Auftakt der Frauenhandball-Europameisterschaft. Heute geht es los für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Dänemark. Aus Sicht der TuS Metzingen ist die Großveranstaltung stark pink gefärbt, denn die beiden Metzinger Bundesligaspielerinnen Marlene Zapf und Maren Weigel stehen im Kader des zu Hause festsitzenden Bundestrainers Henk Groener (er war nach einem positiven Corona-Test in häuslicher Quarantäne).

Bekannte Ex-TusSies

Damit bei weitem nicht genug mit pinkem Bezug, auch die Ex-Metzingerinnen Isabell Roch (Borussia Dortmund), Ina Großmann (Thüringer HC), Julia Behnke (Ferencvarosi TC Budapest/Ungarn) und Shenia Minevskaja (SCM Ramnicu Valcea/Rumänien) tragen das etatmäßig weiße Trikot mit dem Bundesadler und wollen im hohen Norden möglichst erfolgreich abschneiden.

Corona in aller Munde

Vor dem EM-Auftaktspiel gegen Rumänien drehte sich im Teamhotel der deutschen Handball-Frauen fast alles um das Thema Corona. Zwar gab die Europäische Handball-Föderation trotz eines positiven Falls in der Mannschaft der Osteuropäerinnen grünes Licht für die Partie am heutigen Donnerstag (18 Uhr, live auf Sportdeutschland.TV) in Kolding, doch die Angst vor einer Ansteckung bleibt – zumal es schon zuvor weitere Corona-Erkrankungen bei den Rumäninnen gab.

Freie Entscheidung

„Natürlich sehen wir die Gefahr, dass die Infektionen innerhalb einer Mannschaft weitergereicht werden“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer (früher VfL Pfullingen) am Mittwoch.
Der Deutsche Handballbund stellt den Spielerinnen daher die Teilnahme am Auftaktspiel frei. „Jede Spielerin muss für sich entscheiden, ob sie spielen will. Wenn jemand ein schlechtes Gefühl hat und sagt, er möchte nicht zu Verfügung stehen, werden wir das akzeptieren“, betonte Co-Trainer Alexander Koke als Vertreter des aus erwähnten Gründen in Dänemark fehlenden Bundestrainers Henk Groener.

Keinerlei Druck

Bis zur Abschlussbesprechung erwartete Koke eine „ehrliche Rückmeldung“ von jeder Spielerin, „damit wir handeln können. Von unserer Seite gibt es keinen Druck, dass sie spielen müssen.“ Und DHB-Vorstand Axel Kromer stellte klar: „Es muss niemand teilnehmen, der nicht möchte.“
Geht es nach dem Wunsch des DHB, dann werden alle 14 mitgereisten Feldspielerinnen auflaufen. Bei den Torhüterinnen haben Dinah Eckerle und die Ex-Metzingerin Isabell Roch den Vorzug gegenüber Ann-Cathrin Giegerich erhalten.

Auch Laura Moisa infiziert

48 Stunden vor der Partie hatte die EHF mitgeteilt, dass sich Rumäniens Rechtsaußen Laura Moisa mit dem Virus infiziert hat. Zuvor hatte es bereits Kreisläuferin Crina Pintea und zwei Masseurinnen erwischt, die aber allesamt nicht mit nach Dänemark gereist sind. Die am Dienstag erfolgten Corona-Tests beim EM-Vierten von 2018 fielen wie bei den deutschen Spielerinnen alle negativ aus, teilte DHB-Sportvorstand Kromer mit und betonte: „Der Auftakt wird wie geplant stattfinden.“

Kopf ist beim Spiel

Für die deutsche Mannschaft gilt es nun, den Fokus schnell auf das Sportliche zu lenken. „Der Kopf ist beim Spiel“, versicherte Rechtsaußen Amelie Berger zwar. Koke hat jedoch beobachtet: „Die Spielerinnen sprechen natürlich untereinander darüber.“
Die Problematik werde das Team bis zum Auftaktspiel begleiten. „Die Vorbereitung auf Rumänien war sehr einfach, wir konzentrieren uns auf uns“, so Koke.
Aufgrund der fehlenden Testspiele in diesem Jahr habe man Bildmaterial nur von der letzten Weltmeisterschaft zur Verfügung gehabt, dies sei nur bedingt aussagekräftig. Koke betont: „Aber Spielerinnen wie Pintea und Perianu sind jetzt nicht dabei.“
Dennoch blickt Koke dem Rumänien-Spiel, das von den französischen Spitzenschiedsrichterinnen Julie und Charlotte Bonaventura geleitet wird, zuversichtlich entgegen. „Wir werden das beiseite schieben und uns auf unsere Aufgaben konzentrieren. Ich bin guter Dinge, dass die mentale Stabilität bei den Spielerinnen vorhanden ist“, sagte der 41-Jährige.

Testspiele mit Groener

Amelie Berger betont mit Blick auf die ausgefallene Teilnahme an der Golden League: „Wir hatten zum Glück im Oktober die Testspiele mit Henk. Wir haben interne Testspiele gemacht und sind gut vorbereitet.“
Ein Erfolg gegen Rumänien um Weltstar Cristina Neagu würde die deutsche Mannschaft der Hauptrunde – dem ersten EM-Etappenziel – ein großes Stück näher bringen. Weitere Vorrundengegner sind der siebenmalige Rekord-Europameister Norwegen und Polen. Die besten Drei kommen weiter.
„Das erste Spiel hat immer eine besondere Bedeutung“, stellte Torfrau Dinah Eckerle fest. Und Koke ergänzte: „Ein Sieg kann viel Selbstvertrauen für den Rest des Turniers bringen.“

Rückkehr noch offen

Wie lange der Co-Trainer bei der EM in der Verantwortung stehen wird, ist noch offen. Bundestrainer Groener ist nach seiner Corona-Erkrankung zwar nicht mehr ansteckend, kann aber momentan keinen aktuellen Negativ-Test vorweisen und daher noch nicht nach Dänemark einreisen.
„Er muss keine Quarantäne mehr einhalten“, berichtete Kromer. „Wir rechnen relativ bald mit seiner Rückkehr, ohne sie garantieren zu können.“
Trotz der Abstinenz des Bundestrainers und der widrigen Corona-Umstände müsse die Mannschaft den Fokus halten, um bei der EM einen Schritt nach vorne zu machen. „Wir möchten Frauenhandball in Deutschland präsenter machen“, sagte Kromer. „Daher ist eine EM eine Chance, sich erfolgreich zu präsentieren.“