Herbrechtingen Sportschießen: „Es ist wie Yoga für mich“

Zielen kann Ranja Schneider. Die erfolgreiche Schützin der SG Herbrechtingen tritt deshalb kommendes Wochenende bei der deutschen Meisterschaft in München an.
Zielen kann Ranja Schneider. Die erfolgreiche Schützin der SG Herbrechtingen tritt deshalb kommendes Wochenende bei der deutschen Meisterschaft in München an. © Foto: Christian Thumm
Herbrechtingen / Sandra Gallbronner 30.08.2018
Sie ist 14 Jahre alt und hat schon auf eine Menge Zielscheiben geschossen: Ranja Schneider von der SG Herbrechtingen. Nun möchte es die Landesmeisterin in den Landeskader schaffen.

Ranja Schneider ist die Ruhe selbst. Konzentriert sucht sie sich einen stabilen und bequemen Stand, dreht den Oberkörper nach vorne und nimmt den Arm hoch. Sie fixiert ihr Ziel, atmet noch einmal tief durch und drückt den Auslöser ihrer Pistole. Volltreffer. Der Schuss landet inmitten der Zielscheibe.

Sofort lässt die 14-Jährige den Arm wieder sinken. 1100 Gramm wiegt die Kleinkaliber-Pistole. „Das geht in die Arme“, sagt die Schülerin. Deshalb mache sie regelmäßig Hanteltraining. Zwischendurch müsse auch mal eine Wasserflasche herhalten.

Denn je weniger Kraft die Schützin aufbringen kann, desto mehr wackelt sie. Und das kann schnell einige Punkte kosten. „Ein Millimeter weiter nach rechts mit der Pistole, kann auf der Zielscheibe schon fünf bis sechs Zentimeter ausmachen“, weiß Frank Merbold, Vater und Trainer von Ranja.

Sportschützin auf Titeljagd

Mittlerweile hat Schneider die Sportpistole aber gut im Griff. Das zeigen auch die Titel, die sie allein in diesem Jahr geholt hat: So ist die Schülerin in der Kategorie „Luftpistole“ Kreis- und Bezirksmeisterin geworden. Bei der Landesmeisterschaft erreichte sie den sechste Platz. In der Kategorie „Kleinkaliber“ hingegen punktete sie bei allen Wettkämpfen und darf sich Kreis-, Bezirks-, sowie Landesmeisterin nennen. „Es war krass im Land zu gewinnen. Ich bin zufrieden“, so die junge Sportschützin.

Zwar stand der Heidenheimerin bei der Landesmeisterschaft in Stuttgart nur eine Konkurrentin gegenüber, aber diese ließ sie weit hinter sich. Zudem lag sie mit 503 geschossenen Punkten auf dem Niveau derjenigen Jungs, die es aufs Treppchen geschafft hatten.

Sprüche ihrer männlichen Kollegen wie „Wow, die hat einen 10er geschossen“ hört die 14-Jährige daher immer wieder. Daraufhin erröten und kichern – das ist nicht ihre Art. Vielmehr freut sie sich, wenn ältere Schützen sie auf Wettkämpfen loben: „Das macht mich stolz. Denn das sind Profis mit viel Erfahrung.“ Bereits kommendes Wochenende kann Schneider ihre Treffsicherheit erneut unter Beweis stellen. Dann nimmt sie an der deutschen Meisterschaft in München teil.

Start mit Pfeil und Bogen

Dabei schießt Schneider gerade einmal seit zwei Jahren. Ursprünglich sollten es einmal nur Pfeile sein. Inspiriert wurde die damals 12-Jährige von der Filmfigur Katniss Everdeen aus dem US-amerikanischen Science-Fiction-Film „Die Tribute von Panem“. Wie Katniss wollte auch Schneider Bogenschützin werden.

In den Sommerferien 2016 probierte sie es bei der Schützengesellschaft Heidenheim einfach mal aus. Doch nach dem Schnuppertraining war es nicht der Bogen, der sie faszinierte, sondern das Luftgewehr: „Es ist mal etwas anderes. Das macht nicht jeder“, erklärt Schneider. Und ihr Vater ergänzt: „Das Talent war da. Das hat man schnell gemerkt.“

Viel Kopfarbeit sei das Sportschießen, denn es erfordert höchste Konzentration. Zudem spielt auch die Atmung eine wichtige Rolle, um einen möglichst guten Schuss zu erzielen. Es sei eben nicht so leicht, wie es manchmal aussehen mag, erzählt Schneider.

Schnell ging sie vom Luftgewehr zur Luftpistole über. „Irgendwann hat es mich mehr gereizt“, erinnert sich Schneider. Anfang diesen Jahres wechselte sie dann zur Schützengesellschaft Herbrechtingen, weil es ihr in Heidenheim nicht möglich war, zusätzlich Kleinkaliber zu schießen (siehe Infokasten). „Nur Luftpistole, das wurde mir zu langweilig“, erzählt die 14-Jährige. Auch das Bogenschießen hat die Schülern noch nicht abgeschrieben. „Das mache ich zum Ausgleich.“

Doch in Bezug auf ihr Hobby wird die 14-Jährige vor allem in der Schule oftmals schief angeschaut: „Viele denken, Schießsport ist nur rumballern. Das ist nicht so. Mir geht es um die Ergebnisse. Wenn man etwas getroffen hat, macht das Spaß und es spornt mich an.“

Nun wurde Schneider vom Württembergischen Schützenverband sogar für den Landeskader vorgeschlagen, wo sie in Ruit (Ostfildern) von Profisportlern trainiert werden würde.

Sprungbrett Landeskader?

Nun hofft Schneider, dass sie es in den Landeskader des Württembergischen Schützenverbandes (WSV) schafft, wo sie von Profisportlern trainiert werden würde. Und sie ist sich sicher: „Wenn die deutsche Meisterschaft gut läuft, könnte es klappen.“ Zudem könnte sie dann gemeinsam mit Gleichaltrigen trainieren, denn das fehle ihr in Herbrechtingen durchaus.

Der Landeskader könnte zudem ein Sprungbrett in den deutschen Kader sein. „Ich würde auch gerne einmal an internationalen Wettkämpfen teilnehmen, um zu sehen wie es in anderen Ländern abläuft.“

Bis dahin muss sie noch fleißig trainieren: Drei Mal die Woche übt die Heidenheimerin – meist am Wochenende: „Die ganze Woche hat man Schulzeug im Kopf. Beim Schießen kann ich mich mental erneuern. Es ist wie Yoga für mich.“

Ab welchem Alter dürfen Jugendliche beim Schützenverein schießen?

Gemäß des Waffengesetzes (§ 27 Absatz 3 und 4) ist Jugendlichen ab 12 Jahren das Schießen mit Luftdruckwaffen, ab 14 Jahren mit gewissen Kleinkaliberwaffen, gestattet.

Zusätzlich gelten weitere Voraussetzungen: So bedarf es einer besonders qualifizierten Person, die die jungen Schützen beaufsichtigt. Aus diesem Grund hat Frank Merbold, der Vater von Ranja Schneider, Ende 2017 die Jugendbasislizenz erworben. Damit ist auch berücksichtigt, dass ein Erziehungsberechtigter beim Schießen anwesend sein oder seine Einverständnis geben muss.

Dennoch dürfen Schützenvereine eigene Hausordnungen aufstellen. Von diesem Recht hat auch die SG Heidenheim Gebrauch gemacht, erklärt der Vorsitzende Gerd Schneider: „Wir wollten die Messlatte etwas höher legen.“

Bereits vor einigen Jahren habe der Vereinsvorstand deshalb beschlossen, dass Jugendliche erst ab 16 Jahren das Kleinkaliberschießen zu erlauben. Zwar sei nie etwas vorgefallen, betont Gerd Schneider, dennoch wolle man für eine noch höhere Sicherheit sorgen. sga

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