Frauenhandball Der Flug ins Ungewisse

Spielführerin Julia Behnke wird sich auch in Astrachan ganz lang machen. Man will sich eine gute Ausgangsposition erarbeiten.
Spielführerin Julia Behnke wird sich auch in Astrachan ganz lang machen. Man will sich eine gute Ausgangsposition erarbeiten. © Foto: Eibner
Metzingen / Wolfgang Seitz 12.10.2018

Jesse van den Polder war bei der Pressekonferenz am Montag schon ein bisschen aufgeregt. „Ich freue mich darauf. Ich war noch nie so weit weg“, sagte die Torhüterin. 3800 Kilometer gilt es auf dem Weg nach Astrachan zu bewältigen – zurück muss man dann natürlich auch wieder. Die junge Dame will sich da mit Musik ablenken, neben dem Toreverhindern ihre zweite Leidenschaft. Sie könnte mit der Gitarre sogar etwas fürs Unterhaltungsprogramm tun. Trainer André Fuhr sieht den Ausflug durchaus als Teambuilding-Maßnahme, freilich aber auch als große sportliche Herausforderung. „Astrachan ist eine andere Hausnummer als Halle-Neustadt“, hat er bei Videostudien festgestellt. Den Russinnen würde er durchaus zutrauen, in der deutschen Bundesliga an der Spitze mitmischen zu können.

Eigenwillig ist das Astrachaner System. „Die sind sehr strukturiert, spielen ihre Angriffe auf den Punkt und sind aus allen Positionen torgefährlich“, so Fuhr. Zudem sind sie topbesetzt. „Wer Nationalspielerinnen hat, hat auch Qualität“, weiß der TuS-Trainer – muss sich diesbezüglich mit seinen Pink Ladies aber ja nicht verstecken.  Von Astrachaner Seite waren zuletzt Torhüterin Kira Trusova, Linksaußen Dariia Samokhina, sowie die Rückraum-Spielerinnen Elizaveta Malashenko und Irina Snopova für Russland international in den Testspielen gegen Deutschland im Einsatz. Am auffälligsten war die treffsichere Samokhina. Milana Tazhenova ist auf der Spielmacherposition eine Option für die Zukunft. Anna Kochetova wirkt eher behäbig, lässt aber Schlagwürfe los, die ihresgleichen suchen.

Bekannt in der Region ist Liudmila Postnova, die zu ihrer Zeit in Lada beim Frauenhandballturnier in Bad Urach ihr überragendes Können unter Beweis stellte. Sie zählt nun zu den erfahrenen Kräften bei Astrachan, wo eine gesunde Mischung aus Routiniers und jungen Spielerinnen am Ball ist. „Die sind unberechenbar, alles ist eng getacktet, sie haben eine hohe Qualität im Positionsangriff“, bekundet André Fuhr Respekt. Natürlich weiß er auch, wie es seinen Mädels trotzdem gelingen kann, eine gute Basis für das Rückspiel nächste Woche (Samstag, 20 Uhr, Öschhalle) zu schaffen. „Wir müssen denen unseren Spielstil aufzwingen. Astrachan kann sicherlich keine 60 Minuten Tempo gehen.“ Die TusSies können das schon.

Das Mittwochspiel gegen Halle-Neustadt wurde gut verkraftet, die ganze Belegschaft hat sich am Morgen danach bereits wieder zum Training getroffen. Mit dabei Marija Obradovic, die nur dosiert eingesetzt wurde, weil eine Steißbeinprellung ihr zu schaffen macht. Sie wirkte gehemmt, hat aber signalisiert, dass mit ihr zu rechnen ist. Und der Rest hat sich gut geschlagen. Delaila Amega gab als Regisseurin Gas, kurbelte auch zusammen mit Patricia Kovacs das Spiel an. Sie werden nun auch in Astrachan das Tempo vorgeben. Es muss, wie schon gesagt, ein permanent hohes sein.

TuS Metzingen II gastiert in Bietigheim

In der 3. Liga hat die TuS Metzingen II einen schweren Gang vor sich. Sie gastiert am Samstag (18 Uhr) bei der zweiten Vertretung der SG BBM Bietigheim. Nicht etwa schwer, weil die Auftritte der SG II bisher furchteinflößend waren (0:8 Punkte) – das Problem der TuS Metzingen II liegt im personellen Bereich. Die erste Mannschaft macht sich in Sachen EHF-Cup am Freitag auf den Weg gen Astrachan. Mit an Bord sämtliche Spielerinnen, die für einen Aushilfsjob in der zweiten Mannschaft in Frage gekommen wären. „Wir werden nicht Favorit sein“, sagt Geschäftsführer Ferenc Rott. Zu jenen, die in Russland weilen, gesellt sich noch Routinier Alexandra Kubasta, die aus privaten Gründen fehlt. „Wir wussten, dass solche Situationen kommen können. Da müssen wir durch“, so Rott. Lernen kann die junge Mannschaft dabei sicherlich eine ganze Menge. Trainerin Edina Rott, die bei einem A-Lizenz-Lehrgang weilte, will mit ihren Mädels das Beste aus der Situation machen. wose     

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