Bevor es richtig losging mit dem Training für die Saison 2020/2021, gab es für die TusSies eine große Besprechung. Anwesend waren am Mittwochabend in der Öschhalle nicht nur die Funktionsträger, sondern auch Vertreter der Großsponsoren: Timo Eberwein (Geschäftsführer Wahl-Gruppe), Jörg Walden (Geschäftsführer iPoint-systems GmbH) und Michael Rampf (Geschäftsführer Rampf-Gruppe). „In beratender Funktion“, wie Michael Rampf bei einer Pressekonferenz am Tag danach betont hat. „Wir wollten den Spielerinnen unter anderem aufzeigen, wie sich Corona auf die Wirtschaft und damit auch auf das Sponsoring auswirkt“, so Rampf. Ein Thema, das derzeit die Sportwelt durchaus beschäftigt, im Frauenhandball aber noch nicht so richtig angekommen zu sein scheint. „Da ist man in der Handball Bundesliga Männer schon viel weiter“, weiß Michael Rampf, der sich dort beim HBW Balingen-Weilstetten engagiert. Transparenz ist aber auch in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) gefragt. Ferenc Rott, Geschäftsführer der TuS Metzingen, praktiziert das.

Etat sinkt auf 900000 Euro

„Ich habe schon zu Beginn der Pandemie zu allen Spielerinnen gesagt, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen ändern werden“, so Rott. Sie haben sich dahingehend geändert, dass um die 30 Prozent fehlen. Einen Großteil des Etats macht bei der TuS der Zuschauerbereich samt Bewirtschaftung aus. Weil es zumindest zu Beginn der Saison keine volle Öschhalle geben wird, ist das ein immens großer Batzen. Dass sich nicht jeder Sponsor im derzeitigen Umfang engagieren kann, überrascht auch nicht. Zusammengefasst sinkt der Etat von bisher 1,2 Millionen auf etwa 900 000 Euro.

Spielerinnen verzichten auf Geld

Knapp 85 Prozent der Ausgaben sind Personalkosten. Und deshalb musste mit den Spielerinnen nachverhandelt werden. „Das Team hat sich vorbildlich verhalten, Verständnis gezeigt und klare Signale gegeben, uns zu unterstützen. Damit leisten sie einen wesentlichen Anteil, dass wir mit einem guten Gewissen in die neue Saison starten können“, ist Ferenc Rott voll des Lobes. In drei Monaten wird die wirtschaftliche Situation erneut beurteilt, eine vorzeitige Verbesserung der finanziellen Lage soll sich unmittelbar auf die Gehälter auswirken. Die temporären Kürzungen betreffen selbstverständlich auch die Angestellten bei den TusSies. Nicht nur die Spielerinnen verhalten sich vorbildlich. Sponsoren zeigten sich solidarisch im für sie vertretbaren Rahmen und von den Fans kommen laufend Zuspruch und Anregungen für Aktionen, die man demnächst im pinken Lager auch aufgreifen wird.

Dauerkartenverkauf ab Ende Juli

Ende Juli soll der Dauerkartenverkauf starten – der sich kompliziert gestalten könnte. Bei weitem ist noch nicht klar, wie viele Zuschauer unter Wahrung aller Vorschriften für TuS-Spiele zugelassen werden. Weiteres Problem: Die Öschhalle wird zu Saisonbeginn geschlossen sein. Ursprünglich sollte ab Juli ein neuer Boden verlegt werden. Das wurde aus Corona-Gründen nach hinten geschoben. Die Arbeiten beginnen nun im August, dauern bis Ende September.


Heimspiele müssen verlegt werden

Das bedeutet, dass die TuSies ihre ersten beiden Heimspiele verlegen müssen, ein Tausch des Heimrechts ist die eher unwahrscheinliche Option. Vorteil: Die Vorbereitungsphase würde sich verlängern, vielleicht gibt es bis dahin sogar weitere Lockerungen. Nachteil: Viele englische Wochen ab Oktober, sollte man sich in der European-League, ehemals EHF-Cup, in der Qualifikation behaupten können.

Kaja Kamp Nielsen kommt nicht


Eine Spielerin hat sich kurz vor Vertragsbeginn noch umentschieden und wechselt nicht nach Metzingen. Die dänische Kreisläuferin Kaja Kamp Nielsen hat kurzfristig ein Angebot aus Dänemark bekommen und wird nun dort auf Torejagd gehen. Für Ferenc Rott sportlich ein Verlust, den er menschlich aber nachvollziehen kann: „Ich habe schon zu Beginn der Pandemie zu allen Spielerinnen gesagt, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen sicherlich ändern werden. Kaja hat ganz kurzfristig noch dieses Angebot bekommen und gefragt, ob sie es annehmen kann. Auf der Kreisposition sind wir mit Tamara Haggerty und Svenja Hübner weiterhin sehr gut besetzt und ich kann verstehen, dass Kaja in der aktuellen Situation nicht umziehen und das Land wechseln möchte.“

Veränderungen im Trainerbereich


Ausra Fridrikas, frühere Welthandballerin und Trainern des Zweitligisten TG Nürtingen, wird parallel das Trainerteam der TusSies verstärken. Sie steht Edina Rott zur Seite, wird sich im Jugendbereich engagieren und um die individuelle Ausbildung kümmern. Vom Kooperationspartner TGN kommt auch Fabian Juhnke, der sich in Doppelfunktion der Keeperinnen annimmt. Unter anderem hat er Lena Schmid unter seiner Fittiche. Die U20-Nationalspielerin der TuS nimmt ein Zweifach-Spielrecht wahr. Der Kontrakt mit Damir Lebovic wurde nicht verlängert. Die TuS Metzingen II und die A-Jugend werden nun von Volker Hage gecoacht. A-Lizenz-Inhaber und EHF-Mastercoach. wose