Was ist eigentlich Rope Skipping? Der Blick in einschlägige Informationsquellen, die im Internet so vor sich hinsprudeln, zeigt Erstaunliches. Rope Skipping ist Seilspringen. Hat man also jahrelang alles falsch gemacht und  immer betont, dass es da einen gravierenden Unterschied gebe und deshalb anders zu heißen habe. Im Grunde genommen ist es auch so, weil nämlich Seilspringen das suggeriert, was jeder schon einmal gemacht hat. Sei es als Kind, sei es zum Zwecke der Fitness-Steigerung. Ganz dunkel erinnert sich der Verfasser dieser Zeilen an den Sportunterricht und das Fußballtraining vor vielen Jahren. Es war immer ein Riesenspaß, wenn die Seile ausgegeben wurden. Kaum einer hat es unfallfrei hinbekommen, obwohl die Anforderungen nicht besonders groß waren. Nur eben über das Seil springen – möglichst oft in einem Rutsch. Deshalb ist Rope Skipping doch etwas ganz anderes und nicht nur das „eingeenglischte“ Seilspringen.

Der Besuch bei den Rope Skipperinnen des TSV Dettingen hinterließ mächtig Eindruck. Fassungslos fragte unser Fotograf Thomas Kiehl, den normalerweise gar nichts erschüttert, seinen Redakteur: „Und das soll ich jetzt fotografieren?“ Zwei Mädels schwangen zwei Seile. Und das in einer Geschwindigkeit, die auch den besten Fotografen und dessen Kamera vor eine große Herausforderung stellt. Natürlich hat „Kiehli“ das hinbekommen, weit weniger erfolgreich war er beim Versuch, ein bisschen mitzuspringen. Vielleicht hat aber einfach das Training gefehlt.

Seit 1997 gibt es Rope Skipping beim TSV Dettingen. 80 bis 90 Springerinnen sind es laut Abteilungsleitern Linda Salomon, die von zwölf Trainerinnen geschult werden. In vier Gruppen wird gesprungen: Anfänger, Fortgeschrittene, Nachwuchs und Leistungsgruppe. Jungs gibt es keine, was die Chefin über die Seile sehr bedauert. „Das Angebot beim TSV Dettingen ist riesig und Buben tendieren nun Mal eher zu Ballsportarten“, weiß Linda Salomon. Würde einer den Anfang machen, könnte sich das vielleicht ändern. Markus Müller hat sich einst getraut – und wurde zu einem der besten Seilartisten, der auch international auf sich aufmerksam machen konnte. Doch nicht nur er.

Rasante Entwicklung

Ursprünglich war die TSV-Gruppe nur bei Show-Auftritten aktiv, alsbald widmete man sich aber dem Wettkampfsport und das mit so einer Hingabe, dass die Ermstäler schnell einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands wurden. Das war freilich nicht genug, auch bei nationalen und internationalen Wettkämpfen wurden die Dettinger vorstellig. Zwei WM-Teilnahmen stechen heraus, mit der Team-Bronzemedaille 2012 in Florida feierte man den größten Erfolg. Drei Mal wurde es für die TSV-Springerinnen europäisch und jetzt wartet vom 18. bis 23. Juli Nummer vier. „Es ist heuer etwas ganz besonderes. Noch nie waren wir mit zwei Teams qualifiziert und noch nie mit so jungen Mädels“, sagt Linda Salomon. Bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft in Wuppertal (16./17. März) ist sowohl das Team ab 18, sowie jenes von 12 bis 14 Jahren auf den Zug nach Graz aufgesprungen. Die jungen Sprungküken sehen die Sache ganz entspannt. „Wir wollen Spaß haben“, sagen sie. Den will ihnen die Abteilungsleiterin natürlich nicht verbieten, verweist aber auf folgenden Sachverhalt: „Es geht schon Richtung Leistungssport. Jede sollte den für sie persönlich besten Wettkampf springen.“ Und dass dem dann so ist, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Doch die Mädels haben auch im Training ihren Spaß. In der Leistungsgruppe wird drei Mal die Woche trainiert, jeweils zwischen eineinhalb und drei Stunden. „Mehr geht nicht, weil wir die Hallenzeiten nicht haben. Deshalb wird jede Minute intensiv genutzt“, sagt die Abteilungsleiterin, die selbstverständlich auch lizenzierte Übungsleiterin ist.

Und was macht für Linda Salomon die Faszination beim Rope Skipping aus? „Der Sport kennt keine Grenzen. Bei jedem Wettkampf sieht man neue Elemente. Schnelligkeit und Ausdauer sind gefragt. Man kann sowohl im Einzel als auch im Team starten.“ Nicht umsonst ist Rope Skipping ein Fachgebiet im Deutschen Turner Bund (DTB). Elemente aus dem Turnen fließen mit ein. Wenn man so will, ist der Freestyle eine Art Bodenkür, bei der man aufpassen muss, dass man sich nicht im Seil verheddert. Es ist eine anspruchsvolle Sportart, keine Frage. Und deshalb, um noch einmal auf den Anfang zurückzukommen, hat es nichts mit Seilspringen zu tun, was die Dettinger Mädels derzeit auf den Punkt einstudieren. Bis Juli wird alles sitzen.

Die Disziplinen bei der EM


Rope Skipping ist nicht einfach nur Seilhüpfen – wenn auch gängige Nachschlagewerke genau das behaupten. Hier in aller Kürze die Disziplinen, die es bei der anstehenden Europameisterschaft zu bewältigen gilt. Zusammengestellt von Linda Salomon, der Rope-Chefin beim TSV Dettingen.

Team-Wettkämpfe:
Zwei Schnelligkeits-Disziplinen, bei welchen man in einer vorgegebenen Zeit so viele Sprünge wie möglich erreichen muss:
● Single Rope Speed Relay 4x30 Sekunden: Vier Springer müssen nacheinander je 30 Sekunden Speed laufen, im „Joggingstep“ mit jedem Bein nacheinander über das Seil springen, hierbei wird nur der rechte Fuß gezählt und alle Werte der Springer werden zusammenaddiert.
● Double Dutch Speed Relay 4x45 Sekunden: Es schwingen zwei Schwinger zwei Seile gegeneinander und in der Mitte muss ein Springer Speed laufen. Je ein Fuß über ein Seil. Alle Springer müssen nacheinander springen und wechseln sich mit dem Schwingen ab. Auch hier wird der rechte Fuß gezählt und alle Werte zusammen addiert.

Vier Freestyles, bei denen die Springer auf Musik Kreativität und Schwierigkeit unter Beweis stellen müssen. Die Freestyles müssen 45-75 Sekunden lang sein, Unter- oder Überschreitung der Zeit gibt Abzug.
● Single Rope Pair Freestyle. Zwei Springerinnen springen mit dem Einzelseil gemeinsam einen Freestyle. Es wird alles bewertet, was die Springerinnen gleichzeitig/gemeinsam mit dem Seil springen. Das heißt: Entweder die Sprünge müssen gleichzeitig gezeigt werden oder gemeinsam über ein Seil erfolgen (der eine Springer fängt den anderen ein), damit diese bewertet werden.
● Single Rope Team Freestyle: Vier Springerinnen springen mit dem Einzelseil einen Freestyle. Auch hier müssen die Sprünge synchron oder gemeinsam ausgeführt werden, damit diese in die Wertung kommen.
● Double Dutch Single Freestyle: Drei Springer zeigen einen Freestyle. Dabei werden zwei Seile geschwungen, wo ein Springer im Seil Sprünge zeigt. Auch hier geht alles in die Wertung ein, was über das Seil gezeigt wird.
● Double Dutch Pair Freestyle: Vier Springer zeigen einen Freestyle. Hier springen dann zwei Springerinnen in den zwei Seilen.

Das „kleine Team“ des TSV Dettingen nimmt an allen Disziplinen teil (Lenia und Emily Filius, Chiara Wahl, Tamara Haug und Jana Reiber).
Das „große Team“ hat sich für die folgenden Disziplinen qualifiziert: Single Rope Speed Relay 4x30 Sekunden, Double Dutch Speed Relay, Double Dutch Single Freestyle und Double Dutch Pair Freestyle (Stefanie Ansorge, Kyra Nißle, Franziska Leibfarth und Celine Kautz).

Bei den Einzel-Wettkämpfen gibt es die folgenden Disziplinen bei der EM (nimmt kein Springer von Dettingen dran teil):
● Single Rope Speed 30 Sekunden
● Single Rope Speed 3 Minuten
● Single Rope Freestyle
● Triple Under (Dreifachdurchschläge) ohne Zeitvorgabe, so viele Dreifachsprünge wie möglich.

Sponsoren sind willkommen


Die EM-Teilnahme gibt es nicht umsonst. Die sportliche Qualifikation wurde mit Glanz und Gloria gemeistert, jetzt gilt es, die Reise in die Steiermark auch finanziell zu stemmen. Neun Springerinnen, zwei Kampfrichterinnen und zwei Trainerinnen werden in Graz dabei sein. Ein fünfstelliger Betrag wird da fällig, weshalb die Rope Skipperinnen des TSV Dettingen händeringend nach Sponsoren suchen. Die Sportlerinnen selbst sind da seit Wochen sehr initiativ. Sollten sie aber irgendjemand vergessen haben, der sich gerne bei den Rope Skipperinnen engagieren würde, hier noch die Kontaktadresse:
E-Mail an: linda.salomon@gmx.net
Telefon: (01 70) 3 45 72 94