Es war eine komische erste Halbzeit, in der die TuS Metzingen nicht sehr viel falsch machte, aber viel zu wenig traf. Auch mit klaren Sachen blieb man an Vipers-Keeperin Manuela Brütsch hängen. Die HSG Bad Wildungen stellte die befürchtete 4:2-Abwehrformation in die Öschhalle, die bei Bedarf auch schnell in 3:3 umgebaut war. Das gab Platz, den nutzten die TusSies, vergasen jedoch das Wesentliche: Die Tore. „Wir wussten, dass man gegen diese Torhüterin manche Sachen beachten muss. Das haben wir dann aber vergessen und uns das Leben selber schwer gemacht“, sagte Delaila Amega. „Wir haben mehr Fehler gemacht, als wir uns vorgestellt haben. Vor allem im Abschluss. Daraus resultierten dann auch Unkonzentriertheiten in der Defensive“, verdeutlichte Trainerin Edina Rott das Manko. In Zahlen ausgedrückt: Von den ersten acht Chancen gingen fünf nicht rein, darunter Hundertprozentiges.

Präzision ist schnell weg

Maren Weigel und Tamara Haggerty hatten nach zwei Minuten auf 2:0 gestellt – und dann war die Präzision dahin. Die HSG zeigte ganz gefällige Sachen, man hätte sich manchmal allerdings von der TuS-Defensive ein beherzteres Zugreifen gewünscht. Der Gast führte 3:2 (6.), musste dann allerdings wieder in die Verfolgerrolle. 7:4 hieß es für die TuS (14.), Patricia Kovacs hatte ein Solo erfolgreich abgeschlossen, abschütteln ließen sich die Vipers aber nicht. Der 13:10-Pausenstand war aus TuS-Sicht zu wenig. Mit einer guten Quote wartete Cara Hartstock am Kreis auf, Madita Kohorst hielt mehr als ordentlich. Bad Wildungen hatte in Jana Scheib eine treffsichere Fachkraft im Rückraum.

Gruseliger Auftakt in zweite Hälfte

Gruselig aus pinker Sicht ging es weiter. Fünf Minuten waren gespielt und der Vorsprung hatte sich in einen Rückstand gewandelt. Das 13:14 war die Folge von Fehlern auf ganzer Linie. Nun kam man nicht einmal mehr in Abschlusssituationen, weil schon zuvor technische Fehler deren Entstehung verhinderten. Edina Rott nahm eine Auszeit. „Ich habe auf ungarisch ein bisschen geflucht“, verriet die TuS-Trainerin. Patricia Kovacs und Dorina Korsos haben es wohl verstanden und für ihre Mitspielerinnen übersetzt. Auf alle Fälle konnte man sich aus der misslichen Lage schnell befreien. Als die in der ersten Hälfte glücklose Marlene Zapf per Doppelschlag auf 18:15 (43.) gestellt hatte, waren die pinken Weichen gestellt. Nach Petersen-Siebenmeter stand es 24:17 (50.), zehn Minuten später war mit 29:21 der Endstand aktenkundig. Am meisten Jubel gab es für Tor Nummer 27 der TusSies. Marija Obradovic, die nach auskuriertem Kreuzbandriss Probleme mit der Achillessehne hatte, riss die Zuschauer von den Bänken, die sie und wenig später den Sieg feierten.

„Wir haben am Ende mit acht gewonnen, wenn von den 16  vergebenen Möglichkeiten zumindest von den zehn Freien noch ein Großteil reingeht, ist es am Ende eine ganz klare Sache“, rechnete Edina Rott vor. Sehr zufrieden war sie mit dem Auftritt von Cara Hartstock im ersten Abschnitt. „Ich musste dann aber in der Abwehr etwas ändern, deshalb kam Tamara wieder“, erklärte die Trainerin. Und die hat in der zweiten Halbzeit auch ganz nett getroffen.

Das Angebot ist groß

Edina Rott hat die Qual der Wahl, besonders im Rückraum. Dort würde sich zum Beispiel Delaila Amega mehr Spielanteile wünschen, muss sich nach der langen Pause wegen des Kreuzbandrisses aber noch gedulden. „Ich muss mich im Training eben immer anbieten“, sagt die niederländische Nationalspielerin – was der Trainerin selbstverständlich gefällt.

Derzeit hat in der Spielsteuerung Patrizia Kovacs die Nase vorne, die am Samstag zur Spielerin des Spiels gekürt wurde. Zufrieden ist sie mit sich selbst nur bedingt. „Es geht immer besser. Sobald man zufrieden ist, geht es bekanntlich bergab. Nicht nur im Sport – auch im Leben“, sagt die „Chef-Philosophin“ der Pink Ladies.

Das könnte dich auch interessieren:

Buxtehude/Metzingen

So spielten sie


TuS Metzingen gegen
HSG Bad Wildungen

29:21

TuS Metzingen: Kohorst, Roth – Zapf (3), Janiszewska, Amega (1), van Wetering (2), Petersen (7/5), Kovacs (4), Degenhardt, Niederwieser, Weigel (2), Hartstock (3), Obradovic (1), Haggerty (5), Korsos (1)
HSG Bad Wildungen: Bocka, Brütsch – Ingenpaß (2/1), Heuskens (4/3), Kallenberg, Frankova (3), Mühlner (2), da Silva Pereira, Struijs (2), Scheib (4), Otto (1), Spielvogel (2), Rajnohova (1)
Siebenmeter: 6/5 (Petersen scheitert) – 5/4 (Heusdens scheitert)
Zeitstrafen: Weigel (2) – Scheib, Struijs, Mühlner
Schiedsrichter: Thomas Hörath, Timo Hofmann
Zuschauer: 1050

Eine Auslosung als dritte Halbzeit


Banges Warten nach getaner Arbeit. Die Aufregung in der Halle war immens, man fieberte ungeduldig der Auslosung des Viertelfinales im DHB-Pokal entgegen. Die fand im Anschluss an die Partie der HSG Bensheim-Auerbach gegen Bayer Leverkusen statt (Endstand 27:30). Als die Mädels dann endlich fertig gespielt hatten und umfangreiche Reden erzählt waren, ging es aus TuS-Sicht ganz schnell. Sie wurden als erstes Los aus der Trommel gefischt. Auf den Rängen und im Mannschaftskreis freute man sich schon einmal auf ein Heimspiel. Als der Gegner HSG Bensheim-Auerbach feststand, wurde laut gejubelt. Kurz danach noch lauter, als die zweite Paarung ermittelt war: Borussia Dortmund gegen SG BBM Bietigheim. Zwei Mannschaften, die zum Beispiel Spielführerin Marlene Zapf partout nicht haben wollte. „Zunächst freue ich mich über ein Heimspiel, dann auch über das Los. Es ist aber klar, dass wir den Gegner auf keinen Fall unterschätzen werden.“ Auch Patricia Kovacs ließ Vorsicht walten. „Bensheim-Auerbach hat uns im Heimspiel in der ersten Halbzeit das Leben sehr schwer gemacht. Natürlich ist unser Ziel die erneute Teilnahme am Final Four in der Porsche-Arena. Dafür werden wir alles gegen im Viertelfinale. Bensheim aber auch.“

Die Paarungen:
TuS Metzingen gegen
Bensheim-Auerbach
BVB Dortmund gegen
SG BBM Bietigheim
Neckarsulmer SU gegen
FA Göppingen
Nord Harrislee gegen
Thüringer HC

Gespielt wird das Viertelfinale am 11./12. Januar. Ziel aller Teams ist das Final Four am 23./24. Mai. wose