Reiten Heidenheimer Reitturnier: Sieger der Herzen war La Cucaracha

Reiten / Elena Kretschmer 11.06.2018
Die zwölfjährige Stute von Stefan Dudik ist auf einem Auge blind. Trotzdem belegten die beiden beim Reitturnier im S**-Springen um den Großen Preis von Heidenheim den zweiten Platz.

Atemlose Stille legte sich wie ein Schleier über die Reitanlage an der Römerstraße, als die letzte Runde des Stechens um den Großen Preis von Heidenheim begann. Allein die eingespielte Musik und Caliskos donnernde Hufe begleiteten Marc Bauhofer beim S**-Springen über den Parcours. Sein Freund und Kollege Stefan Dudik hatte auf La Cucaracha eine fehlerfreie Runde in 47,39 Sekunden vorgelegt. Nun lag es an Bauhofer, dieses Ergebnis zu toppen.

Ein Hindernis nach dem anderen nahm der 34-Jährige vom RFV Bad Saulgau fehlerfrei. Bis zur allerletzten Sekunde blieb es spannend, ein Herzschlagfinale. Und es gelang ihm tatsächlich, die Sprünge noch schneller zu meistern: in 46,42 Sekunden. Als die Zeit feststand, war der Jubel groß – besonders auch bei Barbara und Karlheinz Maier, den Organisatoren des insgesamt viertägigen Reitturniers, denn ihr Schwiegersohn in spe war damit Erster.

Trotz Handicap ganz vorne

Gleichzeitig war aber auch Bedauern spürbar. „Ach schade, ich hätte es dem Stefan so gegönnt“ oder „Das tut mir jetzt Leid für Stefan“ hörte man die Reiterkollegen rund um den Platz sagen. Sie alle bewunderten den Mann von den Pferdesportfreunden Munderkingen, der mit einem Pferd, das auf dem rechten Auge blind ist, bei einem solch anspruchsvollen Springen so weit nach vorne geritten war.

„Dass sie nur ein gutes Auge hat, hemmt dann doch ein bisschen. Da kann man von der Zeit her nicht das Letzte rausholen, weil sie nicht ganz so wendig ist“, resümierte Dudik nach der Entscheidung. Trotzdem sei er mit seinem zweiten Platz mehr als zufrieden, zumal es das erste Mal war, dass ihm diese Platzierung in einem S**-Springen gelang. Noch bemerkenswerter: Dudik hatte sich fürs Stechen qualifiziert, obwohl er im ersten Durchgang kurzzeitig einen Steigbügel verloren hatte. Weil er die Runde aber trotzdem fehlerfrei beenden konnte, war er dabei. „Man muss erstmal ein Pferd haben, das diese Prüfung überhaupt springen kann“, sagte der Reiter stolz.

Auch sein Freund und Kollege Marc Bauhofer fand nur positive Worte für den Zweitplatzierten: „Ich freue mich sehr für ihn und hätte ihm auch den Sieg von Herzen gegönnt.“ Er habe es nicht drauf angelegt, schneller als Dudik zu sein, aber es sei eben so gekommen. Allgemein war es für Bauhofer mit vier gewonnenen Prüfungen ein äußerst erfolgreiches langes Wochenende: „Das ist eine super Bilanz – viel besser, als erwartet.“ Heidenheim sei für ihn ohnehin immer ein Klassiker, den er gerne mitnimmt, nicht zuletzt „weil meine zukünftige Frau hierher gehört“, so Bauhofer.

Enttäuschte Lokalmatadorin

Ganz und gar nicht zufrieden war hingegen Lokalmatadorin Verena Karle-Costa von der Reitsportgemeinschaft Dettinger Alb. „Für mich war es kein erfolgreiches Wochenende“, sagte sie geknickt, nachdem sie im Großen Preis mit Chardonnay auf die Beendigung des Parcours verzichtet hatte. Zwei vierte Plätze in den Springprüfungen Klasse L waren drin, mehr nicht.

„Ich bin einfach noch nicht so in Schuss, das ärgert mich.“ Weil sie im vergangenen Jahr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, sei sie nicht mehr so leistungsfähig gewesen. Danach, Ende September, verzichtete sie dann aufgrund ihrer Schwangerschaft komplett aufs Reiten.

„Mein Ziel ist es, jetzt wieder Fuß zu fassen. Ich bin einfach noch nicht entspannt und konzentriert genug.“ Das übertrage sich natürlich auch aufs Pferd. Ihr Mann, Ricardo Benzinho Karle da Costa, hatte sich im S**-Springen zwar besser geschlagen, erreichte das Stechen aber aufgrund eines Fehlers ebenfalls nicht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel