Ermstal-Marathon Ein Hase namens Luigi

Katrin Kommer und Luigi de Franceschi bilden ein Doppel über den Zehner.
Katrin Kommer und Luigi de Franceschi bilden ein Doppel über den Zehner. © Foto: Privat
Ermstal / WOLFGANG SEITZ 03.07.2015
Sie ist auf der Jagd nach Bestzeiten, für ihn geht es immer steiler bergauf. Aber nicht nur Laufen verbindet Katrin Kommer und Luigi de Franceschi. Beim Ermstal-Marathon wagen sie den Paarlauf im Zehner.

Man kann es so oder so sehen. „Ich bin ihr Pacemaker“, sagte Luigi de Franceschi im Interview. „Man kann da doch auch Hase dazu sagen“, erwiderte sie. Obwohl der schnelle Italiener etwas das Gesicht verzogen hat, werden wir selbstverständlich den Wunsch seiner Katrin entsprechen. Er macht also den Hasen.

An der Sache selbst ändert es freilich nichts. Katrin Kommer hat sich zum Ziel gesetzt, an ihren persönliche Bestzeiten zu feilen, und Luigi hilft dabei, indem er das Tempo vorgibt. Dumm nur, dass er die Uhr nicht immer kennt. Zum Beispiel bei Kommers erstem Marathon in Florenz. Ausgemacht waren 3:30 Stunden, geworden sind es dann 3:20. „Ich war im Ziel schon ein bisschen erstaunt“, blickt die damalige Debütantin zurück. Den „Hasen“ hat es indes gar nicht verwundert. Er, der viel Erfahrung im Laufsport mitbringt, hatte unterwegs einfach gemerkt, dass da viel mehr drin ist. Und deshalb einfach an der Uhr gedreht.

Das hat so ähnlich auch beim anderen Vorhaben geklappt, als die Halbmarathon-Zeit zur Verbesserung anstand. Die 1:31 Stunden aus Salzburg wurden noch einmal modifiziert beim Stuttgarter Zeitungslauf in 1:30:05. Eine Bombenzeit, die Katrin Kommer letztendlich auf den hervorragenden siebten Platz führte. Keine Frage, dass da wieder der Hase namens Luigi wertvolle Schrittmacherdienste leistete.

Selbiges hat sich das Duo nun auch für den 12. Juli vorgenommen. Dann über die zehn Kilometer zwischen Bad Urach und Metzingen. Eigentlich wie gemacht für Bestzeiten. Katrin Kommer hat da allerdings so ihre Zweifel: „Wenn es so heiß bleibt, dann weiß ich nicht, ob es klappt.“ Unter 41 Minuten lautet die gemeinsam ausgearbeitete Vorgabe.

Das Wetter könnte in der Tat ein Problem werden, bestätigt Luigi de Franceschi. „Mir macht die Hitze ja nicht so viel aus, beim Zehner geht es sowieso, aber im Halbmarathon und Marathon wirken sich hohe Temperaturen natürlich aus“, so der 50-Jährige, der sich lange überlegte, ob er überhaupt an den Start gehen soll. Das hat aber gar nichts mit den an die 30 Grad zu tun, die für den 12. Juli prognostiziert werden. Der Ermstal-Marathon ist eingebettet zwischen zwei Bergläufen, bei denen schon die Erwähnung der Destinationen einem kalte Schauer über den Rücken jagen. Morgen wird der Metzinger am Nebelhorn vorstellig, am 19. Juli trifft sich die Trail-Elite dann am Großglockner. Das soll eines der Saisonhighlights werden. Die 13 Kilometer sind dabei das kleinere Problem, viel eher hat man daran zu knabbern, dass es dabei auch 1494 Meter zu erklimmen gilt.

„Bis jetzt läuft es gut“, fasst der Italiener im reifen Laufalter zusammen. Eines der Highlights war zweifellos der dritte Gesamtrang beim Salzburg-Marathon am 3. März. Die Teilnahme hat ihm seine Katrin zum 50. geschenkt. Gestoppt wurde Luigi nach 2:43:12 Stunden.

Quasi als Dankeschön begleitet er nun seinen „Schatz“. Siegambitionen habe er nicht, braucht er auch nicht, schließlich hat er den Zehner beim Ermstalmarathon ja schon gewonnen, den Halbmarathon im übrigen auch. Da fehlt also noch etwas, wobei de Franceschi gar kein Problem hat, dass der eine Sieg noch aussteht. „So lange Peter läuft, habe ich keine Chance.“ Peter, hinten Keinath, ist der Vereinskamerad vom SV Ohmenhausen – jünger und schneller. Wie kann mit 50 denn überhaupt noch so zügig unterwegs sein? „Ich habe Spaß am Sport, trainiere gut Ausdauer, Schnelligkeit kann man mit 50 nicht mehr verlangen“, sagt de Franceschi, der sich im Training immer neue Reize setzt. So war er gestern beim Swim&Run in Dettingen dabei. Bernd Weis, auch ein Laufkumpel, hat ihn gefragt, und wenn es ums Rennen geht, hat der Italiener das Wort „No“ aus seinem Wortschatz verbannt. Am 12. Juli heißt es dann „Avanti“ für Katrin Kommer – wenn sie ihrem Hasen folgt.

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