Heidenheim Die weltbesten Fechter kommen wieder nach Heidenheim

Heidenheim / Mathias Ostertag 04.01.2019
In der kommenden Woche richtet der HSB von Donnerstag bis Sonntag die Heidenheimer Fechtertage aus. Dabei misst sich erneut die Weltelite auf dem Schlossberg.

Einen festen Platz im städtischen Terminkalender haben die Heidenheimer Fechtertage schon seit Jahrzehnten. Im Vorfeld des 66.Heidenheimer Herrendegen-Weltcups erklären HSB-Geschäftsführer Edgar Klaiber und der Leiter des Fechtzentrums Heidenheim, Thomas Zimmermann, worauf es bei der Vorbereitung ankommt und was neu in diesem Jahr ist.

Herr Klaiber, für Sie sind es ja die ersten vier Tage Degenfechten nonstop...

Edgar Klaiber: Das stimmt, für mich ist es als neuer HSB-Geschäftsführer quasi eine Premiere, die Fechtertage auf die Beine zu stellen, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass es im vergangenen Jahr eine besondere Herausforderung war, die Veranstaltung nach dem Tod meines geschätzten Vorgängers Jochen Kassel trotzdem zu stemmen. Es fand ja quasi keine Übergabe statt.

Was muss vorab alles erledigt werden?

Klaiber: Eine ganze Menge. Ein viertägiges Event für Spitzensportler organisiert man nicht mal einfach so. Das tolle war und ist aber, dass es um mich herum so viel Know-how gibt, dass jeder weiß was er zu tun hat. In diesem Jahr jährt sich der Heidenheimer Pokal zum 66. Mal – da greift nahezu jedes Rädchen in das andere. Außerdem haben wir bestimmte Aufgaben innerhalb des Fechtzentrums nochmal spezifisch auf mehrere Schultern verteilt: Thomas Zimmermann kümmert sich um die sportlichen Belange, Jannis Blank verantwortet den Fuhrpark, Lis Rottler-Fautsch macht die Öffentlichkeitsarbeit und Susanne Giebel ist für das Gästemanagement zuständig.

Wann beginnt denn die heiße Phase in der Vorbereitung der Fechtertage?

Klaiber: Wie sagt man so schön im Fußball: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Im Prinzip schon unmittelbar nach dem Ende der vorherigen Veranstaltung. Denn dann müssen gleich wieder die Kapazitäten geblockt, das Congress-Centrum für verschiedene Tage vorgemerkt werden, die Hotelkontingente, mit dem Weltfechtverband (FIE) der Termin abgestimmt werden. Bis Mai bekommen wir dann Bescheid, ob es mit dem vorgesehenen Weltcup im Januar wieder klappt – und wenn der fix ist, können wir konkreter planen.

Jetzt liegt der Termin dieses Mal außergewöhnlich früh, nochmal zwei Wochen eher als bisher? Wie kam denn das zustande?

Klaiber: Da haben wir jetzt nicht so viel mitzureden. Den gibt der internationale Fechtverband vor. Für uns hieß das vor allem, dass 90 Prozent der Dinge, die zu erledigen sind, bereits vor Weihnachten abgeschlossen sein mussten. Entsprechend musste alles schon so gut es geht im Vorfeld geklärt sein. Ein späterer Termin wäre für uns natürlich entspannter gewesen, aber ich denke, der diesjährige Termin von 10. bis 13. Januar, so unmittelbar nach dem Ende der Weihnachtsferien, könnte für die Besucher durchaus interessant sein.

Und die letzten Tage vor den Fechtertagen?

Klaiber: Da laufen hier im Fechtzentrum sprichwörtlich die Drähte heiß. Da geht es schlicht um die Feinabstimmung, jeder weiß, was er zu tun hat. Der Fokus liegt dann auf dem Aufbau im Congress-Centrum, die 30 bis 40 Helfer sind dann voll eingespannt. Auch solche Dinge wie das Busshuttle: ab dem 3.Januar kommen die ersten Fechter peu-a-peu am Flughafen an, aus Japan, Venezuela, Argentinien usw. Dann fahren wir praktisch pausenlos nach Stuttgart, München, Frankfurt und Nürnberg. Und wenn sie früher anreisen, wollen die Fechter hier natürlich auch trainieren. Also müssen wir dafür sorgen, dass sie die Trainingsmöglichkeiten im Fechtzentrum bekommen, die wir anderswo auch voraussetzen.

Zum Sportlichen. Herr Zimmermann, von den Heidenheimer Fechtern können allein Stephan Rein und Niklas Multerer mit der Weltklasse mithalten. Was ist von den beiden heuer zu erwarten?

Zimmermann: Es geht für die beiden, wie für alle anderen Teilnehmer auch, schon um die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Jeder hat das Ziel bei Olympia dabei zu sein und Heidenheim ist perfekt dafür geeignet, sich zu präsentieren und auf der Weltrangliste nach vorne zu fechten. Stephan Rein und Niklas Multerer haben beim Heidenheimer Pokal als Ziel die 64er-Direktausscheidung am zweiten Tag zu erreichen. Und dann entscheidet vor allem die Tagesform, hier können Kleinigkeiten im Gefecht ausschlaggebend sein.

Gibt es denn in sportlicher Hinsicht irgendwelche Änderungen?

Zimmermann: Ja, der Weltverband hat Anfang Dezember in Paris die Passivitätsregel total geändert, die ab 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. Grundsätzlich soll der Fechtsport durch aktives Kampfverhalten die Zuschauer begeistern. Stehen nun beide Fechter mehr oder weniger passiv gegenüber, weil sie sich in der Verteidigung sicherer fühlen, können nun beide Fechter oder nur ein Fechter bestraft werden.

Neuer Teilnehmerrekord bei den Fechtertagen 2019

Am Donnerstagabend waren bereits 330 Degenfechter für den Einzel-Weltcup gemeldet - das sind mehr als je zuvor. Aus Heidenheim sind Niklas Multerer und Stephan Rein dabei. Die Anmeldefrist läuft noch bis Montag, 7. Januar, um 24 Uhr. Auch beim Nationen-Weltcup wurde ein Rekord aufgestellt: Am Donnerstag waren 36 Nationalmannschaften gemeldet. Der Europacup, bei dem einzelne Vereinen gegeneinander fechten, wird zwischen bisher 14 Teams entschieden.

Jede Nation kann 12 Teilnehmer zu einem Weltcup schicken. Wer tatsächlich dabei ist, entscheiden die Auswahlverfahren der einzelnen Länder. Außerdem hängt es davon ab, wie vielen Sportlern einer Nation die Anreise und der Aufenthalt in Heidenheim ermöglicht wird. Insgesamt gibt es jährlich acht Weltcups und Grand Prixs im Degenfechten weltweit. Die Weltrangliste ergibt sich aus den Platzierungen bei den Terminen.

Das Limit in Heidenheim wären 352 Fechter. Falls es für die Heidenheimer Fechtertage mehr Anmeldungen gibt, muss in das Fechtzentrum auf dem Galgenberg ausgewichen werden, oder es müssen neue Bahnen gelegt werden. Geplant ist, dass die Wettkämpfe wie jedes Jahr im Congress Centrum und in der Tennishalle nebenan stattfinden. Thomas Zimmermann ist zuversichtlich, dass das Turnier auch in Zukunft wachsen kann.

Die Vorbereitung für die Fechtertage beginnt bereits ein Jahr vorher. Das Congress Centrum muss gemietet werden, mit dem Tennisclub wird verhandelt, die Geräte und Bahnen werden bestellt, kurz vor Turnierbeginn müssen die Sportler von den Flughäfen abgeholt werden und ab Mittwoch wird schließlich alles auf dem Schlossberg aufgebaut. 20 Leute sind dabei im Einsatz und reisen zum Helfen teilweise extra an.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel