Stuttgart/Metzingen / Wolfgang Seitz  Uhr
Final Four-Turnier um den DHB-Pokal am 25./26. Mai in der Porsche-Arena. Am drittletzten Bundesliga-Spieltag stehen exakt die Halbfinal-Partien auf dem Stundenplan.

Die Situation ist schon ein bisschen bizarr. Oder, wie es Christoph Wendt, Leiter der Geschäftsstelle der Handball Bundesliga Frauen (HBF) am Dienstag bei der Pressekonferenz in Stuttgarts guter Handball-Stube formulierte: „Das haben wir doch fein hinbekommen.“ Am Samstag, 25. Mai, werden in der Porsche-Arena die Halbfinals ausgetragen: Thüringer HC – TuS Metzingen und SG BBM Bietigheim – SV Union Halle-Neustadt. Mit vertauschtem „Heimrecht“ trifft man sich bereits am Wochenende. Da wird also schon einmal geübt fürs Final Four. Aus lokaler Sicht ist natürlich besonders interessant, wie sich die TusSies gegen den amtierenden Meister Thüringer HC schlagen (Samstag, 20 Uhr, Paul-Horn-Arena Tübingen).

Zusammen mit Nadine Schulte, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit bei der HBF, konnte Wendt Vertreter sämtlicher Final-Four-Teilnehmer begrüßen. Was in zwei Fällen Respekt verdient. So flog ein Duo des SV Union Halle-Neustadt zur PK in die Landeshauptstadt. Trainerin Tanja Logvin hatte Nadine Smits mit im Flieger. Per Zug kam die Delegation vom Thüringer HC, Trainer Herbert Müller mit Meike Schmelzer, leicht verspätet, musste dann aber umso früher wieder gehen. „Heimspiele“ hatten die Lokalmatadoren. André Fuhr, Kommandogeber bei den Metzinger TusSies, hatte Julia Behnke im Schlepptau. Die SG BBM Bietigheim war vertreten durch Trainer Martin Albertsen und Kim Naidzinavicius.

Und natürlich wollten sie allesamt noch gar nicht viel wissen vom Final Four, weil eben noch wichtige Spiele in der Bundesliga anstehen, wo es um nicht mehr und nicht weniger als die Deutsche Meisterschaft geht. Punktgleich stehen mit 46:2 Punkten die SG BBM Bietigheim und der Thüringer HC an der Spitze. Das klar bessere Torverhältnis spricht für die Bietigheimerinnen.

„Das Ding ist gelaufen. Man darf da nicht weltfremd und unrealistisch sein. Wenn wir am Ende 25 von 26 Bundesliga-Spielen gewonnen haben, haben wir trotzdem eine hervorragende Saison gespielt“, sagte Herbert Müller. Den letzten Teil hat sein Kollege Fuhr nicht gehört. Hiermit sei es gepetzt. „Da gibt es nichts herumzutaktieren, es gibt doch keine Geheimnisse zwischen den Mannschaften. Wir werden vor mehr als 2000 Zuschauern in Tübingen spielen und danach viele Spielerinnen verabschieden, die alles geben werden“, verspricht André Fuhr. Eine davon ist Julia Behnke. Was sie gegenüber den vergangenen beiden Final-Four-Teilnahmen anders machen wolle, wurde die TuS-Kapitänin gefragt. „Wir wollen den Titel holen“, kam die klare Antwort. Den Pokal hat „Jule“ also zumindest im Hinterkopf. Ihr Trainer natürlich auch. „Aus dem Spiel am Samstag gilt es dann die richtigen Lehren zu ziehen.“ Das mit dem Titel sieht er ähnlich.

Martin Albertsen hat den Fokus ganz klar auf die Meisterschaft gelegt, was man ihm nicht verdenken kann. Doch auch er wird ganz schnell umschalten, wenn es Richtung Final Four geht. Holen will er das Ding – wohlwissend, dass in den vergangenen drei Jahren eher die Außenseiter zum Zug kamen.

Man kann es sich schwer vorstellen, dass dies auch heuer der Fall sein wird. Der SV Union Halle-Neustadt steigt ab aus der ersten Liga, muss dann im Pokal ausgerechnet gegen den designierten Deutschen Meister ran. „Es ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Wir sind bereit“, sagt Halles Trainerin Tanja Logvin, die noch auf die eigenen Gesetze eines Final Fours verweist. Eines davon hat ihr Martin Albertsen schon einmal bestätigt. „Du kannst Dir sicher sein, dass die Zuschauer in erster Linie den Underdog unterstützen. Das ist immer so und ist auch gut so.“ Ausgenommen freilich im speziellen Fall der Bietigheimer Anhang.

Mehr als 3000 am Sonntag?

Die SG BBM ist einer der Publikumsmagneten, die TusSies sind der andere. Fleißig wird an der berühmten pinken Wand gebastelt. Bis zu 300 Fans werden aus Thüringen erwartet. Christoph Wendt freut sich über Jede und Jeden, die sich auf den Weg in die Porsche-Arena machen. „Für den Samstag wurden bereits 2000 Karten verkauft, am Sonntag werden wir aller Voraussicht nach die 3000er-Grenze knacken.“

Der Leiter der Geschäftsstelle sieht sich bestätigt in seinem Entschluss, das Olymp Final Four fest nach Stuttgart zu vergeben. Er hat allerdings nicht die Garantie, dass jedes Jahr sowohl die SG BBM Bietigheim als auch die TuS Metzingen die Runde der letzten Vier erreichen. Dieses Pokalgesetz gibt es nämlich noch nicht.