Nattheim Mountainbikerin Anja Lehner: „Auch Frauen können das schaffen“

Lassen sich nicht von ihren männlichen Mitstreitern einschüchtern: Die Mountainbikerinnen Julia Holder (links) und Anja Lehner. Um Frauen Mut zuzusprechen, bieten sie beim Bike Sport Nattheim regelmäßig Frauentraining an.
Lassen sich nicht von ihren männlichen Mitstreitern einschüchtern: Die Mountainbikerinnen Julia Holder (links) und Anja Lehner. Um Frauen Mut zuzusprechen, bieten sie beim Bike Sport Nattheim regelmäßig Frauentraining an. © Foto: Christian Thumm
Nattheim / Sandra Gallbronner 13.07.2018
Von Kindertagen an preschen Julia Holder und Anja Lehner mit dem Rad über Stock und Stein. Mittlerweile fahren die Mountainbikerinnen erfolgreich beim Bike Sport Nattheim.

Helm auf, aufs Rad schwingen, losfahren – es ist die Flexibilität und Unabhängigkeit, die Mountainbiker an ihrer Sportart schätzen. So auch Julia Holder und Anja Lehner vom Bike Sport Nattheim: „Wir sind unbegrenzt im Raum und können jederzeit und überall fahren“, sagt die 28-jährige Holder.

Denn im Gegensatz zum Rennradfahren, braucht man beim Mountainbiken keine Straßen. Das wäre den beiden Frauen auf Dauer auch zu langweilig. Stattdessen preschen sie „am allerliebsten“ steinige Waldwege hinunter – stets auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick. Es mache viel mehr Spaß in der Natur zu fahren und Lärm, Verkehr und Autos hinter sich zu lassen, erklärt Lehner.

Stürze gehören dazu

Doch auf Wald- und Schotterwegen ist Vorsicht geboten, denn Äste, Wurzeln und Steine können schnell zu Stolperfallen werden. Das mussten die beiden Mountainbikerinnen am eigenen Leib erfahren: „Ich hatte nach einem Sturz schon Steine im Kinn stecken“, erzählt Lehner. Ernsthafte Verletzungen blieben bis jetzt aber aus. „Ein paar Narben nimmt man als Andenken mit“, so Holder. Letztlich lerne man auch gut zu stürzen.

Den Umgang mit dem Rad haben beide Frauen früh gelernt. Mit drei Jahren bekam Lehner ihr erstes Rad. Das war allerdings noch mit Stützrädern ausgestattet. Einen Tag später waren diese weg, wie die Nattheimerin erzählt: „Mein Bruder hatte sie abmontiert.“ Denn auch der zehn Jahre ältere Thomas Lehner ist begeisterter Radfahrer. Mit sechs Jahren fuhr Anja Lehner ihr erstes BMX-Rennen. Gern erinnert sich die 33-Jährige an ihre Wettkämpfe: „Es war immer die ganze Familie dabei.“

Radfahren mit der ganzen Familie

Auch bei ihrer Vereinskollegin Julia Holder war das Radfahren stets ein Familiensport. Nachdem sie mit sieben Jahren das Mountainbiken für sich entdeckt hatte, bestritt sie gemeinsam mit ihrem Bruder Rennen. Zudem sei bei Familienurlauben stets das Rad mit an Bord gewesen.

Beim Bezwingen von unwegsamen Strecken und hunderten Höhenmetern sind die Sportlerinnen mittlerweile sehr erfolgreich. So haben sie es beim Drei-Tages-Etappenrennen im Zillertal vor zwei Wochen aufs Treppchen geschafft. Als Zweier-Team sicherten sie sich bei der Zwölf-Stunden-Europameisterschaft im vergangenen Sommer den ersten Platz. Das Ziel: den Titel verteidigen.

Zunächst steht jedoch der erste Härtsfeld-Mountainbike-Marathon ihres Vereins an. Lehner fährt zwei Runden (50km), Holder drei (75km): „So können wir beide einen Sieg einholen“, erzählen sie.

Vier mal wöchentlich trainieren die Mountainbikerinnen. Daneben betreuen sie das Kinder- und Jugendtraining, Trainingslager und Ausfahrten. Im Kreis Heidenheim fahren sie gern auf dem Hochberg. „Manchmal ist es schwer schöne Strecken zu finden“, so Holder. Schuld ist die 2-Meter-Regel, die das Fahrradfahren auf Waldwegen unter zwei Meter Breite untersagt. Sinnvoll finden die Sportlerinnen die Regel nicht: „Wandern ist dort ja auch erlaubt und wenn man aufeinander achtet, gibt es doch kein Problem.“

Dabei ist das Radfahren für die Sportlerinnen mehr als eine Freizeitbeschäftigung. „Ich verbinde es oft mit Erledigungen“, erzählt Holder und Lehner ergänzt: „Ich hatte kürzlich eine Fortbildung in Langenau, zu der ich mit dem Rad gefahren bin.“ Der Vorteil dieser Tour: Sie hat kaum Höhenmeter.

Bis zu 35 Prozent Steigung

So gemütlich geht es bei Rennen nicht zu. Streckenabschnitte mit bis zu 35 Prozent Steigung mussten die Sportlerinnen bereits bezwingen. „In solchen Momenten fragt man sich manchmal: Warum mache ich das?“, gibt Lehner zu.

Doch nach jeder Steigung folgt auch wieder ein Gefälle – und dabei kann es ordentlich zur Sache gehen: 87 Stundenkilometer erreichten die Frauen auf einem Streckenabschnitt beim Rennen im Zillertal. Wie das geht? „Die Straße war frei und breit, wir hatten gute Sicht“, erklärt Lehner. Zu guter letzt konnten die Sportlerinnen im Windschatten einiger Männer fahren. „Manchmal wird man von den Männern unterschätzt, wenn sie aber merken, dass man gut dabei ist, helfen sie einem auch.“ Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. „Es gibt auch Männer, die lieber hinter uns im Windschatten bleiben“, weiß Lehner.

Frauen Mut zusprechen

Was Holder und Lehner sich für die Zukunft wünschen? Dass sich die Mountainbikerinnen mehr zutrauen. Deshalb bieten sie regelmäßig Frauentraining beim Bike Sport Nattheim an. „Die Frauen sind dann entspannter, denn Männer weisen einen gern zurecht.“

Das Angebot werde gut besucht, so Holder: „Klar, Mountainbiken ist kraftmäßig anstrengend, aber auch Frauen können das schaffen.“ Anja Lehner und Julia Holder sind das beste Beispiel dafür.

Rennen in Nattheim

Der Startschuss für den ersten Härtsfeld-Marathon fällt am heutigen Samstag um 15 Uhr. Die Strecke rund um Nattheim hat eine Länge von 25 Kilometern. Es können bis zu drei Runden gefahren werden. Um 15.05 und 15.20 Uhr startet das Fette-Reifen-Rennen für Kinder. Nachmeldungen sind bis 13.30 Uhr in der Nattheimer Gemeindehalle möglich.

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