Eishockey Mit fast 50 ist der Hallenboss nochmals richtig heiß aufs Eis

Reutlingen / Alexander Mareis 18.10.2017

Es ist laut in dem kleinen Raum, an dessen Wänden zahlreiche Werkzeuge hängen.  Die Funken sprühen wie in einer Fabrik oder bei einem Messermacher. Tilo Fritz steht an der Schleifmaschine, bearbeitet die eisernen Kufen eines der zahllosen Schlittschuhpaare, die er im Verleih anbietet. Gleich danach eilt der Chef der Reutlinger Eishalle an der Rommelsbacher Straße wenige Meter aus seinen Diensträumen hinaus auf die 60 Meter lange und 30 Meter breite Eisfläche, um sich auf die Eismaschine zu schwingen und die von den anwesenden Freizeitläufern aufgekratzte Eisoberfläche wieder glatt zu bekommen. Drei Arbeitsschritte werden dabei ausgeführt: das Hobeln, das Waschen und Glätten des Eises. Nach vollbrachter Tat geht es für den 49-jährigen Ermstäler im Verkaufsraum, der an die Eishalle angebaut wurde, weiter. Er berät Kunden, verkauft Schlittschuhe oder diverse Eishockey-Ausrüstungsartikel. Anschließend hat er in der Cafeteria der Eishalle zu tun, bevor er sich umzieht, die umfangreiche Eishockey-Schutzausrüstung anlegt und eine Trainingseinheit mit der Landesligamannschaft der TSG Reutlingen absolviert. Ein ganz normaler Tag im Leben von Tilo Fritz.

Ansonsten aber ist der Dettinger durchaus eine außergewöhnliche Erscheinung. Am 18. Februar 2018 wird er einen besonderen Geburtstag feiern, das 50. Lebensjahr vollenden. Damit ist Fritz der mit Abstand älteste Spieler der Reutlinger „Black Eagles.“

Während andere Sportler in diesem Alter eher kürzertreten, scheint bei Fritz genau das Gegenteil bevorzustehen. „Ich habe zuletzt vor sechs Jahren regelmäßig bei der TSG in der Landesliga mitgespielt. Danach nur noch ab und zu. In der Vorsaison hat es mir nur zu einem Spieleinsatz gereicht“, sagt Tilo Fritz. Und das auch nur, weil die Achalmstädter ansonsten wegen Spielermangels eine Partie hätten absagen müssen und eine Strafgebühr angefallen wäre. „Der dünne Kader hat einige Spieler zermürbt. Immer wieder waren die gleichen Akteure gefragt, das macht körperlich zu schaffen. Die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre hat diese Engpässe ergeben. Nun steht das Team im Umbruch. Neben den verbliebenen älteren Kräften sollen einige Youngsters bessere Zeiten in Reutlingen einläuten. Ich will bei diesem Aufbau mithelfen“, sagt der Routinier.

Unter Trainer Roberto Cazacu, einem Ex-Spieler der TSG und ehemaligem Profi, der den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Coach Hans Krüger schon im Frühjahr ablöste, will man wieder für bessere Stimmung sorgen. „Jeder Spieler wird so viele Einsätze wie möglich bestreiten. Wir wollen die Akteure bei Laune halten, ihre Motivation nicht zerstören und den Nachwuchs nicht vergraulen“, macht Tilo Fritz klar.

Neben diesen Gründen hat der Dettinger, der einst selbst bis in der dritthöchsten Liga dem Puck hinterherjagte, auch ein wichtiges familiäres Argument, nochmals alle Kraft in Schlagschüsse und Bodychecks zu legen — seinen Sohn Enrico.

„Es ist schon ein Traum von mir, zusammen mit Enrico Punktspiele zu bestreiten. Ich hoffe, dass er bereits in der unmittelbar bevorstehenden Landesligasaison mitmischen kann“, sagt der Vater. Der 16-jährige Filius ging mit sechs Jahren erstmals aufs Eis, fing als Zwölfjähriger bei der TSG Reutlingen im Nachwuchs mit dem Eishockeyspielen an und wurde danach vier Jahre lang beim Stuttgarter EC auf der Waldau ausgebildet. Derzeit plagen ihn Knieprobleme.

„Ich schaue natürlich besonders auf die Entwicklung von Enrico, aber er ist nicht der Einzige, der künftig die Reutlinger Männermannschaft verstärken könnte. Auch einige andere junge Burschen könnten von Stuttgart den Weg wieder zurück nach Reutlingen finden“, hofft Tilo Fritz.

Dass Talente zu größeren Klubs abwandern, ist Normalität in Reutlingen, wo man ebenso wie in Balingen nicht ausreichend Akteure zur Verfügung hat, um als einzelner Verein eine Nachwuchs­altersstufe komplett zu besetzen. Um eine spielfähige Mannschaft zu stellen, arbeiten daher die TSG und der EC Eisbären Balingen zusammen, treten im Nachwuchs als Spielgemeinschaft an.

Die Serie im Lokalsport. Heute: Tilo Fritz  aus Dettingen ist mit der Eishalle Reutlingen groß geworden und hat die Entwicklung des Eishockeys in Reutlingen miterlebt und mitgeprägt.

Tilo Fritz war eine Saison lang Profi in Haßfurt

Dass Tilo Fritz noch mit fast 50 Jahren in der fünftklassigen Eishockey-Landesliga mitwirken kann, hat gute Gründe. Der Dettinger verfügt über Erfahrung aus höheren Spielklassen und stand einst Nationalspielern gegenüber. Im Alter von zwölf bis 14 Jahren betrieb Fritz noch Eiskunstlauf in Reutlingen, sattelte dann zum Eishockey über und fing bei der damaligen IGES Reutlingen im Nachwuchs an. Mit 16 debütierte er bei den Männern der Achalmstädter, wechselte als 18-Jähriger in die Oberliga nach Bad Liebenzell. Nach der Rückkehr unter die Achalm folgten Stationen in Ulm/Neu-Ulm (Regionalliga) und Bietigheim, wo Fritz der Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Liga Süd gelang. Nach weiteren Spielzeiten in Wernau und Reutlingen wurde er Eishockeyprofi in Haßfurt (Unterfranken), ehe er mit knapp 30 Jahren seine Spielerkarriere zurückschraubte und sich stark um den Betrieb der Eishalle Reutlingen kümmerte, die sein Vater Karl aufgebaut hatte. Seit Jahren ist Tilo Fritz deren Eigentümer, bietet Hobbyläufern den Publikumslauf an und vermietet die Eisfläche an die Eishockeyspieler sowie Eiskunstläufer der TSG Reutlingen.  alex