Serie Sport im Blick Es geht stetig aufwärts

Metzingen / Wolfgang Seitz 04.07.2018

Anno 2008 begann alles ganz harmlos. Mit 500 Teilnehmern hat man bei der ersten Auflage des Ermstal-Marathons gerechnet. Es wurden über doppelt so viele. Seither wundert man sich im Orga-Team über gar nichts mehr. Michael Koch, Abteilungsleiter bei der TuS Metzingen (Leichtathletik), rechnet heuer mit mindestens 2500, die sich im Rahmen des Ermstal-Marathons bewegen. Eingerechnet nicht jene, die mit ihm seit Wochen in der Organisation alles geben. Ein Gespräch mit dem Chef, der gar keiner sein will.

Herr Koch, sind Sie eigentlich auch manchmal verblüfft, wenn sie auf die Anfänge zurückblicken und sehen, was aus der Veranstaltung geworden ist. Aus einer „Schnapsidee“, wie sie es selbst formulieren, wurde die größte Sportveranstaltung im Landkreis Reutlingen.

Michael Koch Da muss man sich in der Tat manchmal kneifen, wobei wir ja eigentlich von der ersten Auflage an überrascht werden. Es waren da schon doppelt so viele, über 1000, bei der vierten haben wir dann schon die 2000-er-Grenze geknackt, als wir die Schülerläufe mit im Angebot hatten. Deshalb ist es mittlerweile normal, dass Jahr für Jahr noch etwas dazukommt. Ein Ziel haben wir uns diesbezüglich noch nie gesetzt.

Beim Marathon in irgendeiner Form mitzurennen ist das eine, ein solches Event zu organisieren aber auch eine immense Herausforderung. Wie groß ist das Team, das den Ermstal-Marathon auf die Beine stellt?

Dettingen und Bad Urach organisiert sich am Wettkampfwochenende selbst, die Hauptarbeit im Vorfeld liegt bei uns in Metzingen, und da sind rund zehn Leute im Einsatz. Darunter einige, die viel mehr leisten als ich. Da kann ich meine Frau Dunja nennen und Silke Euchner. Die Beiden sind praktisch rund um die Uhr im Einsatz, machen hervorragende Arbeit. Das muss einfach einmal gesagt werden. Ich glaube, meine Gattin hat am Samstag nicht einmal richtig mitbekommen, dass ich ihr einen Blumenstrauß geschenkt habe, weil sie viel von der Arbeit macht, die eigentlich meine wäre. Da war sie schon wieder sehr beschäftigt.

Dann wird sie nun eben lesen, dass sie beschenkt wurde. Auch nicht schlecht. Sollten Sie allerdings alle Helfer/innen mit einem Sträußchen ausstatten wollen, die am Sonntag mittun, würde das richtig teuer werden.

In der Tat. Es beginnt ja alles schon am Donnerstagnachmittag, wenn in der Kelter die Startunterlagen verpackt werden. Das ist ein sehr gut eingespieltes Team. Die Unterlagen werden dann am Samstagnachmittag von 14 bis 18 Uhr ausgegeben. Erstmals gibt es dabei eine Alb-Gold-Nudelparty. Da können die Kohlenhydratspeicher, wie bei vergleichbaren Veranstaltungen, aufgefüllt werden. Eigentlich würde es eher Sinn machen, die Nudeln später in sich hineinzuschaufeln, das geht aber nicht, weil unsere Helfer am nächsten Morgen sehr früh wieder gebraucht werden.

Definieren Sie bitte ,sehr früh’.

Um vier Uhr beginnt auf dem Kelternplatz der Aufbau. Schon an dieser Stelle deshalb ein Dankeschön für das Verständnis der Anwohner. Der Bauhof hilft da sehr. Zuerst wird der Zielbereich erstellt, dann kommt zwei Stunden später die große Schicht, die den gesamten Kelternplatz marathontauglich macht. Der Trupp, der um vier Uhr den Dienst angetreten hat, ist dann unterwegs, um die Flatterbänder anzubringen. Dettingen muss den Aufbau selbst managen, dort stellt der Bauhof schon am Tag zuvor alles bereit, in Bad Urach ist die Stadt selbst wieder am Zug.

Wie groß ist die Mannschaft, die am Sonntag für einen reibungslosen Ablauf sorgt?

In der Spitze kommen wir auf gut 300. Es müssen zum Beispiel 75 Kreuzungen jeweils doppelt mit Streckenposten besetzt sein. Bewirtung, Anmeldung und Verpflegungsstände müssen bestückt werden. Pro Verpflegungsstand werden gut 15 Personen benötigt. Da gilt es ja in kürzester Zeit Massen an Läuferinnen und Läufern zu bedienen. Eine echte Herausforderung.

Und das schaffen die Metzingen Leichtathleten ganz alleine?

Natürlich nicht. Da sind selbstverständlich auch Externe am Start. Zum Beispiel übernehmen die Dettinger Handballer alles, was mit dem Grill zu tun hat. Die JSG Echaz-Erms managt einen Erfrischungsstand, auf den Lauftreff Stausse ist ebenfalls Verlass. Nicht vergessen darf man die Helfer vom DRK, die Sonderschichten schieben.

Apropos DRK. Halten Sie ihre Prognose aufrecht, dass es in diesem Jahr nicht ganz so heiß wird? Die Läuferschar wäre sehr dankbar.

Schönes Sommerwetter wird erwartet, mit Temperaturen um die 24 Grad. Das wäre in Ordnung. Grundsätzlich muss man im Juli ja damit rechnen, dass es heiß wird. Die Läuferinnen und Läufer müssen wissen, was sie sich zumuten können. Uns ist wichtig, dass alle ins Ziel kommen.

Auch Top-Athletinnen und -Athleten haben ihr Kommen zugesagt. Da kann man doch nicht meckern.

Ich bin hochzufrieden, unsere Qualität ist absolut top. Nimmt man Sabrina Mockenhaupt und Timo Göhler als Beispiel, sind wir die bestbesetzte Veranstaltung außerhalb der Europameisterschaft in Berlin. Mehr geht nicht – obwohl wir nach wie vor keine Antrittsgelder bezahlen.

Weil aber die beiden Herrschaften neue Streckenrekorde in Aussicht gestellt haben, könnte es trotzdem teuer werden. Schließlich gibt es dafür ja Prämien.

Wir freuen uns über jeden neue Streckenrekord, ganz ehrlich. Das bricht uns nicht das Genick, die 200 Euro bezahlen wir gerne.

Der Ermstal-Marathon ist das größte Sportereignis im Landkreis Reutlingen. Da verwundert es doch ein bisschen, dass just am selben Tag ein weiteres Event in Metzingen geplant ist. Sogar aus dem eigenen Verein. Die TusSies feiern ihr Sommerfest. Wollen Sie sich dazu äußern?

Das ist ein ziemlich ungünstiger Termin, den die TusSies da gewählt haben. Auf die Dopplung könnte ich gerne verzichten. Es ist schließlich bekannt, dass der Marathon immer am zweiten Sonntag im Juli steigt. In der Öschhalle wird es ganz eng, weil dort alle Teilnehmer duschen. Von den Parkplätzen gar nicht zu reden. Ich hoffe doch sehr, dass man sich im eigenen Verein nicht noch einmal Konkurrenz macht.  

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