Trainieren und abwarten, viel mehr können Leistungssportler aktuell im Corona-bedingten Stillstand nicht tun. Auch die Mountainbiker Martin Frey aus Bad Urach und Alexa Fuchs aus Zainingen sind gezwungen, praktisch ohne Ziel die Pedale um die Achse zu drehen.

Martin Frey, der mit seiner Freundin inzwischen in Frankfurt lebt, treffen wir zuhause im Ermstal an. „Endlich mal wieder auf den heimatlichen Trails“ und endlich auch mal wieder mit dem Bruder auf dem Rennrad Kilometer abspulen. Es ist natürlich ein kleiner Trost für Rennen, die nicht gefahren werden können.

Martin Frey hat es geahnt

Der 26-Jährige ist allerdings einer derjenigen, die schon früh ins Auge gefasst haben, dass die Saison quasi implodieren könnte. „Als wir im März nach Kapstadt zum Cape Epic geflogen sind, stand das für mich schon auf sehr wackligen Beinen. Es war auch komisch, nach Südafrika zu fliegen, wo hier in Europa schon alles außer Plan lief“, bekennt Martin Frey, dass er ein zwiespältiges Gefühl hatte. Zwei Tage vor dem Start des renommierten Etappenrennens und ersten Saison-Höhepunkts wurde das Cape Epic abgesagt. „Klar, es war eine Enttäuschung, weil man den ganzen Winter Zeit, Geld und Fleiß da reingesteckt hat und dann alles für die Katz war“, sagt Frey, „aber die Entscheidung war logisch.“

Fahrerin positiv getestet

Mitte März waren in Südafrika noch kaum Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus bekannt, doch die Befürchtung, dass der Tross während der acht Tage gestoppt werden könnte und alle in Quarantäne müssten, war durchaus realistisch. Tatsächlich wurde kurz danach die südafrikanische Mountainbikerin Mariske Strauss positiv auf Corona getestet und sie stand auf der Startliste. Strauss hatte zuvor in Spanien an einem Etappenrennen teilgenommen. „Es war eine Erleichterung, als abgesagt wurde. Die Vorstellung, schon drei, vier Tage viel Energie gelassen zu haben und dann im Camper irgendwo in der Landschaft in Quarantäne zu sein, war nicht besonders erfreulich“, meint Martin Frey.

Bis Juli alles abgesagt – danach alles fraglich

Dass jetzt mindestens bis Juli alle Rennen aus dem Kalender verschwunden sind, stellt auch Martin Frey vor eine Herausforderung. Radsportler dürfen zwar draußen trainieren, wenn auch nicht in Gruppen. Ohne Ziel ist das aber „sicher extrem schwierig“, wie der Ermstäler bekennt. Nachdem er seinen Bachelor im Studium International Business Management abgelegt hat, ist er aktuell nur Rad-Profi. Es gibt also keine Parallel-Aufgaben. „Normal leben wir von Februar bis Oktober von Wochenende zu Wochenende“, sagt Frey. Allerdings falle es ihm im Moment nicht schwer, sein Programm zu fahren und sich fit zu halten.  „Die Situation ist wie sie ist. Ich bin Profi und sehe mich in der Verpflichtung, meinem Job nachzukommen. Ich mache das nach wie vor gerne. Draußen und in der Natur zu sein, das ist ja ein Grund, warum ich den Sport überhaupt betreibe.“

Bisher nutzt Frey noch keine virtuelle Plattform wie Zwift, wo sich derzeit Leute vor dem Bildschirm die Seele aus dem Leib strampeln. Sein ehemaliger Teamkollege Tim Böhme organisiert eine Serie für den Bund Deutscher Radfahrer. „Nur im Notfall“, würde er das nutzen, erklärt Frey. Was zum Profi-Dasein allerdings dazu gehört: Aktionen für Sponsoren. „Wir sind ja nicht nur Rennfahrer, sondern auch Botschafter der Marken“, so der Marathon-Spezialist.

Mit solchen Anforderungen muss sich Alexa Fuchs noch nicht auseinandersetzen. Die Zainingerin fährt jetzt für das Stevens MTB Team und gehört seit Beginn dieser Saison dem Junioren-Nationalkader an. Und sie konnte von der Teilnahme an der Heim-WM in Albstadt träumen: Für den geplanten Termin im Juni ist sie abgesagt, ob sie auf Oktober nochmal terminiert wird, ist offen. „Das wäre mein Ziel gewesen, dort dabei zu sein“, bekennt Alexa Fuchs, die normalerweise das Gymnasium in Laichingen besucht.

Alexa Fuchs fehlt das Team

Trainieren geht dagegen für sie „sehr gut“, wie sie sagt. Für die Aufgaben benötige sie zuhause weniger Zeit als wenn sie in die Schule fahren müsste. Bleibt also mehr Zeit fürs Radfahren. Die Einschränkung durch die Pandemie-Auflagen besteht einerseits darin, nicht in Gruppen trainieren zu dürfen und andererseits fällt das wöchentliche Intervall-Training bei ihrem Verein, dem SV Reudern, aus. „Es geht auch alleine, aber mit Partnern kann man sich gegenseitig natürlich pushen“, erklärt Alexa Fuchs.

Manche Trails, die sie normalerweise zum Bike-Training nutzt, sind gesperrt. Auch Bikeparks sind geschlossen. „Aber ich kann auch auf unseren Trails trainieren, gemeinsam mit meinem Bruder oder meinem Vater“, sagt Fuchs, die in der U17 Dritte der deutschen Meisterschaften war. Manchmal trifft sie sich auch mit der Laichingerin Antonia Weeger, um ein paar gemeinsame Kilometer zu absolvieren.

Stabis im Wohnzimmer

Eine Besonderheit sind derzeit auch die Stabilisations-Übungen vor dem Bildschirm. Nachwuchs-Bundestrainer Marc Schäfer schaltet sich via Skype in die Wohnzimmer seiner Kader-Schützlinge und leitet zweimal wöchentlich die Übungen an. „Das ist schon lustig“, meint Alexa Fuchs mit einem Lachen, „aber Marc macht Verbesserungsvorschläge und es ist gut, feste Termine zu haben. Stabi-Übungen fallen allein schwerer.“  Die sind nicht nur für Mountainbiker essentiell, machen aber längst nicht so viel Spaß wie das Surfen durch die Trails.

Mit einer Startnummer am Lenker wäre das natürlich noch schöner. Aber es dürfte noch eine Weile dauern, bis Alexa Fuchs ihr erstes Rennen als Juniorin absolvieren kann.