Jene, die Kopenhagen Handball als den schwersten aller möglichen Gegner eingestuft hatten, wurden am Sonntag in ihrer Einschätzung bestätigt. Die TuS Metzingen ist gegen einen Champions-League-Teilnehmer der vergangenen Saison in der zweiten Runde des EHF-Cups aus dem Wettbewerb geflogen. So weit, so gut. Angesichts eines 30:22-Polsters aus dem Hinspiel muss man sich dann aber schon wundern, wie es zu der 23:34-Klatsche in Kopenhagen kommen konnte. Binnen einer Woche kamen die TusSies von einem Extrem ins andere. Auf die beste folgte die schlechteste Saisonleistung. Und deshalb ging es raus mit Applaus. Den spendeten 50 Fans, die ihre Pink Ladies begleitet haben.

Kopenhagen pflegt den TuS-Stil

Es muss viel zusammenkommen, wenn so so ein deutlicher Vorsprung noch vergeigt wird. „Wir waren sieben Minuten gut. Dann haben wir den Faden verloren“, berichtete Ferenc Rott, Manager der TuS Metzingen, aus Kopenhagen. Seine Mannschaft hat viel verworfen, den Gegner mit vielen Fehlern zum Toreschießen eingeladen – und der ließ sich nicht zwei Mal bitten. Er spielte exakt das, mit dem die Metzingerinnen im Hinspiel noch ihren Gegner zermürben konnten. Gepflegte Gegenstöße rauschten durch die Halle, die sehr zielorientiert angelegt waren. Mia Rej Bidstrup tat sich besonders hervor.

Nüsser-Dreier tut weh

Die TuS Metzingen war bis zum 5:4 (9.), erzielt von Annika Niederwieser, noch absolut bei der Musik, die in der Folge dann aber ohne sie gespielt wurde. Besonders weh taten die drei schnellen Tore von Larissa Nüsser. Von 10:6 (20.) stellte sie auf 13:6 (23.). Davon erholten sich die TusSies nie mehr, bei denen Simone Petersen und Anika Niederwieser mit Abstrichen gefallen konnten. Der Rest nicht.

Unterschied in der Körpersprache

„Wenn du zur Halbzeit mit 11:19 zurückliegst, ist es natürlich ein ganz anderes Spiel. Kopenhagen hatte nichts zu verlieren, gab von Beginn an Vollgas. Deren Körpersprache hat sich von der unseren gravierend unterschieden. Wenn man ängstlich ist, wird man im Sport bestraft“, sagte Ferenc Rott. Einen Vorwurf machte er seinen Mädels nicht. Sie haben nie aufgegeben, brachten aber keine stabile Phase auf den Platz, im Positionsangriff fast nichts zustande. Der Abstand pendelte sich bei über zehn Toren ein. So stand es 32:21 in der 57. Minute, ehe ein Doppelschlag von Zapf und Petersen die TusSies auf 32:23 heranbrachte (59.). Ein weiterer Treffer hätte zum Weiterkommen gereicht – Kopenhagen machte deren zwei. „Da haben wir wieder zwei Fehler gemacht“, stellte Rott lapidar fest.

Kraft tanken

Die TuS Metzingen hat eine junge Mannschaft, die begeisternden Handball spielen kann. Wenn es darum geht, sich aus prekären Situationen zu befreien, reicht jugendlicher Elan nicht. „Da fehlen die Persönlichkeiten, zu denen die jungen Spielerinnen noch heranreifen müssen“, weiß Ferenc Rott, „zudem darf man nicht vergessen, dass wir viele Spielerinnen im Kader haben, die nach Verletzungen erst zurückgekommen sind. Dass da nach zwei englischen Wochen die Kraft ausgeht, ist völlig normal.“ Kraft kann jetzt getankt werden, nächste Woche spielt die TuS wegen einer Länderspielpause nicht. Am 2. November steht in Buxtehude das Pokalspiel an. Auch da geht es um Alles oder Nichts.

Stimmen zum Spiel

Delaila Amega: „Wir waren alle nicht wirklich da. Im Angriff waren wir zu ängstlich, haben nur seitwärts gespielt, nicht Richtung Tor. Wir hatten die besten Voraussetzungen fürs Weiterkommen, haben aber heute nicht schlau genug gespielt. Das ist sehr bitter.“

Marlene Zapf: „Wir sind mega enttäuscht, haben uns das natürlich anders vorgestellt, sind über 60 Minuten nichts ins Spiel gekommen. So gut wie es vergangene Woche gelaufen ist, so miserabel war es heute.“

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So spielten sie


Kopenhagen handbold gegen
TuS Metzingen

34:23

Kopenhagen Handbold: Milling, Yde – Bidstrup (10/3), Blohm (2), Blomstrand (3), Bont (1), Fons (4/2), Hansen (2), Hjertner (1), Krullaars, Mellegard, Nüsser (4), Uscinowicz, von Pereira (2), Wall (4), Tolderlund
TuS Metzingen: Kohorst, Roth – Zapf (4/1), Janiszewska (2), Amega 1(), Quist, van Wetering (2), Petersen (6), Kovacs, Degenhardt, Niederwieser (4), Weigel, Hartstock, Hübner, Haggerty (4), Korsos 
Siebenmeter: 6/5 – 2/1
Zeitstrafen: Bont, Bidstrup – Janiszewska, Degenhardt, Haggerty (2)
Schiedsrichter: Yann Carmaux, Julien Mursch (Frankreich)
Zuschauer: 740