Ermstal-Marathon Mocki und das ganz große Ziel

Sabrina Mockenhaupt nimmt beim Ermstal-Marathon, ihrem „Haus- und Hofrennen“, den Halbmarathon unter die Sohlen. Ein neuer Streckenrekord ist in Planung.
Sabrina Mockenhaupt nimmt beim Ermstal-Marathon, ihrem „Haus- und Hofrennen“, den Halbmarathon unter die Sohlen. Ein neuer Streckenrekord ist in Planung. © Foto: Eibner
Metzingen / Wolfgang Seitz 27.06.2018

Wie bereitet man sich eigentlich auf einen Halbmarathon vor? Da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Jene von Sabrina Mockenhaupt, die in der Laufszene als „Mocki“ die Marke schlechthin ist, verblüfft dann doch etwas. „Ich besuche diese Woche meine Eltern in Siegen, werde dort mit meiner Mutter Heidelbeeren sammeln.“ In aller Ruhe versteht sich. Gas gibt Deutschlands Vorzeigeläuferin dann wieder ab Montag. Zielrichtung Ermstal-Marathon. Ein halber wird es, bei dem Sabrina Mockenhaupt ein hehres Ziel verfolgt. Der Streckenrekord aus dem Vorjahr, aufgestellt von der US-Amerikanerin Lauren LaRocco in 1:21,53 Stunden, hat es Mocki angetan. Es wäre dann die zweite Bestmarke für den Wirbelwind aus dem Siegerland in ihrer Wahlheimat. Aus 2015 hat sie 34:59 Minuten über zehn Kilometer stehen. Auch damals gab es zuvor eine unmissverständliche Ansage. Mal sehen, ob es wieder klappt.

In den vergangenen Jahren wurde die 37-Jährige immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Das jüngste Beispiel datiert aus dem Januar dieses Jahres. Ein Ermüdungsbruch bedeutete das Ende aller Marathon-Träume im Hinblick auf die EM in Berlin. „Also musste ich umswitchen“,  beschreibt sie ganz lapidar den Wechsel in Richtung 10 000 Meter. Bei der EM wollte sie das letzte Bahnrennen ihrer langen Karriere laufen. Und alles lief wie geplant – ganz besonders Mocki. Am 9. Juni knackte sie im niederländischen Leiden die Norm, lief 32:38,22 Minuten. Zwei Wochen später stand sie dann schon wieder in Regensburg am Start. „Ich hatte mich vom Rennen in Leiden noch nicht erholt. Nach einem guten Training war ich mir allerdings sicher, mithalten zu können. Das klappt in meinem Alter aber nicht mehr. Schon am Start ging nichts, ich bin nur durchgetrabt“, so Sabrina Mockenhaupt. Alina Reh, die für den SSV Ulm 1846 startende Laichingerin, siegte in 32:17,17 vor der deutschen Meisterin Anna Gehring (32:20,37). Beide schneller als Sabrina Mockenhaupt, deren EM-Norm futsch war und die deshalb während des Rennens beschloss, von Bahnrennen Abstand zu nehmen. „Wenn man weiß, was man früher konnte, fällt einem ein solcher Entschluss leicht. Außerdem wollte ich nicht, dass irgendwann gesagt wird: Kriegt die eigentlich nie genug“, so die Läuferin, die in Deutschland auf den langen Strecken ewig den Ton angegeben hat, auf 45 Meistertitel zurückblickt. „Alina ist nach ihrer Verletzung sehr schnell zurückgekommen und in Regensburg sehr schnell gelaufen. Das konnte ich in ihrem Alter auch“, lautet das Lob an die Konkurrentin und ist gleichzeitig die Erkenntnis, dass man sich nun neuen Zielen zuwenden muss. Zum Beispiel dem Ermstal-Marathon.

Das Haus- und Hofrennen

„Man weiß ja nie, was in den zwei Wochen noch passiert, aber ich freue mich auf mein Haus- und Hofrennen“, so Mocki. Sobald die Heidelbeeren geerntet sind, nimmt sie wieder Fahrt auf, wird mit ihren Trainingspartnern Katrin Kommer und Luigi De Franceschi  durchs Ermstal fegen. „Bei Katrin hoffe ich, dass sie über zehn Kilometer das umsetzt, was sie kann. Luigi läuft mit mir den Halbmarathon. Der soll mich aber nicht stören, ich habe meinen Plan.“

Und der besagt bekanntlich, dass die Bestzeit fallen könnte. Ob es so weit kommt, wird der 8. Juli zeigen, an dem aber eines schon feststeht: Sabrina Mockenhaupt ist eine der Hauptattraktionen zwischen Metzingen und Bad Urach. Dort, wo sie sich den Regensburg-Frust von der Seele rennen kann.

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