Tennis Berühmte Tochter Metzingens will auch 2017 auf Kurs bleiben

Metzingen / Alexander Mareis 30.12.2016

2016 war ein außergewöhnliches Jahr für Laura Siegemund. Die 28-jährige Metzingerin war nie zuvor sportlich als Einzelspielerin erfolgreicher. Dies verdeutlichen allein schon ihre Preisgelder im Tennis. 1 194 585 US-Dollar hat Siegemund bisher in ihrer Karriere eingestrichen, davon 749 178 US-Dollar allein 2016.

Keine Frage: Die Ermstälerin ist die Aufsteigerin des Jahres im deutschen Frauentennis. Von Platz 90 hatte sich die Sieben-Keltern-Städterin zwischenzeitlich auf Rang 29 der WTA-Weltrangliste vorgearbeitet, aktuell nimmt sie als zweitbeste Deutsche Platz 31 ein. Und liegt damit genau einen Rang vor Olympiasiegerin Monica Puig aus Puerto Rico. Kein Wunder also, dass Siegemund auch 2017 ambitioniert in die WTA-Serie startet, die mit dem  Brisbane International, einem im Queensland Tennis Centre vom 1. bis 8. Januar durchgeführten Hartplatzturnier, ihren Auftakt erlebt.

Laura Siegemund vertritt in Australien die deutschen Farben gemeinsam mit der Weltranglisten-Ersten und Olympia-Silbermedaillengewinnerin Angelique Kerber. Die beiden Deutschen stehen im Hauptfeld des mit  890 100 US-Dollar dotierten Topevents, das weder bei den Frauen noch bei den Männern jemals besser besetzt war. Denn erstmals sind jeweils fünf Vertreter aus den Top Ten bei beiden Geschlechtern in Brisbane vertreten. Grand-Slam-Champions wie Rafael Nadal (Spanien), Stan Wawrinka (Schweiz), die besagte Deutsche Angelique Kerber, Garbine Muguruza (Spanien), Svetlana Kuznetsova (Russland) und die in Brisbane geborene Samantha Stosur (Australien) sollen das bekannt begeisterungsfähige Publikum in der 2,3 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt des Bundesstaates Queensland im Nordosten Australiens bei erwarteten Tagestemperaturen zwischen 23 und 33 Grad Celsius (kurzzeitig wird Regen laut Wettervorhersage für Abkühlung sorgen) zum Kochen bringen. Selbst nachts sinken die Temperaturen nicht unter die 22-Grad-Grenze, während im deutschen Winter der Gefrierpunkt unterschritten wird.

„Ich stecke mitten in den Vorbereitungen für Brisbane“, hatte Laura Siegemund unserer Metzinger Sportredaktion am Donnerstag mitgeteilt. Sicherlich dürfte die 28-Jährige, die bei einer Körpergröße von 1,68 Metern 62 Kilogramm auf die Waage bringt, zumindest im Unterbewusstsein einen gewissen Druck verspüren. Schließlich hat sie selbst die Messlatte durch ihr überragendes Jahr 2016 hoch gelegt. Dabei hatte Siegemund 2012 mit dem Tennis schon fast abgeschlossen, ehe sie nun enorm aufblühte. Nach den großen Erfolgen spielte es fast keine Rolle, dass der sportliche Jahresabschluss kein weiteres Highlight vorsah. Magenprobleme hatten die 28-jährige Metzingerin bei den BGL Open (das Turnier stieg vom 17. bis 22. Oktober) in Luxemburg, ihrem letzten großen sportlichen Auftritt 2016, gestoppt. „Der Fisch war eigentlich sehr lecker“, sagte sie nach ihrer Erstrunden-Niederlage gegen die Italienerin Francesca Schiavone mit einem gequälten Lächeln. „Aber seitdem geht es mir richtig schlecht.“

Mittlerweile hat sich Laura Siegemund längst bestens erholt.  Sie schaut zuversichtlich nach vorne und zufrieden zurück. „2016 war ein Top-Jahr für mich“, betont die Schwäbin.  Bei den Australian Open in Melbourne überstand sie erstmals die Qualifikation fürs Hauptfeld und kam bis Runde drei. Im April begeisterte sie Fans und Medien mit dem Finaleinzug in der Stuttgarter Porsche-Arena, wo sie erst an der Weltranglisten-Ersten Kerber scheiterte. Im Juli gewann die 28-Jährige ihren ersten WTA-Einzeltitel im schwedischen Bastad, fuhr im August zu den Olympischen Sommerspielen nach Rio de Janeiro und schied dort im Viertelfinale gegen die spätere Olympiasiegerin Monica Puig aus. Bei den US Open in New York gewann die Metzingerin gemeinsam mit dem Kroaten Mate Pavic das Mixed-Turnier. Ihr persönlich, sagt sie, seien zwei dieser Erfolge besonders wichtig: „Die Woche in Stuttgart und mein erster WTA-Titel in Schweden, daran werde ich mich am meisten erinnern.“  Laura Siegemund genießt es, Tennis zu spielen. Das war nicht immer so. 2000 gewann die damals Zwölfjährige in Florida ein wichtiges Nachwuchsturnier – und galt in den Medien gleich als Nachfolgerin von Tenniswunder Steffi Graf. Aber der Druck war zu viel. In der Folge spielte Siegemund bei kleineren Turnieren, scheiterte oft früh. Der Durchbruch blieb aus. Ende 2012 nahm sie dann eine Auszeit vom Profitennis, machte einen Trainerschein und in Hagen ihren Bachelor in Psychologie – Titel ihrer Abschlussarbeit: „Versagen unter Druck.“  Mehr zufällig sei sie danach wieder auf die Profitour „zurückgestolpert“, sagt sie heute. Seitdem geht es steil bergauf. „Ich habe gelernt, die Dinge locker und gelassen zu sehen“, lautet ihre einfache Erklärung. Mit den ersten guten Ergebnissen habe sich auch ihre „Ausgangssituation“ geändert. Sie müsse nun nicht mehr kraftraubende Qualifikationen spielen, um ins Hauptfeld zu gelangen. Ihr Spiel habe sich dabei „automatisch verbessert“ – dank der stärkeren Gegnerinnen: „Wenn du bei den US Open gegen Venus Williams antrittst, dann weißt du, wo der Hammer hängt.“  Sie habe zwar schon vorher auf hohem Level gespielt, sagt die quirlige Ermstälerin, aus der die Sätze in feinstem Dialekt oft nur so heraussprudeln. „Aber ich hatte einfach nicht die Bühnen, um das zu zeigen.“ Die sind ihr nun gewiss, aber sie möchte sich auch Zeit nehmen, ihre Siege zu genießen. „Das hat dieses Jahr gut geklappt.“

Eine der Anerkennungen, die Laura Siegemund widerfuhren, war die Einladung ins Rathaus ihrer Heimatstadt Metzingen am 14. November. Rund 50 Nachwuchscracks des TC Metzingen durften dabei nicht fehlen, sie ergatterten Fotos und Autogramme ihres Idols. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler hatte zur Feierstunde geladen, damit sich die derzeit sicherlich bekannteste Sportlerin Metzingens ins Goldene Buch der Stadt eintragen konnte. „Sie tragen den Namen Metzingen in die ganze Welt hinaus“, würdigte der stolze Oberbürgermeister Dr. Fiedler die berühmte Tochter der Stadt. Glorreich soll es auch 2017 weitergehen.

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