Ermstal-Marathon Bitte keinen Druck

Markus Ruopp würde liebend gerne die altbekannten Pfade zwischen Bad Urach und Metzingen beschreiten - sofern es das Knie zulässt.
Markus Ruopp würde liebend gerne die altbekannten Pfade zwischen Bad Urach und Metzingen beschreiten - sofern es das Knie zulässt. © Foto: Archiv
WOLFGANG SEITZ 30.06.2015
Lange war Markus Ruopp außer Gefecht. Das Comeback am Sonntag beim Boss-Lauf gibt aber Anlass zur Hoffnung, dass es auch mit dem Ermstal-Marathon über zehn Kilometer etwas werden könnte.

„Ich bin froh, dass ich wieder laufen kann“, sagt Markus Ruopp – und die Formulierung hat durchaus ihre Berechtigung. Im Oktober des vergangenen Jahres stand eine Knie-Operation an, bei der neben einem Meniskusanriss auch ein Knorpelschaden behoben wurde. Zwei Monate ging Ruopp an Krücken, als er die in die Ecke stellen konnte, war noch lange nicht klar, dass es mit dem zügigen Laufen über längere Strecken wieder etwas werden würde. Nicht nur, weil sich natürlich in der Zeit der Untätigkeit die Muskeln verabschiedet hatten.

„Seit März kann ich wieder trainieren. Da fehlt natürlich noch einiges, das Knie ist bei weitem noch nicht so belastbar wie zuvor“, sagt der Reutlinger. Rennen kann er aber wieder, feierte am Sonntag beim Boss-Lauf sein Comeback. Beobachter waren erstaunt, als sie danach erfuhren, dass er eine lange Pause in den Beinen hatte. Das ist gut so, ändert aber nichts an den Voraussetzungen.

„Für dieses Jahr habe ich mir nicht viel vorgenommen, will mich nicht selbst unter Druck setzen, nicht zu viel machen.“ Aus diesem Grund hat der 39-Jährige den Reutlinger Altstadtlauf am kommenden Wochenende in seinen Kalender nicht aufgenommen. Der 12. Juli ist allerdings dort noch offen. Der Ermstal-Marathon lockt, die schöne Strecke über zehn Kilometer von Bad Urach gen Metzingen.

Markus Ruopp kennt den Weg, hat ihn sogar schneller bewältigt als sämtliche Kollegen vor oder nach ihm. 32:06 Minuten stehen wie in Stein gemeißelt als Streckenrekord – jener über den Halbmarathon, das sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, wird ebenfalls für Ruopp notiert: 1:10:46 Stunden.

An Bestzeiten denkt der doppelte Rekordhalter derzeit aber gar nicht, ist einfach froh, dass er wieder wettkampfmäßig seine Kilometer abspulen kann. Auf die Hälfte habe sich das Training reduziert. Das heißt umgerechnet, dass er trotzdem noch pro Woche 60 Kilometer läuft. Und wenn dann das Knie nach einem Training schmerzt, setzt sich der frühere Fußballer aufs Fahrrad. Praktisch zur Erholung.

Als Zuschauer wird man den 39-Jährigen im Ermstal eher nicht sehen. So sehr er das Ambiente auch schätzt, die Veranstalter in den höchsten Tönen lobt und sich freut, die Laufkameraden und -kameradinnen zu sehen. Zusehen will er ihnen aber nicht ausschließlich, wenn die Stimmung auch noch so toll sein mag.

„Ich weiß zu schätzen, dass ich wieder auf diesem Niveau laufen kann. Mit der Form bin ich sehr zufrieden, deshalb spricht viel dafür, dass ich am 12. Juli dabei bin.“ Aber wie gesagt: Unter Druck setzen lässt sich Markus Ruopp nicht – weder vom Ermstäler Marathon-Cheforganisator Michael Koch, der ihn persönlich eingeladen hat, noch von wohlmeinenden Publikationen, die sich mit ihm und dem Ermstal-Marathon beschäftigen.

Wenn allerdings nichts Unvorhergesehenes passiert, wird Markus Ruopp die zehn Kilometer durchs wunderschöne Ermstal in Angriff nehmen. Auch wenn er sich keine Termine gesetzt hat – dieser eine steht einfach. So weit kann man sich an dieser Stelle getrost aus dem Fenster lehnen.