Im Krankenhaus in Göteborg wurde es am Sonntagabend zur traurigen Gewissheit: TuS-Spielmacherin Delaila Amega hat sich beim 29:27-Sieg zum Auftakt der Gruppenphase im EHF-Pokal in Sävehof den Ringfinger der Wurfhand gebrochen. Ob operiert werden muss, steht noch nicht fest, wie lange sie fehlen wird auch nicht. „Stand heute rechnen wir mit zwei Monaten“, hat TuS-Trainer André Fuhr gestern gesagt.

Wie wird auf den Ausfall der Leistungsträgerin reagiert? Oder besser gefragt: Gibt es überhaupt Optionen? Gibt es nicht. „Wir müssen es mit Bordmitteln lösen“, erklärt der Trainer. Der aktuelle Kader muss den Ausfall kompensieren, externe Hilfe ist mangels Masse ausgeschlossen. „Klar guckt man sich um, wir haben intensiv darüber nachgedacht. Ich habe aber niemand vor Augen, der uns helfen könnte“, sagt Fuhr. Da müsste sehr viel zusammenpassen. Eine Spielerin sollte wechsel-, der jetzige Verein abgabewillig sein – einen Schmerz, den man per Ablösesumme etwas lindern könnte. Dann wäre die Spielerin aber auf keinen Fall für den Europapokal spielberechtigt, da ist die Wechselfrist nämlich abgelaufen. Und da ein Markt für Spielmacherinnen sowieso nicht existent ist, hat sich die Suche schnell erledigt.

Etliche Möglichkeiten

Die „Bordmittel“ kommen also zum Einsatz. Das heißt bei der TuS, dass Sachen intensiviert werden, die man im bisherigen Saisonverlauf schon gesehen hat. Drei Linkshänderinnen stellten da die gegnerischen Abwehrreichen vor unlösbare Aufgaben, zwei Kreisläuferinnen können sich als sehr sperrig erweisen. Marlene Zapf kann Mitte, Shenia Minevskaja auch, Patricia Kovacs sowieso, die in der Zeit, als Amega nach einem Autounfall schon kurzzeitig fehlte, es ganz prima gemacht hat. „Dorina Korsos wird immer besser – und sie kann mehr als Linksaußen“, so André Fuhr vielsagend.

Die Seele des Spiels

Klar ist aber auch, dass der Amega-Ausfall nicht einfach so abgehakt werden kann. „Delaila ist augenblicklich die Seele unseres Spiels“, unterstreicht der Coach. Deshalb gebe es da auch gar nichts zu bagatellisieren. Zumal man im Bereich der Rechtshänderinnen ja schon einen weiteren Ausfall verschmerzen muss. Marija Obradovic fällt mit Kreuzbandriss lange aus, spielt in dieser Saison nicht mehr. Anika Niederwieser muss sich nach einem solchen noch gedulden. könnte im Frühjahr so weit sein.

Es geht aber weiter – und es muss. Am Mittwoch steht nicht nur ein Spiel, sondern ein Saisonziel auf dem Programm. „Wir werden noch enger zusammenrücken. Darauf haben wir uns schon am Sonntag nach dem Spiel eingeschworen. Alle wollen nämlich zum Final Four“, hat André Fuhr verraten. Problem: Die Spielerinnen der Neckarsulmer Sportunion samt Trainer wollen das auch. Im direkten Duell geht es am Mittwoch (19.30 Uhr) um die Fahrkarten nach Stuttgart in die Porsche-Arena.

Vorbereiten auf das Spiel wird sich die TuS ab Dienstagnachmittag, beziehungsweise wurde am Montag in Schweden vor dem Abflug schon ein bisschen gearbeitet. Wobei es mit dem Abflug so eine Sache war. Der Winter in Europa hatte seine eisigen Finger im Spiel. So warteten die TusSies lange auf den Start gen Zürich. „Das ist aber nicht so schlimm, weil wir dort eh ewig Aufenthalt gehabt hätten“, sagte der Trainer, hoffend, dass es mit dem Anschluss gen Stuttgart noch klappen würde. Schlimmer hat es den Manager erwischt. Ferenc Rott wollte via Berlin nach Köln jetten. Fraglich, ob er es noch rechtzeitig zur Tagung der HBF geschafft hat. Mittwochabend hat die pinke Reisegruppe dann wie gesagt einen Termin in der Audistadt. Da sollten dann alle vor Ort sein – zumindest jene, die spielen müssen.