Leichtathletik Dramatik über 2000 Meter Hindernis

Heißes Duell über 2000 Meter Hindernis: Elena Burkard (links) von der LG Farbtex Nordschwarzwald wird hier von der Schweizerin Chiara Scherrer (rechts) am Schluss überholt.

Friederike Kallenberg
Chiara Scherrer schlägt Elena Burkard beim Pliezhäuser Meeting der krummen Strecken. Comeback von Jackie Baumann gelungen. Lindy Ave bleibt im Duell mit Annika Memmer knapp über eigenem Meetingrekord.

Die Vorzeichen waren eindeutig beim Pliezhäuser Läufermeeting. An der Startlinie der fünf Runden über die 2000 Meter Hindernis war klar: Wer hier als Siegerin über die Ziellinie laufen möchte, muss sich auf ein hartes Duell mit der Schwarzwälderin Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald) einlassen.

Die EM-Sechste über 3000 Meter Hindernis lief von Beginn an von vorne gegen den Wind, stets dicht gefolgt von der Schweizerin Chiara Scherrer. Bis zur letzten Runde machte Burkard die Pace. „Dann habe ich realisiert, dass ich noch viel Kraft und die bessere Technik am Wassergraben habe“, beschreibt die Schweizerin Scherrer den Moment, als sie an Burkard vorbeiging. Die Vierte der U23-Cross-Europameisterschaft, seit sieben Jahren Meeting-Gast im Schönbuchstadion, siegte das erste Mal in Pliezhausen in 6:24,95 Minuten vor Burkard (6:26,72 Minuten).

Hohe Messlatte für U20-Staffel

Die DLV-U20-Staffel, amtierender Weltmeister und Weltrekordinhaber, kommt seit 21 Jahren mit Bundestrainer Alexander Seeger (Gomaringen) zum Meeting nach Pliezhausen. Schon oft resultierte aus dem ersten Staffel-Test der Saison ein neuer Meetingrekord – zuletzt im Jahr 2015: 43,82 Sekunden waren eine hohe Messlatte zumal bei Regen und nur zehn Grad Celsius.

Im ersten Lauf und noch nicht optimalen Wechseln konnte die Staffel DLV II mit Antonia Dellert, Cynthia Kwofie, Svenja Petsch und Skadi Schier die Qualifikationsnorm für die U20-EM (45,70 Sekunden) in 45,31 Sekunden klar erfüllen. Auch die Staffel DLV I blieb mit 45,69 Sekunden hauchdünn unter der Norm – es liefen Cheyenne Kuhn, Beauty Somuah, Chiara Schimpf und Talea Prepens. Das Saisonziel für 2019 ist klar definiert: Der EM-Titel soll in Boras erfolgreich verteidigt werden.

Luke Campbell (LG Eintracht Frankfurt), Constantin Preis (VfL Sindelfingen), Joshua Abuaku (LG Eintracht Frankfurt): So lautete der Zieleinlauf der Deutschen Meisterschaften 2018 über 400 Meter Hürden. Und alle drei Athleten sollten beim Pliezhäuser Meeting über 300 Meter Hürden aufeinandertreffen. Freilich musste Favorit Campbell krankheitsbedingt passen. So war der lachende Vierte Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt), der sich in 36,7 Sekunden den Sieg vor seinem Trainingspartner und Vereinskollegen Joshua Abuaku sichern konnte, der in 36,9 Sekunden dieselbe Zeit wie Lokalmatador Constantin Preis (VfL Sindelfingen) lief. „Die Betreuung und das Training unter Wettkampfbedingungen ist in Pliezhausen hervorragend“ lobte Abuaku den Veranstalter.

Bei den Frauen hatte Lokalmatadorin Jackie Baumann (LAV Stadtwerke Tübingen) bei ihrem Comeback nach einer langen Verletzungspause gleich die amtierende Deutsche Meisterin als Konkurrentin: Djamila Böhm vom ART Düsseldorf. Doch auch die Polin Joanna Linkiewicz war nach Pliezhausen gekommen, um ganz vorne mitzulaufen. Allerdings kam für die polnische Favoritin auf den ersten hundert Metern des Rennens das Aus. Den Lauf gewann bei starkem Gegenwind Djamila Böhm in 40,8 Sekunden vor der überraschend starken Sindelfingerin Carolina Krafzik (40,9 Sekunden), die sich erst auf den letzten Metern knapp geschlagen geben musste. „Ich musste wegen des Windes von einem 14er-Schritt auf einen 15er-Schritt umstellen. Es war dennoch ein perfektes Training und bereits mein vierter Start in Pliezhausen.“

Jackie Baumann war zuvor ohne Druck im B-Lauf in 41,7 Sekunden ungefährdet zum Sieg gelaufen, was insgesamt Rang drei bedeutete. „Es war anstrengend, aber besser als ich es erwartet hatte. Man muss eben auch den Wettkampf sozusagen wieder trainieren.“

Für beide deutschen Athletinnen ist die DLV-WM-Norm über 400 Meter Hürden von 56,00 Sekunden das Saisonziel.

In den Sprintwettbewerben der Klasse T35-38 waren mit Meetingrekordhalterin Lindy Ave (HSG Uni Greifswald) und Doppel-Europameisterin Nicole Nicoleitzik (über 100 Meter und 200 Meter in Berlin 2018, TV Püttlingen) die besten nationalen Sprinterinnen am Start.

Duell der nationalen Asse

Lindy Ave blieb im Duell gegen ihre Nationalmannschafts-Kollegin Annika Memmer mit einer Siegerzeit von 13,69 Sekunden nur zwei Zehntel über ihrem eigenen Meetingrekord (13,49 Sekunden).

Auch über 200 Meter lief sie in 28,99 Sekunden ihre zweitbeste Zeit in Pliezhausen (ihr eigener Meetingrekord steht bei 28,14 Sekunden).

Übrigens: Ave kann ihren Start bei der WM in Dubai Ende November schon sicher planen.

Trotz der Witterung können Meeting-Chef Thomas Jeggle und seine 140 Helfer auf ein gelungenes Meeting mit 523 Athleten aus 20 Nationen zurückblicken. Die Fortsetzung im Schönbuchstadion folgt im Jubiläumsjahr  2020: 30 Jahre Internationales Läufermeeting und 50 Jahre Leichtathletik in Pliezhausen müssen schließlich in einem gebührenden Rahmen gefeiert werden.