Handball Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

So kennt man ihn noch aus Steinheimer Zeiten: David Wittlinger, seit zwei Jahren für Drittligist VfL Pfullingen erfolgreich im Einsatz, lässt sich nicht stoppen.
So kennt man ihn noch aus Steinheimer Zeiten: David Wittlinger, seit zwei Jahren für Drittligist VfL Pfullingen erfolgreich im Einsatz, lässt sich nicht stoppen. © Foto: Eibner
Steinheim / Thomas Grüninger 22.08.2018
Der Steinheimer David Wittlinger hat sich beim Drittligisten VfL Pfullingen zu einer festen Größe entwickelt – vor allem auch, weil er enorm an seiner Athletik arbeitete.

Als David Wittlinger im Frühsommer 2016 seinen Heimatverein, den damaligen Württembergligisten TV Steinheim, verließ, um beim zwei Klassen höher spielenden VfL Pfullingen anzuheuern, machte er sich nichts vor: „Körperlich fehlt mir sicher einiges. Ich rechne nicht damit, am Anfang mehr als fünf bis zehn Minuten zu spielen“.

Mit dieser Einschätzung lag der 24-Jährige nicht falsch. Obwohl Wittlinger mit zwei Metern Länge von Haus aus viel körperliche Präsenz aufs Spielfeld bringt, musste er hart an sich arbeiten, um die athletischen Anforderungen für die Drittklassigkeit erfüllen zu können. Ein gut ausgearbeiteter Trainingsplan, der einiges abverlangte, half ihm, in puncto Schnelligkeit, Ausdauer und Spritzigkeit tüchtig aufzuholen.

Zugute kam ihm dabei sein persönlicher Ehrgeiz, seine ausgeprägte Willensstärke. Zusätzlich zu vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche während der Saison ging er auch noch ins Fitnesstudio: „Früher ist mir mal gesagt worden, dass ich nicht zu denen gehöre, die es vom Talent her am weitesten bringen. Aber im Handball kann man viel über den Willen machen.“

In der Pfullinger Startphase war er tatsächlich meist nur fünf bis 20 Minuten pro Spiel im Einsatz. Doch das änderte sich bald. Vor allem aufgrund seiner Abwehrstärke entwickelte sich der Rückraumspieler zu einer festen Größe und kam dann im Innenblock der 6:0-Verteidigung durchschnittlich 40 bis 45 Minuten und im Angriff 30 bis 35 Minuten pro Partie zum Zug.

Heimspiele vor 900 Zuschauern

Er sei insgesamt „sehr zufrieden“, wie sich die ersten beiden Jahre beim Drittligisten entwickelt haben, sagt er und spricht von einer „Supererfahrung“. Auch mental war David Wittlinger nach spätestens einem Jahr in neuer Liga und neuer Umgebung angekommen. „In Pfullingen spielen wir bei Heimspielen vor 800 bis 900 Zuschauern. Das ist natürlich eine ganz andere Atmosphäre als ich sie von Steinheim gewohnt war.“

In der Albuch-Gemeinde hat David Wittlinger schon mit vier Jahren Handball gespielt – bei den „Minis“. Das Eigengewächs des TVS entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einem Leistungsträger, war maßgeblich am Aufstieg von der Landesliga in die Württembergliga beteiligt. Und weil er auch dort noch zu den torgefährlichsten Akteuren zählte, war es wenig verwunderlich, dass höherklassige Klubs Interesse an ihm zeigten.

Die Entscheidung, 2016 zum VfL Pfullingen zu wechseln, sei ihm allerdings „extrem schwer“ gefallen, gesteht Wittlinger. Einerseits war da die Chance, sich sportlich weiterzuentwickeln, andererseits aber auch die starke Verbundenheit mit seinem Heimatklub, der ihm nach wie vor sehr am Herzen liegt. „Beim jedem Spiel des TV Steinheim, das ich sehen kann, bin ich als Zuschauer dabei“, sagt er.

Umgekehrt haben auch die Steinheimer ihren „verlorenen Sohn“ nie vergessen. Regelmäßig machen sich Freunde aus der Meteorkrater-Gemeinde ins Echaztal auf und feuern ihn an, wenn er für den VfL auf Torjagd geht. „Neulich waren einige da, die ein Trikot mit der Aufschrift Wittlinger trugen“, freut sich Pfullingens Pressesprecher Sebastian Gerdemann über den Steinheimer Zuspruch in der legendären Kurt-App-Halle, in der auch schon Zweitliga- und Bundesligaspiele übers Parkett gingen.

Seine Eltern seien bei jedem Heimspiel und vielen Auswärtsspielen dabei, auch die Freundin schaut regelmäßig zu, dazu einige Kumpels: Wittlinger fehlt's auch abseits der alten Heimat nicht an Rückendeckung.

Überhaupt beflügele ihn die tolle Atmosphäre, für die die Pfullinger Fans bei Heimspielen regelmäßig sorgen. Anfangs sei er noch nervös gewesen, vor soviel Publikum zu spielen, doch schnell hat er sich die lautstarke Unterstützung zunutze gemacht: „Das treibt mich nach vorne.“ Gegen den alten Nachbarn und Rivalen Neuhausen/Erms gab's vorige Saison sogar zweimal volle Buden. „Vor 1500 Zuschauern zu spielen, das ist natürlich was ganz besonderes“, sagt Wittlinger.

Mit dem Wechsel nach Pfullingen habe er jedenfalls nichts falsch gemacht. Der Verein werde erstklassig geführt, in der Mannschaft habe er inzwischen viele Kumpels.

Dabei scheint es für den jetzt drittklassigen Klub im Kreis Reutlingen ein Abonnement auf Platz elf zu geben. Dreimal hintereinander schlossen die Pfullinger ihre Saison auf diesem Rang ab.

Sensationssieg im Pokal

Auch in der am Samstag beginnenden neuen Runde gehe es zunächst mal um die Sicherung des Klassenerhalts, sagt Wittlinger. Alles andere werde der Saisonverlauf ergeben. Immerhin: Am vergangenen Samstag wurde mit den Eulen Ludwigshafen im DHB-Pokal sensationell ein Bundesligist mit 29:28 aus dem Wettbewerb geworfen.

Längerfristig strebe der VfL den Aufstieg in die 2.Liga an, aber dazu müssten neben den sportlichen auch die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden: „Es ist schon noch einmal ein gewaltiger Unterschied zwischen 3. und 2. Liga“, ist der Steinheimer überzeugt.

Aber wer den Ehrgeiz aufbringt, von der Startrampe Württembergliga aus zwei Klassen erfolgreich zu überspringen, dem ist wohl auch der nächste Schritt noch zuzutrauen...

Wittlingers Nebenjob im Team: zuständig für den Öl-Harz-Pumpen-Dienst

In Handballteams ist es üblich, dass sich Spieler Aufgaben teilen, die allen Akteuren zugute kommen. So gibt es beispielsweise einen Getränkewart oder einen, der für die Musik zuständig ist oder für das Organisieren von Feiern.

Für die beiden letztgenannten Aufgaben war David Wittlinger in Pfullingen bis zur vergangenen Saison verantwortlich. Jetzt hat sein „Job“ gewechselt. Die neue Aufgabe heißt: Öl-Harz-Pumpen-Dienst.

Harz wird benötigt um die die Griffigkeit des Balles zu erhöhen und zu erhalten. Öl brauchen die Spieler, um das Harz nach der Partie wieder von den Händen zu entfernen. Die Pumpe ist logischerweise dafür da, dass den Bällen nicht die Luft ausgeht.

Wittlingers Vertrag beim VfL Pfullingen läuft noch bis Ende der bevorstehenden Saison. Er kann sich gut vorstellen, beim VfL weiterzumachen. Aber in exakt einem Jahr ist auch der Bachelor-Abschluss seines Maschinenbau-Studiums vorgesehen. Erst wenn klar ist, wie und wo es beruflich weitergeht, lasse sich auch die sportliche Zukunft planen.

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