Es geht also auch anders beim Ermstal-Marathon. Eigentlich ist es heiß, meist unerträglich heiß, wenn sich die Läuferschar auf diversen Strecken zwischen Metzingen und Bad Urach bewegt. Gestern war alles bestens, das Wetter wie gemalt. Deshalb verwundert es nicht, dass mit 2579 Teilnehmern die erste Bestmarke aufgestellt wurde. Zwei weitere folgten – mit Ansage.

„Dome“ und seine Fans

Er hat sich so gefreut, dass es endlich klappte mit seinem Rennen vor der Haustür. Immer hatte der Dettinger Dominik Notz andere Verpflichtungen, jetzt wurde extra für die zehn Kilometer zwischen Bad Urach und Metzingen die Saison verlängert. „Das war richtig toll, ich bin begeistert. Viele Leute haben mich angefeuert. Es ist etwas ganz besonderes, wenn man auf der Strecke, die man vom Training her bestens kennt, ein Rennen läuft“, sagte Notz. Und wie er gelaufen ist. „Ich war sehr aufgeregt, bin deshalb viel zu schnell angegangen.“ Ein bisschen musste er Tempo rausnehmen, hat dabei aber sein großes Ziel nicht aus den Augen verloren – den Streckenrekord. Den hat er mit 30:51 Minuten geschnappt. „Ich konnte mich unterwegs sogar noch ein bisschen unterhalten.“ Unglaublich, aber der junge Mann hat tatsächlich nebenher Smalltalk betrieben und auf der Zielgeraden ehemalige Mitschüler abgeklatscht, die es sich nicht nehmen ließen, ihren „Dome“ ins Ziel zu brüllen.

Daniel Noll wurde Zweiter (31:57), hatte daran gar nichts auszusetzen. „Die Pace von Dominik mitzugehen hätte keinen Sinn gemacht. Es war perfekt.“ Mit Luca Hauser und Tim-Phillip Koch waren zwei weitere Glemser unter den Top-Fünf. Die Phalanx durchbrach Silvan Rauscher (TSG Münsingen) als Dritter. Triathlet Michael Wetzel konnte mir Rang sieben sehr gut leben. „Unter 35 hat zwar nicht ganz geklappt, ich war aber wohl zu euphorisch, habe mir zu Beginn zu viel zugetraut“, kommentierte er seine 35:14. Nicht kommentieren muss man die erstklassigen 38:21 von Benjamin Diehl. Der 14-jährige Dettinger, der für den LAV Stadtwerke Tübingen unterwegs ist, wird sicher noch des öfteren in den Ergebnislisten des Ermstal-Marathons auftauchen.

Dass dort Katja Fischer (ebenfalls LAV) als Siegerin des Zehners verewigt ist, hat die sympathische Läuferin doch ein bisschen verwundert. „Ohne Mocki hätte ich das aber nie geschafft“, gab sie die Blumen an die Zweitplatzierte weiter. Sabrina Mockenhaupt musste ihr ganz knapp den Vortritt lassen (35:08 zu 35:09). „Ich trainiere ja nicht mehr so viel, deshalb ist das in Ordnung. Für Katja freue ich mich“, sagte Mocki. Dass jene den Streckenrekord nicht geknackt hat, war für die Frohnatur dann aber auch in Ordnung. Der gehört nämlich immer noch ihr.

Markus Ruopp musste seinen Uralt-Rekord aus dem Jahr 2009 im Halbmarathon hergeben. Mit Ansage. „Das traue ich mir zu“, hatte Simon Stützel zu Protokoll gegeben. Und er hat im bestbesetzten Lauf des Tages geliefert. Die Strecke richtig kennengelernt hat er erst gestern. „Sie ist gar nicht so einfach“, sagte der Top-Läufer aus Karlsruhe. Der „Aufstieg“ nach Bad Urach habe ganz schön Körner gekostet, talabwärts ging es ganz geschmeidig. Da hatte er nur Probleme mit den Kilometerangaben, die nicht mit den eigenen Messungen korrespondierten. Am Ende stand aber der Rekord: 1:09:01 Stunden.

Den hätte auch Timo Göhler gerne gehabt. Ging aber nicht, weil Kollege Stützel ja schneller war. „Ich bin trotzdem zufrieden, auch wenn Zeit und Platzierung nicht ganz gepasst haben. Es hat einen Riesenspaß gemacht“, war Timo Göhler schnell versöhnt. Es ist der Einstieg in die Marathon-Vorbereitung. Da lassen sich, nach einer schweren Vorsaison, gespickt mit Verletzungen, 1:11:41 durchaus sehen. Platz zwei ist ja auch nicht ganz schlecht.

Lorzenz Baum, wie Göhler im LAV-Trikot unterwegs, hatte gar nichts zu meckern. Platz drei in 1:13:55 passen wunderbar. „Gut war, dass es nicht so heiß war“, dankte er auch noch dem Wettergott. Efrem Brhane (4.) wurde nach 1:14:15 gestoppt. Eine tolle Leistung des jungen Mannes, der für den AK-Asyl Metzingen rennt.

Passt alles

Auch bei den Frauen hatte sich ein Trio zusammengefunden, das ordentlich Rabatz machte im halben Marathon. Die Reutlingerin Catrin Götz spielte zunächst die Lokomotive, kam final in 1:31:23 Studen auf Platz drei. Pia Holzer, die niemand richtig auf der Rechnung hatte, und Lokalmatadorin Katrin Kommer, Umsteigerin vom Zehner auf den Halbmarathon, konnten noch überholen. Holzer siegte in 1:29:17. „Es war ein Vorbereitungsrennen für den Berlin-Marathon. Das lief natürlich optimal“, war sie happy. Katrin Kommer (1:30:02) war es auch. „Ich ließ mich nicht hetzen, habe mein Ding gemacht. Passt alles.“ Auch Katrin Kommer hat, wie scheinbar das ganze Feld, Berlin auf dem Laufzettel.

Dem allgemeinen Trend bei vergleichbaren Veranstaltungen folgend, war das Marathonfeld überschaubar. Bei den Männern musste Vorjahressieger Richard Schumacher krankheitsbedingt absagen. So war der Weg frei für den Altdorfer Ultra-Spezialisten Andreas Thumm (2:48:58 Stunden). „Auf der Strecke war es für mich sehr einsam, spätestens als der Halbmarathon im Ziel war“, sagte Thumm, für den der Marathon eine Art Unterdistanz ist. Zumindest hatte er die begleitenden Radfahrer, die sich mit ihm unterhielten. „Tolle Jungs“ seien das gewesen. Den Frauen-Wettbewerb gewann, wie im Vorjahr, Katja Gallasch. Sie war damit die einzige Titelverteidigerin.

Ergebnisse vom Ermstal-Marathon


Marathon
Weiblich: 1. Katja Gallasch (3:23:58), 2. Sandra Fätsch (3:35:10), 3. Ramona Kay (3:46:37), 4. Mara Koster (3:47:26), 5. Monika Herb (3:55:31)
Männlich: 1. Andreas Thumm (2:48:58), 2. Stefano Gatti (3:04:17), 3. Fabio Geiger (3:11:44), 4. Roman Spurny (3:13:14), 5. Philipp Schneider (3:13:58)
Halbmarathon
Weiblich: 1. Pia Holzer (1:29:17), 2. Katrin Kommer (1:30:02), 3. Catrin Götz (1:31:33), 4. Sophia Hess (1:31:42), 5. Linda Sgonina (1:36:44)
Männlich: Simon Stützel (1:09:01), 2. Timo Göhler (1:11;41), 3. Lorenz Baum (1:13:55), 4. Efrem Brhane (1:14:15), 5. Wolfgang Gauss (1:19:45)
Zehn Kilometer
Weiblich: 1. Katja Fischer (35:08), 2. Sabrina Mockenhaupt (35:09), 3. Michaela Renner-Schneck (39:23), 4. Michaela Stützel (39:44), 5. Corinaa Coenning (41:33)   
Männlich: 1. Dominik  Notz (30:51), 2. Daniel Noll (31:57), 3. Silvan Rauscher (32:33), 4. Luca Hauser (34:00), 5. Tim-Philipp Koch (34:23)

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