorsorglich aber über diverse Quali-Kriterien schlau gemacht. Direkt nach Japan wäre es in weniger als 2:11:30 gegangen. Da hätte dann schon alles passen müssen.

Nicht nur Olympia ist verschoben

Mittlerweile gibt es kein Olympia in diesem Jahr, das Corona-Virus hat die Verschiebung auf  2021 erwirkt und überhaupt den Sport als Ganzes kurzzeitig auf die Bretter geschickt. Auf denen lag Dominik Notz schon zu Beginn des Jahres. „Ab Weihnachten hatte ich Probleme mit der Hüfte, mit dem Beuger. Da war etwas verdreht.“ Das tut einem Läufer ganz besonders weh. Notz konnte wenig trainieren, Wettkämpfe zu Jahresbeginn musste er als unerledigt abhaken. Und dann kam Corona. „Plötzlich war der Stress weg. Ich konnte sechs Wochen Pause machen, war durch die Verletzung ausgebrannt, es war einfach der Wurm drin. Ich habe ein bisschen Abstand zum Sport gewonnen. Jetzt geht es mir wieder ganz gut“, so der Bio-Chemiker.

Aufbautraining ab Ende April

Seit Ende April  läuft das Aufbautraining. Und es läuft gut –  vor allem viel. Von zwölf Lauf-Einheiten pro Woche berichtet der Athlet, zwei auf dem Rennrad gönnt er sich auch noch. Es sind in Summe zwischen 160 und 180 Kilometer per pedes. „Das ist, denke ich, ausreichend“, sagt der Dettinger, der derzeit pendelt. Vergangene Woche war er zu Hause, zuvor in Regensburg, wo er für die LG Telis Finanz startet. Trainingsstrecken gibt es überall. Nur macht trainieren allein auf Dauer nicht glücklich. Dominik Notz will das Erarbeitete auf die Bahn beziehungsweise Straße bringen – bei Lauf-Ereignissen, die es noch nicht gibt, die langsam aber Konturen annehmen. Bahnwettkämpfe sind schon für den Juli in Planung, dann blickt die Läuferschar auf den Herbst, wenn es traditionell auf die Straße geht. „Es ändert sich eh alles wöchentlich“, macht sich der Ermstal-Marathon-Sieger des Vorjahres keinen Stress. Nur eines ist klar: An den bisherigen Zeiten wird weiter herumgeschraubt. „Unten rum, also über zehn Kilometer und im Halbmarathon, will ich mich verbessern, einen guten Sprung nach vorne machen.“

Der Marathon bleibt im Blickfeld

Die Sache mit dem Marathon verliert der 26-Jährige allerdings auch nicht aus den Augen. Die Pace der Besten würde er dort schon gerne wieder einmal mitgehen. Wenn es dann nach 30 Kilometern nicht mehr ginge, wäre es kein Beinbruch. Für so einen Marathon muss man auch Umwege in Kauf nehmen. Gibt es aber auch Umwege nach Tokio? Da steht noch alles in den Sternen. Der Termin ist einigermaßen gesichert, vom 23. Juli bis zum 8. August. Man weiß allerdings nicht, ob noch ein Quali-Fenster aufgeht. Es wäre in Deutschland in Sachen Marathon sicher nicht ausgeschlossen. Dem steht ein Beschluss des Leichtathletik-Weltverbands (früher IAAF, jetzt World Athletics) gegenüber, der Zeiten erst wieder ab 1. Dezember anerkennen will – sofern eine Kommission nicht noch einmal ihr Veto einlegt.

Die Bedingungen sollen für alle Läufer weltweit fair sein

Dominik Notz weiß den Grund: „Man kann derzeit nicht davon sprechen, dass alle Athleten die gleichen, fairen Bedingungen haben. Von Land zu Land ist es durch die Corona-Einschränkungen verschieden. Deshalb macht der Beschluss natürlich auch Sinn.“ Die Marathons sind aber für den Herbst angesetzt – wenn überhaupt. Also zu früh. Notz wird dranbleiben am langen Kanten, hat ihn derzeit aber nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Wettkämpfe wären aber schon ganz fein. Endlich wieder. „Ich bin ziemlich motiviert. Es kann wieder losgehen.“ Dominik Notz hat viele Kolleginnen und Kollegen, die dieser Tage genauso denken.