Während seit dieser Woche die Anhänger einiger Freiluftsportarten wieder einen Schritt in Richtung Normalität machen können, indem sie ein geregeltes Training unter Auflagen aufnehmen, ist für Indoor-Sportarten noch kein Ende des Tunnels in Sicht. Schon gar nicht, wenn es sich um eine so Körperkontakt-intensive Sportart wie den Handball handelt.

Der Deutsche Handball-Bund hat mit den Landesverbänden seinen Vereinen schon Ende April einen acht Stufen umfassenden Plan zum Wiedereinstieg an die Hand gegeben. Mit den nun beschlossenen Lockerungen in der Corona-Verordnung könnte in dieser Woche Stufe 3 beginnen: Kleingruppen-Training ohne Zweikämpfe an der frischen Luft. In der kommenden Woche sieht Stufe 4 diese Trainingsform sogar schon in der Halle vor, was unrealistisch erscheint. „Der DHB ist seiner Zeit immer zwei bis drei Wochen voraus“, sagt Tim Schreiner, Jugendkoordinator der JSG Echaz-Erms. Zumal in dem Plan davon ausgegangen wird, dass es keine Rückschläge im Kampf gegen die Corona-Pandemie geben wird. „Wir müssen die Entscheidungen der Politik abwarten und dann auf die Freigabe der Sportstätten vor Ort warten“, gibt sich Schreiner ganz nüchtern. Persönlich hofft er, Anfang Juni wieder in die Hallen zu dürfen – unter Einhaltung strenger Hygienevorgaben versteht sich.
In der Praxis sieht er für die allermeisten Vereine Probleme in der Umsetzung der Corona-Verordnung. „Kleingruppe heißt vier bis fünf Spieler plus einem Trainer. Man bräuchte für eine Mannschaft also drei bis vier Trainer – das kann kein Verein durchgängig bieten“, stellt Schreiner fest. Über diese Problematik hat er sich auch mit den JSG-Stammvereinen TV Neuhausen und VfL Pfullingen ausgetauscht.
Ein bisschen Klarheit im Handball besteht aktuell eigentlich nur im Aktivenbereich: Die laufende Saison ist abgebrochen, die Aufsteiger stehen fest, Absteiger wird es nicht geben, der Rahmenterminplan beispielsweise für die dritte Liga sieht aktuell vor, am letzten Wochenende der Sommerferien, also am 11. und 12. September, mit der ersten Pokalrunde wieder in das Spielgeschehen einzusteigen. Eine Woche später ist dann der erste Spieltag angesetzt. Ob es so kommt, steht in den Sternen.

Unklare Ligen im Jugendbereich

Noch unsicherer ist die Lage im Jugendbereich. Dort liefen eigentlich derzeit die Qualifikationsrunden für die kommende Winterrunde. Doch diese Qualifikationen sind abgesagt worden, nun ist sogar offen, welche Mannschaft in welche Liga eingestuft wird.

Die Mathematik soll helfen: Anhand der Ergebnisse der vergangenen drei Spielzeiten wird nach Punkten ein Vereinsranking erstellt, aus dem dann die Ligeneinteilung hervorgehen soll. Abschließend durchgerechnet hat das aber derzeit wohl noch niemand. Zur Veranschaulichung: „Wer in der vergangenen Saison Jugendbundesliga gespielt hat, bekommt dafür 80 Punkte, wer in der Bezirksliga war, nur 20. Für einen Meistertitel gibt es jeweils zehn Punkte extra“, erklärt Tim Schreiner. Für seine JSG Echaz-Erms hat er überschlagen, dass die drei ersten Mannschaften jeweils in die ohnehin angepeilte Liga einziehen könnten. Die A1 in die im männlichen Bereich neu gegründete Oberliga Baden-Württemberg, die B1 ebenfalls, die C1 in die Landesliga. Schwankungen könnte es trotzdem noch geben, wenn etwa für die A-Jugend-Bundesliga doch noch eine Qualifikation gespielt würde (sie ist noch vorgesehen) und Vereine aus Baden-Württemberg sich dort nicht qualifizieren. Sie würden dann Mannschaften in der BWOL verdrängen, die über das Vereinsranking einen Platz bekommen hätten. „Aber ich denke, für uns könnte das Ranking-System ganz gut passen“, so Schreiner. Nachteile haben dagegen die Vereine, die einen starken Jahrgang haben, der höherklassig spielen könnte, in den Vorjahren aber eben nicht erforderlichen Punkte gesammelt haben.