Sontheim/Brenz Sontheimer Schachspieler haben keine Angst vor Großmeistern

Souverän holte sich der SK Sontheim die Verbandsliga-Meisterschaft. Im Bild das erfolgreiche Team mit: (von links) Bernhard Masur, Andreas Klein, Edwin Riefner, Silvio Lindner, Johannes Lemke, Kevin Walter, Mannschaftsführer Sören Pürckhauer, Jochen Wegener, Martin Schauz und Jürgen Ullmann.
Souverän holte sich der SK Sontheim die Verbandsliga-Meisterschaft. Im Bild das erfolgreiche Team mit: (von links) Bernhard Masur, Andreas Klein, Edwin Riefner, Silvio Lindner, Johannes Lemke, Kevin Walter, Mannschaftsführer Sören Pürckhauer, Jochen Wegener, Martin Schauz und Jürgen Ullmann. © Foto: privat
Sontheim/Brenz / Thomas Jentscher 13.04.2018
Der SK Sontheim wird überraschend Verbandsliga-Meister und wagt einen neuen Anlauf in der Oberliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

Zum Abschluss gab's einen freien Tag für die Verbandsliga-Mannschaft des Sontheimer Schachklubs, Gegner Schönaich II trat erst gar nicht mehr an. Die Meisterschaft der Sontheimer und damit der Aufstieg in die Oberliga standen schon vor dem kampflosen 8:0-Sieg fest.

Und dieser Titel ist durchaus sensationell zu nennen. Denn eigentlich galten Spraitbach und eben Schönaich II als große Favoriten. Die Zweitligareserve kam mit ihrer nominellen Mannschaft in der Deutschen Wertungzahl (mit der die Stärke der einzelnen Spieler bemessen wird) auf einen Schnitt von 2319, Spraitbach gar auf 2326. Die Sontheimer weisen im Durchschnitt einen Wertungszahl von 2109 auf.

200 DWZ-Punkte – das ist normalerweise ein Klassenunterschied. Doch diese Werte kommen durch den Einsatz von ausländischen Profis zustande, die immer extra für die Spieltage anreisen. So hatten Spraitbach und Schönaich II jeweils drei Großmeister (siehe Info unten) im Team.

Konkurrenz verzockt sich

Da hier Reisekosten und Antrittsgelder ordentlich zu Buche schlagen, setzen die Vereine diese Spitzenspieler oft nur in den entscheidenden Duellen ein. Und genau bei dieser Taktik haben sich Schönaich und Spraitbach verzockt. Beide erlitten völlig unerwartete Punktverluste, die kurzfristige und nicht sehr sportliche Absage der Schönaicher in der Schlussrunde war wohl auch in erster Linie auf den Frust über den Saisonverlauf zurückzuführen.

Dagegen marschierte Sontheim von Beginn an. Der Auftaktsieg über Böblingen II (ebenfalls eine Zweitligareserve) gab Sicherheit, nach sieben Siegen in Serie schaffte die Mannschaft dann ein 4:4-Unentschieden gegen Spraitbach und machte damit die Meisterschaft klar.

„Eigentlich war Rang drei oder vier das Ziel“, erklärt der SK-Vorsitzende Roland Mayer, „so konnte unser Team mit großer Spielfreude ans Brett gehen und auch manches ausprobieren.“ Diese Einstellung zahlte sich aus, letztlich wurde Sontheim mit 15:1 Mannschafts- und 43,5 Brettpunkten souverän Meister.

Folgende Spieler kamen zum Einsatz: Kevin Walter (4,5 Punkte aus 7 Partien), Edwin Riefner (5/8), Mannschaftsführer Sören Pürckhauer (6/8), Silvio Lindner (3,5/5), Johannes Lemke (5/6), Jürgen Ullmann (4,5/7), Andreas Klein (6/8), Theo Hartmann (2/2), Holger Walliser (1,5/3), Bernhard Masur (0/1), Martin Jaskula (1,5/2), Stefan Wolf (1/2), Martin Schauz (1/1) und Jochen Wegener (2/3).

Den Titel holte formell eigentlich Sontheims zweite Mannschaft, die erste war 2017 nach vier Jahren Zugehörigkeit aus der Oberliga abgestiegen und musste – nachdem zahlreiche Spieler den Verein verlassen haben – abgemeldet werden. Die aktuelle Truppe bleibt nun aber zusammen und nimmt die Herausforderung in der dritthöchsten Spielklasse an. Und diese ist gewaltig. Deutschlands Bundesliga ist klar die stärkste der Welt, bei Meister Baden-Baden spielen beispielweise Weltmeister Magnus Carlsen und sein Herausforderer Fabiano Caruana. Die internationale Klasse wirkt sich natürlich auf die Spielklassen darunter aus.

Oberliga-Meister wurde beispielsweise in diesem Jahr Jedesheim mit einem DWZ-Schnitt von 2339. „Den Klassenerhalt zu schaffen, wird sehr schwer, aber wir versuchen es“, sagt Mayer und hofft noch auf die ein oder andere Verstärkung.

Diese sollen aber nach Möglichkeit von Klubs aus der Nachbarschaft kommen, ein ähnliches Modell mit punktuell eingesetzten Großmeistern lehnen die Sontheimer ab. „Wir wollen Deutschland größter Dorfschachverein bleiben“, sagt der Vorsitzende des 153 Mitglieder zählenden SK Sontheim. Damit stehen die Schachfreunde aus dem unteren Brenztal übrigens an Position 27 in Deutschland.

Auch Sontheims Dritte steigt auf

Gespielt wurde vergangenen Sonntag im „Grauen Schulhaus“ trotzdem, denn in der Bezirksliga trat Sontheims vierte Mannschaft (also eigentlich die dritte) gegen den SC Grunbach III an. Und auch hier durfte gejubelt werden, nachdem der Aufstieg in die Landesliga bereits feststand, holten die Sontheimer mit einem 4,5:3,5-Sieg zudem die Meisterschaft.

Grunbach III spielte noch gegen den Abstieg und kämpfte entsprechend verbissen. Letztlich gewannen aber die Gastgeber durch Siege von Daniel Walter (Brett 2) und Günter Ott (7) sowie Remis von Roland Mayer (1), Nathanael Häußler (3), Igor Frühsorger (4), Günter Nieß (6) und Hans-Jakob Nieß.

So spielt der SK Sontheim in der nächsten Saison nun mit der zweiten und dritten Mannschaft in der Landesliga.

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