Prozess Sozanska entschuldigt sich

Erfolgreich in zweiter Instanz: Das Verfahren gegen HSB-Degenfechterin Monika Sozanska wurde vorläufig eingestellt.
Erfolgreich in zweiter Instanz: Das Verfahren gegen HSB-Degenfechterin Monika Sozanska wurde vorläufig eingestellt. © Foto: Archiv/Hubert Gentner
Heidenheim / edgar deibert 24.07.2013
Monika Sozanska, Zehnte bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr, kann die Berufungsverhandlung im Landgericht Ellwangen als Teilerfolg verbuchen. Gegen Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 2200 Euro wurde das Verfahren gegen die HSB-Degenfechterin vorläufig eingestellt.

In erster Instanz ist Monika Sozanska am 21. November 2012 wegen Nötigung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 4200 Euro verurteilt worden. Die HSB-Fechterin habe versucht, mit Hilfe eines anonymen Schreibens (dieses ging unter anderem an Gordon Rapp, Präsident des Deutschen Fechterbundes) den Ruf eines Funktionärs des Württembergischen Fechterbundes (WFV) zu schädigen und auf diese Weise dessen Entlassung zu erwirken.

Zudem habe die 30-Jährige an das Türschild des betroffenen WFV-Funktionärs, der im Heidenheimer Fechtzentrum ein Büro hat, im Juli 2011 das Wort „Perversling“ geschrieben, so die Überzeugung des Amtsgerichts Heidenheim.

Zu einer Verhandlung kam es nicht

Sozanska legte gegen das Urteil Berufung ein, doch zu einer Verhandlung sollte es im Landgericht Ellwangen erst gar nicht kommen. Denn der von Sozanskas Verteidiger geforderte Schriftsachverständige kam zu keinem eindeutigen Ergebnis, entlastete Sozanska aber teilweise.

Dr. Wolfgang Konrad, Sachverständiger für Schrift- und Urkundenuntersuchung, hatte sowohl den Schriftzug „Perversling“, als auch die Schrift auf den Briefumschlägen, in denen das maschinell erstellte anonyme Schreiben verschickt worden war, untersucht. Mit dem Ergebnis: Die Briefumschläge seien nicht von der Angeklagten beschrieben worden. Dagegen sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fechterin das Wort „Perversling“ tatsächlich geschrieben habe.

Aus diesem Grund lotete Richter Jürgen Nagel im Vorfeld die Chance auf eine Verfahrenseinstellung aus und betonte dabei, dass es von Sozanska ein Entgegenkommen erfordere. „Bisher haben Sie auf Freispruch plädiert. Nun sollten Sie darüber nachdenken, von Ihrer bisherigen Verteidigungsstrategie abzurücken“, so Nagel. Der Richter sah es unter anderem für notwendig an, dass Sozanska sich beim Opfer entschuldigt.

Mit Mühe entschuldigt

Nach einer Bedenkzeit nahm die Angeklagte das Angebot an. Während der WFV-Funktionär im Gerichtssaal „lieber stehen“ blieb, brachte Sozanska sitzend mit Mühe den Satz über die Lippen: „Hiermit entschuldige ich mich für den Schriftzug, der auf dem Türschild stand.“ Damit äußerte sich die Heidenheimerin zum ersten Mal zu den gegen sie erhobenen Tatvorwürfen, vorher hatte sie von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Der Funktionär wollte die Entschuldigung jedoch nicht annehmen: „Es gab schon vorher genug Gelegenheiten dazu. Die Entschuldigung kommt nun zu spät.“ Dies spielte in den Augen des vorsitzenden Richters jedoch keine Rolle. Er verhängte gegen Sozanska zudem eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 2200 Euro (gehen in die Staatskasse), die die Fechterin in fünf Raten bis zum Jahresende zu zahlen hat. ImAnschluss daran wird das Verfahren gegen Sozanska endgültig eingestellt.

Zudem gilt bei der Sportsoldatin weiter die Unschuldsvermutung. Sie ist damit nicht vorbestraft und hat auch kein Disziplinarverfahren bei der Bundeswehr zu befürchten.

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