Frauenhandball Punkt wird weggeworfen

Monika Kobylinska (links) war ein Aktivposten im Spiel der TuS Metzingen. Die Rückraumspielerin ist nach ihrer Verletzung wieder auf dem Weg zur Bestform, markierte in Bad Wildungen sechs Treffer.
Monika Kobylinska (links) war ein Aktivposten im Spiel der TuS Metzingen. Die Rückraumspielerin ist nach ihrer Verletzung wieder auf dem Weg zur Bestform, markierte in Bad Wildungen sechs Treffer. © Foto: Eibner
Bad Wildungen / Wolfgang Seitz 11.03.2018
Frauenhandball-Erstligist TuS Metzingen verschenkt bei der HSG Bad Wildungen beim 29:29 (18:14) einen Punkt.

Ähnlichkeiten sind durchaus erkennbar – waren aber mit Sicherheit nicht beabsichtigt. Die TuS Metzingen legte in Bad Wildungen eine Doublette zum Spiel vergangener Woche gegen die HSG Blomberg-Lippe auf. Einziger Unterschied: In Nordhessen gab es beim 29:29 wenigstens noch einen Punkt, während die Partie vor Wochenfrist noch mit 25:27 in die Hose gegangen war. Es gilt nun Ursachenforschung zu betreiben, warum die TusSies zum zweiten Mal aus einer sicheren Position heraus so dermaßen ins Trudeln kommen konnten.

„Die HSG spielt es clever. Wenn sie im Angriff in ihren Flow kommen, dann wird es schwierig“, sagte TuS-Trainer René Hamann-Boeriths. Die Frage ist, warum die „Vipers“ in den Flow kamen, nachdem sie eine Halbzeit lang ziemlich im Zaum gehalten werden konnten.Die TuS hatte im ersten Abschnitt noch größtenteils das berücksichtigt, was ihr mit auf den Weg gegeben worden war.

Man war parat, wenn die HSG in ihr schnelles Spiel Fehler einstreute. Marija Obradovic begann stark, Marlene Zapf hatte ihre temporäre Ladehemmung überwunden und Monika Kobylinska ist nach ihrer Verletzung wieder bei 100 Prozent. So lief alles wunderbar bis zum 11:17 (27.), ehe einmal mehr zu sehen war, dass Überzahl nicht unbedingt das Ding der Metzingerinnen ist. Trotzdem konnte man beim 14:18 zur Pause dem Unterfangen Auswärtssieg noch optimistisch entgegenblicken.

Zu viele Freiräume

Was sich im ersten Abschnitt schon angedeutet hatte, setzte sich danach fort. Die TuS offerierte hinten zu viele Freiräume, die vor allem von Bad Wildungens Spielmacherin Sabine Heusdens genutzt wurde, die am Ende elf Erfolgserlebnisse auf dem Zettel hatte. Der Holländerin hätte man vielleicht mit einer offensiveren Abwehr begegnen müssen. „Ja, das kann man so sehen, das Problem war aber, dass die HSG oft mit 7:6 spielte, die Torhüterin herausnahm. Dann kann so etwas schnell ins Auge gehen“, sagte der TuS-Coach.

Eine offensive Abwehr hatte Vipers-Dompteurin Tessa Bremmer auf die Platte geschickt. Die 4:2-Formation schmeckte den Pink Ladies gar nicht, die damit in unvorbereitete Abschlüsse gedrängt wurden, oder technische Fehler produzierten, für die nicht immer ein Grund auszumachen war. Die HSG kam oft unbehelligt zum Abschluss, brauchte aber immerhin bis zur 43. Minute, ehe Heusdens beim 23:23 den Ausgleich schaffte. Monika Kobylinska, Marlene Zapf und Shenia Minevskaja gaben darauf drei unhaltbare Antworten und basierend auf dem 23:26 (51.) schien alles seinen Gang zu nehmen.

Es passt nichts mehr

Der Eindruck hielt sich bis zum 27:29 (57.), ehe plötzlich nichts mehr passte. Zapf verlor den Ball, traf nach Bad Wildungens Anschluss nur den Pfosten, die TuS blieb aber in Ballbesitz, hatte noch 20 Sekunden zu überstehen. Ein verunglückter Karlsson-Abschluss offerierte der HSG doch noch die Ausgleichschance und die nutzte Anouk Nieuwenweg, ließ dabei die TuS-Defensive alt aussehen. Spiel aus, Punkt weg.

„Ich weiß nicht, warum es genauso gelaufen ist wie gegen Blomberg. Wir kamen ohne Aggressivität aus der Halbzeit, standen viel zu defensiv“, sagte René Hamann-Boeriths, der selbstverständlich auch mit den zehn Fehlwürfen nach dem Wechsel nicht einverstanden war und einem zu zögerlichen Spiel nach vorne, das oft erst in die Breite ging. Tessa Bremmer sah ihre Abwehr als Schlüssel des Teilerfolgs, die TuS-Spielerinnen schätzten das Remis folgendermaßen ein.

Marlene Zapf: „Leider scheitern wir wieder an uns selbst. Wir kommen verschlafen aus der Halbzeit und lassen wieder viel zu viele Chancen liegen.“ Isabell Roch: „In der zweiten Halbzeit war eine ganz andere Mannschaft auf dem Feld. Unsere Chancenverwertung war schlecht und wir haben teilweise kopflos gespielt und in der Abwehr nicht konsequent genug. Bad Wildungen hat unsere Aussetzer ausgenutzt.“

So spielten sie

HSG Bad Wildungen Vipers gegen
TuS Metzingen

29:29

HSG Bad Wildungen: Duijndam, Brütsch - Heusdens (11/1), Haggerty, Nieuwenweg (5/2), Frankova, Schmidt-Robben (3), Beugels (4), Valsescu (2/1), Ritter (3), Spielvogel, Preis (1)
TuS Metzingen: Jankovic, Roch -  Zapf (6), Amega (1), Kobylinska (6), Welser, Minevskaja (5/4), Karlsson, Ingenpaß, Großmann (2),  Weigel, Obradovic (4), Beddies (3), Behnke (2)
Siebenmeter: 6/4 (Nieuwenweg und Vasilescu scheitern) - 4/4
Zeitstrafen: Schmidt-Robben (2), Ritter (2), Spielvogel - Zapf, Minevskaja, Roch
Schiedsrichter: Ramesh und Suresh Thiyagarajah
Zuschauer: 620

Delaila Amega verletzt

Schrecksekunde nach 41 Minuten. Delaila Amega blieb liegen, nachdem sie die Bad Wildunger Defensivreihe durchbrechen wollte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wurde sie von Platz geführt, spielte nicht mehr. Trainer René Hamann-Boeriths konnte gestern schon eine kleine Entwarnung geben. „Es sieht aus, dass sie, ähnlich wie Marija Obradovic vor zwei Wochen, einen Pferdekuss bekommen hat. Das tut natürlich sehr weh“, so der Coach. Er hofft, dass sie am Samstag gegen den Thüringer HC wieder auf der Platte steht. wose

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