Frauenhandball Abschluss der Pokal-Trilogie

Obwohl es weht tut, wird Tamara Haggerty keine Mühen scheuen, am Kreis nach den Lücken zu suchen. Hinten verteidigt die Holländerin in Metzinger Diensten ähnlich kompromisslos.
Obwohl es weht tut, wird Tamara Haggerty keine Mühen scheuen, am Kreis nach den Lücken zu suchen. Hinten verteidigt die Holländerin in Metzinger Diensten ähnlich kompromisslos. © Foto: Eibner
Metzingen / Wolfgang Seitz 10.01.2019
Im ersten Heimspiel der EHF-Cup-Gruppenphase empfängt die TuS Metzingen am Samstag (20 Uhr) die „Weltauswahl“ aus Siófok (Ungarn).

Ein paar Stunden haben die TusSies geschlafen, am Donnerstagmorgen standen sie schon wieder in der Öschhalle zum Training parat. Das DHB-Pokalspiel vom Mittwoch in Neckarsulm interessierte nur noch am Rande. „Das war für uns sehr wichtig, die Freude über den Einzug ins Final Four war groß“, berichtete Miriam Welser. Auch Trainer André Fuhr streifte noch kurz das Pokal-Viertelfinale, das mit einem 25:19-Sieg für seine Mannschaft endete. „In der zweiten Halbzeit haben wir die nötige Einstellung gefunden. Gut, wenn man an ein paar Schrauben drehen kann, wenn es einmal nicht so läuft“, sagte der Coach. Man habe nach dem Seitenwechsel das Spiel beherrscht – zuvor nicht. Und damit fertig mit dem Pokal.

Seit Donnerstag wird nun fleißig an den EHF-Schrauben gedreht. Dafür braucht man ein ganz feines Händchen, denn mit dem ungarischen Vertreter Siófok KC Hungary wird jene Mannschaft in der Öschhalle vorstellig, die als Top-Favorit auf den Sieg im EHF-Cup gilt.

Das kommt nicht von ungefähr, haben sich die Ungarinnen doch eine Weltauswahl zusammengestellt – mit ganz wenigen Einheimischen. André Fuhr gerät ein bisschen ins Schwärmen, wenn er auf die Ausnahmekönnerinnen blickt, die man am Samstag live sehen kann. Zum Beispiel die Kroatin Andrea Kobetic im linken Rückraum, die Spanierin Mireya Gonzalez Alvarez ist im rechten ihr überragendes Pendant. Mittendrin hat die Französin Estelle Nze Minko die Fäden in der Hand, lauert zudem an vorderster Verteidigungs-Front auf leichte Beute. Die rumänische Nationalspielerin Melinda Anamaria Geiger hat bei der EM ihre Qualitäten unter Beweis gestellt. Joanna Drabik (Polen) ist am Kreis kaum zu fassen und mit Denisa Stefania Dedu (Rumänien) und Silje Margaretha Solberg (Norwegen) verfügt Siófok über ein exzellentes Torhüterinnen-Duo.

Damit ist grob das umrissen, was am Samstag auf die TuS Metzingen wartet. Und was wartet auf Siófok? Es macht an dieser Stelle keinen Sinn, das gesamte Aufgebot der Pink Ladies aufzulisten. Nur so viel: Sechs von ihnen waren bei der EM aktiv. Es ist also sicher auch nicht ganz schlecht, was Metzingen dem überlegen erscheinenden Gast entgegenzusetzen hat.

„Wir sind in der Außenseiterrolle, aber immer in der Lage, Außergewöhnliches zu leisten“, sagt André Fuhr. Und genau das muss man auspacken am Samstag, ein unangenehmer Gegner sein, von Anfang an festbeißen. Siófok ist nämlich nicht unverwundbar, wie die Spiele in der heimischen Liga belegen. Da gab es immer wieder Ausrutscher, ganz besonders, wenn man sich zu sehr in Sicherheit wähnte.

Ob das am Samstag auch der Fall ist? Grund dazu hat Siófok eigentlich nicht. 15 Spiele in Folge hat die TuS Metzingen nun gewonnen, deren Stärke die Ausgeglichenheit ist. In Bensheim war nach Weihnachten Shenia Minevskaja überragend, die vergangenen beiden Spiele konnte man sich auf die Treffsicherheit von Monika Kobylinska verlassen. Die Abwehr steht mit Julia Behnke als Chefin, Linksaußen Dorina Korsos kommt nach ihrer langen Verletzungspause immer besser in Schuss, konnte zuletzt andeuten, warum sie schon als beste Abwehrspielerin der Champions-League ausgezeichnet wurde.

Freilich fehlt mit Delaila Amega eine Spielmacherin und damit, wie Fuhr betont, „Potenzial“. In Neckarsulm sah man schon, dass an Lösungen gearbeitet wird. Aus dem Stand zeigte Maren Weigel gute Regie-Ansätze, Marlene Zapf kann auch Mitte. Patricia Kovacs sieht ihr Trainer als Allrounderin – mit Hauptberuf Spielmacherin. Dass Keeperin Isabell Roch an einem guten Tag jeden Gegner in die Verzweiflung treiben kann, ist ebenfalls bekannt. Und schon hat man doch fast die ganze TuS-Mannschaft erwähnt. Sie freut sich auf einen ganz besonderen Gegner und will gegen ihn ganz besonders gut spielen.

Wo man nicht mithalten kann, sind die Finanzen. Der Geldbeutel der Ungarinnen ist prall gefüllt. So hat man, weil das vom Verband erlaubte Kontingent an ausländischen Spielerinnen überschritten wird, ohne mit der Wimper zu zucken für zwölf Akteurinnen Sondergenehmigungen eingeholt. Kostenpunkt jeweils 15 000 Euro.  Der Stellenwert des Frauenhandballs ist in Ungarn enorm. Was aber an der Sachlage nichts ändert. Die TusSies werden alles in die europäische Waagschale werfen, was aufzutreiben ist.  

Der Gast bringt 70 Fans mit nach Metzingen

Es gibt noch Tickets für das Spiel der TusSies gegen Siófok am Samstag. Stehplätze etliche, Sitzplätze wenige. TuS-Trainer André Fuhr legt das Match den Zuschauern wärmstens ans Herz – und hat seit Donnerstag eine Wette laufen. Sollten seine TusSies ihre Serie auf 20 ungeschlagenen Spiele ausbauen, wird er die Mädels zum Essen ausführen. Ist versprochen – wird bei Fälligkeit eingelöst.
Welche Wetten in Siófok laufen, ist nicht bekannt. Nur, dass die Mannschaft von 70 heißblütigen Fans nach Metzingen begleitet wird. Das dürfte für den treuen Anhang der TusSies aber kein Problem darstellen. wose

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