Herbrechtingen Sandro Jooß: Darum mache ich nicht weiter

Hört am Saisonende als SHB-Trainer auf: Sandro Jooß.
Hört am Saisonende als SHB-Trainer auf: Sandro Jooß. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Edgar Deibert 13.02.2018
Sandro Jooß hört am Saisonende als Trainer des Tabellenzehnten SHB auf. Im Interview erklärt der 34-Jährige seine Beweggründe für diesen Schritt – und was er plant.

Herr Jooß, haben Sie in den letzten Tagen auf Ihr Smartphone geschaut oder ist es aus?

Sandro Jooß: Es war an. Aber nach der Bekanntgabe, dass ich zum Saisonende aufhöre, habe ich sehr viele Nachrichten und Anrufe aus ganz Süddeutschland erhalten. 200 bis 300 Leute wollten wissen: warum, wieso, weshalb. Die letzte Woche war anstrengend.

Das war auch eine ganz schöne Bombe, die Sie da haben platzen lassen?

Die Leute aus dem Verein, die es wissen mussten, waren schon teilinformiert, dass es passieren kann. Wir haben auch schon im Winter darüber gesprochen, wie es weitergeht. Damals habe ich keine hundertprozentige Zusage geben können.

Wie kam es denn zu Ihrem Entschluss?

Der Hauptgrund liegt im privaten Bereich, über den ich nicht öffentlich sprechen möchte. Beruflich wird sich bei mir aber auch wahrscheinlich etwas verändern. Da ist vieles nicht absehbar. Das könnte dann für mich mehr Zeitaufwand unter der Woche bedeuten, beispielsweise für Geschäftsreisen. Da kann ich momentan keine Zusage für eine Württembergligamannschaft geben. Vor allem vor dem Hintergrund, mit welchem Ausmaß ich es bislang gemacht habe.

Das heißt, Sie könnten dann nicht mehr so viel Zeit für den Sport investieren?

Ich kann es momentan nicht garantieren. Es kann sein, dass es trotzdem gehen würde. Aber ich möchte dem Verein die Möglichkeit geben, weiter professionell zu arbeiten. Auf diesem Niveau kann man es sich nicht erlauben, so ein großes Risiko einzugehen. Der Verein soll die Zeit haben, reagieren zu können. Es wird auch nächste Saison mit gutem Handball in Herbrechtingen weitergehen. Auch ohne mich.

Warum haben Sie diese Entscheidung jetzt getroffen?

Der Zeitpunkt war bewusst gewählt, nachdem die extrem wichtigen Vier-Punkte-Spiele gegen Wangen und Bad Saulgau vorbei waren. Jetzt hatten wir spielfrei, bevor wir am Sonntag in Zizishausen spielen, wo wir nichts zu verlieren haben.

Stand Ihr Entschluss somit schon länger fest?

Es waren Gedanken da und diese haben sich seit Januar gefestigt. Dann habe ich für mich den Entschluss getroffen, dass es einfach an der Zeit ist, diesen Schlussstrich nach 19 Jahren zu ziehen.

In dieser Zeit haben Sie mit der SHB viel erreicht, Sie sind im Verein verwurzelt. Wie sehr haben Sie mich sich selbst gerungen, diesen Schritt zu gehen?

Es ist keine Entscheidung, die man über Nacht trifft. Ich habe viele Gespräche geführt. Mit der Familie, Trainerfreunden und ehemaligen Mitspielern, die mich schon lange kennen und wissen, wie ich so ticke. Es war keine einfache, für mich in der Summe aber die richtige Entscheidung, es so zu machen. Und ich würde es so wieder machen.

Welche Reaktionen aus Ihrem Umfeld haben Sie denn auf ihren Entschluss hin erreicht?

Manche haben sich gewundert. Früher habe ich ja noch selbst gespielt, da stand Handball sieben Tage die Woche auf dem Programm. Wegen meines Knies kann ich jetzt nicht mehr spielen, wollte aber auch aufhören. Nun möchte ich für den Moment gar keinen Handball machen. Das ist für viele Menschen unvorstellbar.

Sie nehmen sich eine Auszeit?

Ich werde pausieren und möchte Energie sammeln. Eine Mannschaft werde ich sicherlich wieder trainieren. Aber zu welchem Zeitpunkt das sein wird, kann nicht sagen. In der kommenden Saison eher nicht. Aber in ein bis zwei Jahren zu hundert Prozent.

Wie haben Ihre Spieler reagiert?

Überraschung ist bei so einer Entscheidung mitten in der Saison immer da. Aber für den Mannschaftsrat war es nicht so überraschend. Es war absehbar, dass es passieren kann.

Sie haben sicherlich auch viele Angebote anderer Vereine vorliegen?

Ja, es war jedes Jahr so, dass Vereine Interesse hatten. Es macht für mich aber angesichts der beruflichen Situation keinen Sinn, jetzt etwas Neues zu beginnen.

Wäre es am Ende der vergangenen Saison, nachdem der Klassenerhalt sicher war, nicht besser gewesen den Schlussstrich zu ziehen?

Das ist schwierig zu sagen. Einen idealen Zeitpunkt gibt es glaube ich nicht. Man findet für alles Argumente oder Gegenargumente. Ende der letzten Saison habe ich gedacht, dass die Mannschaft mit gezielten Verstärkungen einen Schritt machen kann. Das hat aus verschiedenen Gründen nicht ganz so geklappt. Die sportliche Entwicklung war aus vielen Gründen nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich glaube, dass der Zeitpunkt gut ist, weil man Zeit hat bis Ende der Saison. Es sind momentan auch noch viele Trainer frei. Und ich möchte den Verein bei der Suche unterstützen.

Was für ein Trainer würde der SHB nach all den Jahren unter Sandro Jooß guttun?

Das ist keine einfache Frage. Man kann verschiedene Wege gehen, in eine ganz andere Richtung. Oder man führt diesen Stil fort. Es gibt Sowohl-als-auch-Kandidaten. Das muss letztlich der Verein entscheiden.

Gibt es denn inzwischen einen Favoriten für Ihre Nachfolge?

Das würde ich nicht sagen. Es gibt drei, vier engere Kandidaten. Die Kontakte sind geknüpft, jetzt muss man die Gespräche abwarten.

Am vergangenen Wochenende war spielfrei, am kommenden Sonntag geht's für die SHB ausgerechnet zum Spitzenreiter Zizishausen. Was glauben Sie, welche Reaktion auf Ihre Ankündigung wird Ihre Mannschaft zeigen?

Letzten Endes geht es ja nicht um meine Person. Als allererstes geht es um den Verein. Die Spieler werden alles rausholen, um in der Württembergliga zu bleiben.

Welchen Ausstand Sie geben hängt vom Saisonausgang ab?

Über das mache ich mir keine Gedanken. Wir haben es in der eigenen Hand, den Klassenerhalt zu sichern. Wir müssen unsere Aufgaben lösen, vor allem die Heimspiele. Und dann bin ich davon überzeugt, dass wir auch dieses Jahr in der Liga bleiben.

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