Frauenhandball Dynamische Wildkatzen

Marija Obradovic (Mitte) war zuletzt gut in Schuss – im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt droht die Rückraumspielerin der TuS wegen einer Steißbeinprellung auszufallen.
Marija Obradovic (Mitte) war zuletzt gut in Schuss – im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt droht die Rückraumspielerin der TuS wegen einer Steißbeinprellung auszufallen. © Foto: Eibner
Wolfgang Seitz 09.10.2018

Der SV Union Halle-Neustadt ist als Tabellenzweiter der 2. Liga aufgestiegen. 36:20 Punkte haben gereicht, weil Meister Buchholz-Rosengarten (50:6) aus wirtschaftlichen Gründen verzichtete. Mit Halle-Neustadt ist das Bundesland Sachsen wieder auf der Erstliga-Landkarte vertreten – und man will dort bleiben.

Erfahrene Trainerin

Dafür wurde im Vorfeld einiges getan, unter anderem mit Tanja Logvin eine international erfahrene Trainerin verpflichtet. Die Portugiesin Mariana Ferreira Lopes kam aus Schweden, Ekaterina Fanina war für den russischen Spitzenklub Kuban am Ball, Emilia Galinska (Polen) wechselte aus Dortmund nach Halle-Neustadt. Transfers, die mit dem Hintergrund getätigt wurden, dass der Klassenerhalt oberstes Gebot ist.

Es sieht, was dieses hehre Ziel angeht, noch nicht rosig aus. 0:6 Punkte werden für die „Wildcats“ notiert, die sich aber trotzdem schon recht wild gebärdet haben. „Sie haben gegen Leverkusen eine überragende erste Hälfte gespielt. Sie können immense Dynamik entfachen, bringen die nötige Begeisterung mit aufs Feld“, hat André Fuhr, Trainer der TuS Metzingen, gestern bei der Pressekonferenz gesagt. Am Mittwoch bekommt er es mit dem Aufsteiger zu tun und hat im Vorfeld seine Hausaufgaben gewissenhaft erledigt.

Das hat man dann schon aus dem Statement der jungen Torhüterin Jesse van de Polder herausgehört. „Wir müssen wach sein, alles geben – und die zwei Punkte holen.“ Gekommen ist die 20-jährige Niederländerin eigentlich als Torhüterin Nummer drei, muss nun aber mit Isabell Roch den Kasten möglichst sauberhalten, weil Madita Kohorst nach ihrem Kreuzbandriss noch mit Reha-Maßnahmen beschäftigt ist.

Eine tolle erste Halbzeit

Jesse van de Polder ist also ganz auf der Linie ihres Trainers, der richtig angetan war von den Wildcats, die Leverkusen bis zur Halbzeit (17:11) schwer am Wickel hatten – dann aber ganz zahm wurden. Dass es am Ende noch eine deftige 24:32-Niederlage setzte, wird Fuhr seinen Mädels nicht aufs Brot schmieren. Sie wissen es sowieso, sind aber auch intelligent genug, um nicht überheblich an die Heimaufgabe heranzugehen.

Die Länderspielreisen haben alle TusSies gut überstanden, nicht in den Kram gepasst hat dem Trainer, dass das Pokalspiel am Samstag bei der SG BBM Bietigheim II nicht zur Austragung kam, weil der Gastgeber enormen Personalmangel geltend machte. Dafür hat man intensiv trainiert. Und irgendwie dabei ist es passiert. Marija Obradovic, zuletzt in Abwehr und Angriff gleichermaßen stark, erlitt eine Steißbeinprellung. Der Einsatz am Mittwoch ist fraglich. „Wenn Marija nicht spielt, spielt jemand anderes“, hat André Fuhr eine diesbezügliche Frage beantwortet, freilich auch die Alternativen grob umrissen. Shenia Minnevskaja ist auf halblinks zu Hause, mit zwei Spielmacherinnen geht es ebenso wie mit zwei Kreisläuferinnen, sogar drei Linkshänderinnen sind eine Option. „Alles ist möglich“, sagt der Coach, der aber auch die Hoffnung hat, dass Obradovic einsatzfähig ist.

Das wäre im Hinblick auf das Hammerprogramm im Oktober nicht schlecht. Da wird jede pinke Hand gebraucht. Am Sonntag steht der EHF-Pokal in Astrachan an, nächsten Mittwoch geht es in der Bundesliga nach Göppingen, dann kommt Astrachan. „Bis Mittwoch habe ich nur Halle-Neustadt im Kopf“, sagte André Fuhr. Man muss jetzt einfach Prioritäten setzen – fast täglich neue.        

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