War das  ärgerlich. In letzter Sekunde musste die deutsche Nationalmannschaft am frühen Montagmorgen deutscher Zeit noch einen serbischen Siebenmeter schlucken, unterlag mit 28:29. Maren Weigel, Rückraum rechts bei der TuS Metzingen, schlich traurig von dannen. Marija Obradovic, Rückraum links bei der TuS Metzingen, jubelte mit ihren serbischen Mitspielerinnen. Beide setzten Akzente, hernach konnte der geneigte deutsche Handballfan pinker Färbung nicht richtig nachvollziehen, warum Bundestrainer Henk Groener in der entscheidenden Phase nicht weiter auf Maren Weigel gesetzt hatte. Man muss Nationaltrainer nicht immer verstehen, es ist aber auch sicher, dass sie einen verdammt harten Job haben. Wenn die Mannschaft gewinnt, werden die Spielerinnen bejubelt, wenn nicht, hat der Trainer irgend etwas falsch gemacht. „Er wechselt mir auf der Position zu viel“, hatte TuS-Manager Ferenc Rott schon in der erfolgreichen Vorrunde moniert. Mit dieser Meinung steht der Handball-Fachmann sicher nicht alleine da. 

Doppelpack von Maren Weigel gegen Südkorea

Blicken wir kurz zurück auf das Gruppenspiel gegen Südkorea, in dem die Deutschen Mädels ihre Fans auf eine Achterbahn der Gefühle schickten. Eine 12:6-Führung wurde nicht nur verdaddelt sondern wandelte sich gar in einen 23:27-Rückstand kurz vor Feierabend. Zur Heldin avancierte neben Torhüterin Dinah Eckerle Maren Weigel, die die letzten beiden Treffer zum 27:27-Remis in die Maschen schweißte. Da hat Groener auf sie gesetzt – er hätte es also besser wissen müssen.

Ljubomir Obradovic ist der Chef des serbischen Nationalteams. Die Namensgleichheit kommt nicht von ungefähr. Marija ist seine Tochter. Man hat nicht unbedingt damit gerechnet, dass sie nach ihrer langen Verletzungspause dabei sein wird in Japan. „Sie macht ihre Sache sehr gut“, freute sich vergangene Woche ihre Vereinstrainerin Edina Rott. Das hat sie auch gegen Deutschland so gehandhabt, als sie der Papa in der zweiten Hälfte auf die Platte schickte. Ein Tor selbst gemacht, kluge Anspiele, besonders an den Kreis, aus dem Händchen geschüttelt.

Unfassbare Spannung am Mittwoch

Und jetzt haben wir also am letzten Spieltag der Hauptrunde den Salat. Um auf den Anfang zurückzukommen: Der späte serbische Treffer war mehr als ärgerlich. Ein Unentschieden hätte Deutschland nämlich bereits zum Einzug ins Halbfinale gereicht. Das kann man jetzt als augenblicklicher Zweiter auch noch buchen, wobei die Aufgabe gegen Norwegen eine der schwersten ist, die es im internationalen Frauenhandball zu lösen gilt. Die Deutschen wissen beim Anpfiff um 12.30 Uhr bereits, was sich in den anderen Spielen getan hat. Serbien misst sich mit Dänemark – und dann sind auch noch die Niederlande in der Verlosung, die sich mit Südkorea auseinandersetzen müssen.

Auch Bo van Wetering will weiter

Bo van Wetering, Linksaußen in Diensten der TuS Metzingen, wirbelt für ihr Heimatland, das sich am Sonntag Deutschland mit 23:25 beugen musste und gegen Dänemark beim 24:27 ebenfalls leer ausging. Delaila Amega befindet sich im Wartestand. Auch für die Niederlande ist noch einiges machbar. Sie sind wiederum davon abhängig, dass Deutschland gegen Norwegen verliert. Die TusSies-Fans sind in der Zwickmühle, werden aber wohl mehrheitlich Maren Weigel die Daumen drücken.

Man sollte eines nicht vergessen: Deutschland spielt eine grandiose WM. Kaum jemand hatte das Groener-Team als potentiellen Halbfinalisten auf dem Zettel. Das Erreichen eines der Olympia-Qualifikationsturniere im nächsten Jahr war als Ziel auserkoren. Dafür muss man in der WM-Endabrechnung Platz sieben belegen. Weiter vorne ginge auch.

Auch während der WM wird fleißig gearbeitet


TuS-Trainerin Edina Rott fühlt sich dieser Tage an die Saison-Vorbereitung erinnert. „Da hatte ich auch meist nur um die zwölf Spielerinnen. So sieht es jetzt auch aus. Damit lässt sich aber durchaus vernünftig arbeiten“, sagt Rott. Großer Unterschied zum Sommer: Damals fehlten viele Verletzte, jetzt sind etliche TusSies für ihre Nationalteams im Einsatz. Das ist die weitaus erfreulichere Variante. Sorgen bereitet lediglich Lena Degenhardt. Die Probleme mit der Patellasehne hofft man aber alsbald in den Griff zu bekommen.
Das Erlernte darf bereits am Wochenende umgesetzt werden. Von Freitag bis Sonntag weilen die TusSies beim Stadtwerk-Cup in St. Gallen, spielen dort am Freitag (18.15 Uhr) gegen Gastgeber LC Brühl Handball. Gegner am Samstag ist das spanische Team von Rocasa Gran Canaria (19 Uhr). Am Sonntag gibt es um 14 Uhr ein Wiedersehen mit Iuventa Michalovce (Slowakei), der erste Gegner in der jüngeren Geschichte der TuS Metzingen im Europacup.
Getestet wird dann auch noch kurz vor dem Fest. Ein „Weihnachts-Special“ steigt am Samstag, 21. Dezember. Um 17 Uhr spielt die TuS gegen Frisch Auf Göppingen. Für beide Teams eine willkommene Gelegenheit, nach der WM-Pause den Ernstfall zu proben.  „Es ist toll, dass Frisch Auf sich bereiterklärt hat. Göppingen ist immer ein interessanter Testgegner“, freut sich Manager Ferenc Rott. Man wird an dem Abend die Nationalspielerinnen wiedersehen, dann will man die Zuschauer auf das Fest einstimmen. Am Programm wird noch gebastelt, mit einem Nikolaus ist jedoch fest zu rechnen – und mit einer großen Tombola. Dann soll auch der neue Kalender präsentiert werden – ein wahres Schmuckstück, das wunderbar verschenkt werden kann. Man sollte also noch ein kleines Budget in Reserve haben. Es hat zudem einen gewissen Charme, dass die „TusSies“ quasi das Vorprogramm für die „kleinen TusSies“ bestreiten, die um 19 Uhr im Pflichtspiel die SG Kappelwindeck/Steinbach empfangen. „Das ist zum größten Teil die Zukunft der TuS, unsere A-Jugend“, sagt  Ferenc Rott. Und die ist in der 3. Liga blendend unterwegs.
Am zweiten Feiertag, 26. Dezember, steigt dann in Tübingen das Weihnachtsspiel gegen den FSV Mainz 05. Anpfiff ist um 18 Uhr. „Das ist doch genau das Richtige zum Festausklang“, macht Ferenc Rott Werbung. 2000 Zuschauer aufwärts würde er schon gerne in der Paul-Horn-Arena begrüßen.
Vormerken sollte man sich unbedingt auch Freitag, 10. Januar. Da sind die TusSies gegen die Flames von der HSG Bensheim-Auerbach „on fire“. Zum vierten Mal in Folge kann man sich für das Final4 in der Porsche-Arena qualifizieren. Voraussetzung dafür ist ein Sieg im Pokal-Viertelfinale gegen den Ex-Klub von Edina Rott. In der Öschhalle geht es um 20 Uhr los. wose