Da wunderte sich selbst der Fachmann. „So wie es Dominik Notz angeht, deutet alles auf eine Zeit um die 2:14 hin“, sagte Dieter Baumann am Mikrofon des Hessischen Rundfunks. Zweifel schwangen beim „weißen Kenianer“ aus Blaubeuren mit, ob der 26-jährige Dettinger da nicht zu viel Gas gab auf den ersten Kilometern. Hat aber alles gepasst, weil der Debütant nämlich exakt diese Zeit im Visier hatte.

Olympia war im Visier

Es gibt, so hat es Dominik Notz am Sonntagnachmittag am Telefon erklärt, nämlich zwei Normen für Olympia. Das direkte Ticket gibt es für jene, die 2:11:30 oder schneller laufen können. Das hatte sich Homiyu Tesfaye bei seinem Debüt vorgenommen. Der Frankfurter schaffte es nicht, wurde auf den letzten Kilometern von Krämpfen geplagt, nach 2:18:30 gestoppt. Dominik Notz hat die andere Variante gewählt: „Zwei Mal unter 2:14 ist in Deutschland die B-Norm“, erklärte er, ohne sein Vorhaben im Vorfeld an die große Glocke zu hängen. Allerdings haben die Vorleistungen Großes vermuten lassen. So hat er  am 15. September bei der Straßen-DM in Siegburg über zehn Kilometer mit 28:58 Minuten eine neue persönliche Bestzeit in den Asphalt gefräst. Zur Erinnerung: Den Sieg beim Ermstal-Marathon holte sich der sympathische Kerl in 30:51.

Das Training lief optimal. „Vergangene Woche hat er sich irgend etwas eingefangen, fühlte sich leicht angeschlagen“, berichtete Dieter Notz. Der Vater konnte in Frankfurt nicht dabei sein, weil der Landestrainer der Skilangläufer einen Lehrgang am Herzogenhorn leitete. Dort fieberte er mit und war am Ende durchaus zufrieden.

Es hat schon gepasst

Der Sohn nicht ganz. „Es hat schon gepasst“, sagte Dominik Notz, „ich bin froh, dass ich durchgelaufen bin.“ Kurzzeitig muss es tatsächlich eine Phase gegeben haben, in der der Läufer der LG Teils Finanz Regenburg eine Aufgabe zumindest ins Kalkül gezogen hat. „Dann habe ich gedacht, unter 2:20 ist ja auch nicht ganz schlecht.“ Zum Glück kam ihm noch dieser Gedanke.

Alles gut bis Kilometer 30

Aus Sicht des Sportlers kann man sich auch die andere Option vorstellen. Da stimmten alle Splitzeiten, Notz lief wie ein Uhrwerk, bevor sich die Unpässlichkeiten einstellten: Schwindel, leicht übel, Kreislaufprobleme. „Bis Kilometer 30 war ich voll auf Kurs, hinten raus wurde es dann richtig schmerzhaft“, sagte Dominik Notz. Ob es ein Virus ist, ob das Wetter schuld ist – man weiß es nicht. Muskuläre Probleme kamen hinzu, wie sie viele der Teilnehmer bekamen. Als in Frankfurt der Regen einsetzte, wurde es richtig schwierig. „Auf dem nassen Kopfsteinpflaster bekommt man keinen richtigen Abdruck mehr hin“, so der Ermstäler. Und wenn das nach 30 und mehr Kilometern passiert, machen die Muskeln eben zu.

Wichtige Erfahrung

Die 2:18:41 Stunden bucht Dominik Notz als wichtige Erfahrung ab. Er ist noch jung, und es wird nicht sein letzter Marathon gewesen sein. Olympia ist aber erledigt. Zwei Mal die B-Norm ist in der Kürze der Zeit nicht mehr zu laufen, und 2:11:30 sind dann schon ein richtiges Pfund. „Es ist zu schaffen, aber dann muss alles passen.“ Das hat Papa Notz gesagt, der den Sprössling damit aber natürlich nicht unter Druck setzen will.

Der ruhte sich nach den Strapazen erst einmal auf dem Boden der Frankfurter Festhalle aus, wo im Zielbereich einmal mehr eine unvergleichliche Stimmung herrschte. Genau neben ihn ließ sich im übrigen die Siegerin bei den Frauen, Valary Jemeli Aiyabei (Kenia), plumpsen.

Ein erschöpftes Duo

„Das war schon cool“, sagte Notz. Richtig gratulieren konnte er nicht, weil das erschöpfte Duo zunächst einmal wieder zur Besinnung kommen musste. Aiyabei hat bei den Frauen einen sagenhaften neuen Streckenrekord in 2:19:10 Stunden geschafft. Nur der Vollständigkeit halber: Der Sieg bei den Herren ging nach einem Wahnsinns-Rennen in 2:07:08 an Fikre Bekele Tefera (Äthiopien).

Mittagsschlaf muss sein

Gut erholt schmiedete Dominik Notz dann schon wieder Pläne für das nächste Jahr, für die nächste Saison. Ob er sich dann auf den Halbmarathon oder die 10 000 Meter spezialisiert, weiß er noch nicht so recht. Er kann aber auch Marathon – das ist seit dem starken Debüt in Frankfurt klar.  Vielleicht hat er schon davon geträumt, als er nach gutem Essen und Massage den letzten Programmpunkt abzuhaken gedachte: „Ich mache jetzt noch einen Mittagsschlaf.“ Den hat er sich sowas von verdient.    

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Frankfurt/M.