Nattheim 1. Mountainbike-Marathon: 330 Biker gingen an den Start

Nattheim / Nadine Rau 15.07.2018
Die erste Auflage des Rennens lockt 330 Radfahrer nach Nattheim, darunter Topfahrer und Hobbysportler. Markus Westhäuser und Luke Hermle der hiesigen Teams überzeugen.

Gerade einmal knappe 50 Minuten sind vorüber, da kommen drei Radfahrer das erste Mal um die Ecke geschossen: Markus Westhäuser (Bike-o-Rado), Matthias Alberti und Uwe Hardter (Team Texa Simplon). Dann kommt lange nichts.

Die drei Topfahrer haben sich zusammengetan, um sich gegenseitig auf der Strecke zu unterstützen. „Sie geben sich abwechselnd Windschatten, jeder übernimmt einmal die Führungsposition“, erklärt Thomas Lehner mit dem Mikrofon dem Nattheimer Publikum. Lehner ist Teil des Organisationsteams des veranstaltenden Klubs Bike Sport Nattheim und behält beim ersten Härtsfeld-Mountainbike-Marathon alles im Blick.

25 Kilometer hat das Führungstrio also schon geschafft, für Alberti und Hardter stehen weitere 50 an. Westhäuser fährt die Mitteldistanz, hat also nur noch eine Runde vor sich. Die drei fahren so gut wie jedes Wochenende ein Rennen, kennen sich gut und schätzen einander. Viele andere der 330 Radfahrer sind Hobbysportler, für die gerade diese Strecke aber ebenfalls gut machbar ist. „Heiße Duelle liefern sich die Fahrer ganz vorne, viele andere unterhalten sich nebenher und schließen vielleicht Freundschaften“, so Lehner, der damit begründet, warum der Wechsel vom Rennrad zum Mountainbike so gut funktioniert.

Abwechslungsreicher ist es allemal, führt die Strecke schließlich nicht nur über die Straße, sondern durch die Wiesen und Wälder auf dem Härtsfeld. Von Nattheim geht es nach Fleinheim und über Auernheim wieder zurück. Der erste Anstieg ist der zum Wasserturm, am längsten bergauf geht es in Fleinheim auf den Ohrberg hinauf, in Auernheim müssen die Radler zum Trimm-Dich-Pfad noch einmal ordentlich in die Pedale treten. Es gibt ausgeschriebene Stellen, von wo aus die Zuschauer am besten anfeuern können, außerdem um die 100 Schilder, sodass keiner die Strecke verfehlen kann.

„Wir waren am Freitag sechs Stunden auf der Strecke und heute noch einmal vier, um alles vorzubereiten“, so Lehner. Alles müsse zu 1000 Prozent passen. Einziger nicht beeinflussbarer Faktor ist und bleibt das Wetter. Noch am Vormittag hat es über Nattheim ordentlich geregnet, deshalb ist ein Teil der Strecke etwas aufgeweicht. Während des Rennens allerdings zeigt das Thermometer im Dorf bis zu 30 Grad an – besser als Regen, für die Fahrer aber sehr anstrengend.

Massencrash auf der Strecke

Nach knappen 55 Minuten bekommt Lehner am Streckenrand einen Anruf: Die beiden Führenden auf der Kurzdistanz sind im Anflug. Kurz darauf düsen Luke Hermle (Persis Junior Team – Bike Sport Nattheim) und Louis Loschonsky (toMotion Racing by black tusk) über die Ziellinie. Das Rennen gemacht hat Hermle (siehe auch unten), er war genau eine Sekunde schneller. Der 15-Jährige aus Wäschenbeuren hat sich der Verfolgergruppe des Führungstrios angeschlossen, kurz vor Schluss gab es allerdings „einen Massencrash“, so erzählt er. „Da konnte ich mein Fahrrad erst mal suchen.“

Über den Tag verteilt sieht man noch viele Radfahrer mit blutenden Schürfwunden, den Sportlern macht das aber nichts aus. Gerade der lose Kies auf der Strecke ist bei hohem Tempo gefährlich.

30 Kilometer pro Stunde im Schnitt

Apropos hohes Tempo: Westhäuser hat es nach einer Stunde und 39 Minuten ebenfalls ins Ziel geschafft. Er lacht noch, für ihn war das Rennen natürlich keine Herausforderung, sondern mehr „eine Bolzerstrecke“. Der 46-Jährige klickt das Protokoll seines Fahrradtachos durch: Höchstgeschwindigkeit 60 km/h, im Schnitt 30 km/h. Seine beiden Mitstreiter hatten mit dem hohen Tempo zu kämpfen, in Runde drei können sie – jetzt, wo der Vorsprung so groß ist – gemütlich ihr Rennen zu Ende fahren.

Nach gut zweieinhalb Stunden kommt Alberti als Sieger des Marathons durchs Ziel, gefolgt von Uwe Hardter. „Bis wir den Vorsprung hatten, war es ziemlich hart, zum Schluss ist jeder seinen Rhythmus gefahren“, sagt Hardter. Es sei ein Rennen für die breite Masse, das es auch geben müsse. Und so fahren nach und nach, während die ersten unter der Dusche sind oder sich beim Verpflegungsstand stärken, die Mountainbiker ein.

Manche mussten das Rennen abbrechen

Manche mussten das Rennen abbrechen, weil der Reifen platt war, manche haben unterwegs noch aufgepumpt und sind weitergefahren. Für Anja Lehner zum Beispiel (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) war Schluss, Julia Holder (selbes Team) war mit drei Stunden und 13 Minuten die zweitschnellste Frau über die Marathon-Distanz nach Kati Rothe (selbes Team). Lange sind auch diese beiden zusammen gefahren, Holder hat ihre Mitstreiterin gegen Ende ziehen lassen.

Der erste Härtsfeld-Marathon war in jeder Hinsicht ein Erfolg, nicht zuletzt wohl für den Breamahock (mehr dazu auf Seite 23), bedeuten mehr Sportler schließlich auch mehr Publikum, das nach der Siegerehrung auf der Hauptbühne vielleicht länger geblieben ist. „Wir sind sehr dankbar, dass Sportler aus der Region das Rennen so toll angenommen haben“, sagt Lehner.

Der Termin für den nächsten Mountainbike-Marathon steht schon fest

Jahrelang gab es in Nattheim den Straßenpreis, gefahren wurde mit Rennrädern auf der Straße. Die Mountainbikes waren heuer ein erster Versuch. Das Feedback der Fahrer war, so Organisator Thomas Lehner, sehr positiv.

Mit Mountainbikes wird deshalb auch nächstes Jahr gefahren, das haben die Nattheimer Radsportler bereits entscheiden. „Wir sprechen damit einfach die breitere Masse an, jeder Hobby-Radler kann dabei sein“, erklärt Lehner.

Stattfinden wird das Rennen am Samstag, 6. Juli, wie gewohnt im Rahmen des Breamahocks vom 5. bis 7. Juli. Eine Mail an alle der knapp 100 Helfer sei schon versendet, jeder solle sich den Termin freihalten.

Die Helfer haben dieses Mal festgehalten, was man noch verbessern könnte. Die Vorbereitung der Strecke zum Beispiel habe, so Lehner, viele Stunden in Anspruch genommen, mit mehreren Teams könnte man die Zeit verkürzen. Im Oktober dürfen die Helfer aber erst einmal feiern, dann findet ein großes Fest für sie statt.

Aus der Siegerliste

Marathonstrecke (weiblich): 1. Kati Rothe (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 3:11:14, 2. Julia Holder (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 3:13:00, 3. Ulli Ziegler (DAV Geislingen) 3:45:20

Marathonstrecke (männlich): 1. Matthias Alberti (Team Texa Simplon) 2:31:45, 2. Uwe Hardter (Team Texa Simplon) 2:33:32, 3. Johannes Közle (ohne Verein, aus Gerstetten) 2:41:47

Mitteldistanz (weiblich): 1. Katharina Alberti (Team Taxa Simplon) 2:10:06, 2. Nina Krauss (ohne Team) 2:10:56, Cornelia Rieck (Dettingen) 2:41:07

Mitteldistanz (männlich): 1. Markus Westhäuser (Bike-o-Rado Racing Team) 1:39:34, Roman Herrmann (RSC Auto Brosch Kempten) 1:48:13, Paris Mistakidis (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 1:51:21

Kurzstrecke (weiblich): 1. Hanna Schweizer (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 1:08:42, 2. Silke Stocker (team2race.de powered by Aktiv3) 1:13:35, 3. Lisa Rudolf (XC-Crew) 1:13:42

Kurzstrecke (männlich): 1. Luke Hermle (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 0:55:56, 2. Louis Loschonsky (toMotion Racing by black tusk) 0:55:57, 3. Finn Steckenbauer (Persis Racing Team – Bike Sport Nattheim) 0:57:08

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