Tennis Eine dicke Überraschung verpasst

Reutlingen / Andreas Stephan Alexander Mareis 09.07.2018

Die größte Attraktion fehlte an der Rudolf-Harbig-Straße: Die deutsche Nummer zwei, Philipp Kohlschreiber, aktuelle Nummer 22 der ATP-Weltrangliste, trat für den hochgehandelten Gladbacher HTC  gestern zum Erstligastart nicht in Reutlingen an.  Kohlschreiber, der im Mönchengladbacher Bundesliga-Aufgebot steht, wird erst beim Heimspiel am 15. Juli gegen den TC Weinheim sein Debüt für den Gladbacher HTC feiern.

Die Gäste vom Niederrhein konnten es am Reutlinger Wasenwald verkraften. Denn der TV Reutlingen bot zwar in der 1. Tennis-Point Bundesliga am ersten Spieltag bei der 1:5-Niederlage gegen den Badwerk Gladbacher HTC viel Widerstand, konnte aber keine Punkte aufs Habenkonto legen. Was auf dem Papier nach einer klaren Angelegenheit für die Mönchengladbacher aussieht, war tatsächlich wesentlich enger als erwartet.

Berrer holt Einzelpunkt

Im ersten Einzel trat Lokalmatador Michael Berrer gegen Matteo Donati an. Berrer, der seine Karriere eigentlich schon beendete und keine Turniere mehr absolviert, für die 1. Tennis-Point Bundesliga sich aber noch einmal in Form brachte, zeigte vor den begeisterten  600 Zuschauern erneut seine Klasse und rang seinen Kontrahenten mit 6:4, 6:4 nieder. Nicht nur die Zuschauer waren aus dem Häuschen, auch Reutlingens Teammanager Rainer Renz war von der Leistung seines Aushängeschildes sehr angetan: „Michi spielt es einfach klug. Er spielt nicht schneller als seine Gegner, aber immer die richtigen Bälle.“

Lorenzo Giustino hatte weniger Glück auf seiner Seite, gegen Rogerio Dutra Silva verlor er 4:6, 4:6. Noch knapper musste sich Tobias Simon geschlagen geben. In einer packenden Partie bestimmte Simon mit seinem starken Aufschlag und seiner aggressiven Spielweise die Partie, in den entscheidenden Momenten war sein Gegner, Andrej Martin, allerdings konstanter. Im Tiebreak ging der erste Satz an den Gladbacher. Simon diktierte auch im zweiten Satz das Geschehen und entschied diesen mit 6:4 für sich. Im entscheidenden Matchtiebreak setzte sich schließlich wieder das konstantere Spiel von Martin durch. 10:4 hieß es am Ende für Andrej Martin, und Tobias Simon schrammte nur knapp am zweiten Reutlinger Punkt vorbei.

Spitzenspieler Andrea Arnaboldi hatte gegen Gladbachs Nummer eins Marton Fucsovics, aktuelle Nummer 51 der Weltrangliste, nur im zweiten Satz eine kleine Chance. Das Fazit nach den Einzeln fiel für Rainer Renz entsprechend ernüchternd aus: „Wirklich schade, wenn Tobi sein Einzeln gewinnt, hätte das bei den Doppeln ein ganz anderes Spiel gegeben.“

So aber zeigten die Gladbacher in den Doppeln ihre Dominanz und gewannen beide Partien klar. Renz war mit dem Auftakt in die 1. Bundesliga dennoch zufrieden: „Das war ein super Event und mit etwas Glück wäre sogar mehr drin gewesen. Aber gegen Gladbach, den deutschen Meister von 2016, hatten wir uns auch nicht unbedingt etwas ausgerechnet.“

Michael Berrer musste viele Hände auf der schönen TVR-Anlage schütteln, erhielt vor allem für seinen Einzelsieg ordentlich Lob. Für ihn für es eine Premiere, in der 1. Bundesliga anzutreten. „Ich war deswegen nicht nervös. Schließlich habe ich schon auf allen möglichen Centercourts, etwa in Wimbledon oder auf den Australian Open in Melbourne, gespielt. Dennoch ist es natürlich etwas besonderes, mit  38 Jahren nochmals in der 1. Liga für den Heimatklub aufzuschlagen“, gibt der Routinier aus Stuttgart zu.

Sein Erfolgsrezept gegen den Italiener Matteo Donati war einfach: „Ich wusste, was er nicht mag. Meine Taktik ging voll auf. Ich habe viele Slice-Bälle gespielt und versucht, das Tempo langsam zu halten. Schade, dass wir mit einem 1:3-Rückstand in die Doppel gingen – da war zu befürchten, dass wir maximal eines gewinnen würden. Leider hat auch dies nicht geklappt“, ließ Berrer verlauten.

TVR-Trainer Daniel Stöhr war trotz der 1:5-Niederlage zum Auftakt keineswegs unzufrieden. „Das Ergebnis hört sich klarer an, als die Matches tatsächlich waren. Michael Berrer hat im Einzel hervorragend gespielt, er war bestens vorbereitet. Tobias Simon hat ein enges Match unglücklich verloren, aber einen sagenhaften Kampf geliefert. Auch das Match von Lorenzo Giustino stand auf der Kippe, er vergab einige Breakchancen. Insofern war durchaus eine Möglichkeit auf einen Überraschungserfolg gegeben. Wir hätten mit 2:0 in den Einzel vorne liegen können“, bedauert Stöhr.

Eine Sensation sei nicht utopisch gewesen. „Mit etwas mehr Glück in den Einzeln hätte es vor den Doppel anders ausgesehen und ein 3:3-Gesamtergebnis wäre denkbar gewesen. Ich bin daher mit allen Akteuren sehr zufrieden. Auch den Gladbachern war anzumerken, dass sie über jeden Punkt froh waren. Im Vorfeld freilich war klar, dass es gegen dieses Topteam schwer werden würde“, gibt Daniel Stöhr zu.

Verzichten musste der TVR-Trainer auf die beiden Italiener Matteo Berrettini und Lorenzo Sonego. Während Berrettini durch seine Wimbledon-Teilnahme verhindert war, musste Sonego am Freitag wegen einer Verletzung kurzfristig absagen.

Am zweiten Bundesligaspieltag müssen die Reutlinger am Freitag, 13. Juli (13 Uhr), auswärts bei Blau-Weiß Halle in Westfalen antreten. Bereits am Sonntag, 15. Juli (11 Uhr) folgt ein weiteres TVR-Auswärtsspiel beim HTC Blau-Weiß Krefeld. Das nächste Heimspiel folgt am Sonntag, 22. Juli (11 Uhr) gegen den TK Kurhaus Lambertz Aachen.

Bundesliga, 1. Spieltag

BW Neuss - TK GW Mannheim 1:5

Rochusclub Düsseldorf - BW Halle  6:0

TK Kurhaus Lambertz Aachen - TC Weinheim 2:4

TV Reutlingen - Gladbacher HTC 1:5

HTC BW Krefeld -  Kölner THC Stadion RW  4:2

TV Reutlingen – Gladbacher HTC    1:5

Einzel
Andrea Arnaboldi  (Italien) - Marton Fucsovics (Ungarn) 2:6, 5:7.
Lorenzo Giustino (Italien) - Rogerio Dutra Silva (Brasilen) 4:6, 4:6.
Tobias Simon - Andrej  Martin (Slowakei) 6:7 (2), 6:4, 4:10.
Michael Berrer -  Matteo Donati (Italien) 6:4, 6:4.
Doppel
Arnaboldi/Giustino - Fucsovics/Jebavy (Tschechien) 1:6, 1:6.
Simon/Berrer - Dutra Silva/Donati 2:6, 3:6.

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