Lahr/Giengen Olympia 2020 ist für Sebastian Halenke wohl keine Option

Im Wettkampf eher in der Kletterhalle unterwegs, doch im Training durchaus auch mal am Fels: Sebastian Halenke ist zwar einer der weltbesten Lead-Kletterer, doch der für die olympischen Spiele geschaffene „Olympic Combined“-Wettbewerb reizt ihn nicht.
Im Wettkampf eher in der Kletterhalle unterwegs, doch im Training durchaus auch mal am Fels: Sebastian Halenke ist zwar einer der weltbesten Lead-Kletterer, doch der für die olympischen Spiele geschaffene „Olympic Combined“-Wettbewerb reizt ihn nicht. © Foto: Privat
Lahr/Giengen / Von Mathias Ostertag 05.07.2018
Der ehemalige Giengener Sebastian Halenke lebt seit zwei Jahren im badischen Lahr - und hätte sogar die Chance auf eine Teilnahme in Tokio. Doch die Art des Wettbewerbs reizt ihn nicht.

Einmal im Leben bei den Olympischen Spielen dabei zu sein – für viele Leistungssportler gibt es praktisch kein größeres Ziel. Sieht man mal von Profifußballern ab, für die eine Fußball-Weltmeisterschaft einen noch größeren Stellenwert hat, arbeiten viele Athleten Jahre darauf hin, bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion einzulaufen.

Auch für den Lead-Kletterer Sebastian Halenke, der vor knapp zwei Jahren von Giengen ins badische Lahr übersiedelte, ist die Teilnahme an den nächsten Sommerspielen im japanischen Tokio durchaus realistisch – wenn da nicht der neu geschaffene Wettkampfmodus wäre, mit dem sich der 23-Jährige nicht anfreunden kann. „Ich persönlich halte den Modus für nicht besonders gut. Und das geht vielen in der Szene so“, so Halenke. Es sei aberwitzig, eine Kombination aus drei Disziplinen bewerten zu lassen. Und der Sieger ist derjenige, der alles zumindest teilweise beherrscht.

Denn: jede der drei Kletterdisziplinen Lead, Bouldern und Speed hat ihre Spezialisten – aber kein Athlet beherrsche alles perfekt, so Halenke. „Das ist, wie wenn ein 100-Meter-Sprinter im Anschluss die Mittelstrecke läuft und am Ende folgt der Marathon“, zieht Halenke bewusst einen überspitzten Vergleich. „Sportlich gesehen ist die Art des Wettkampfes abwegig.“ Aus medialer Sicht werde man vermutlich einige Leute mehr begeistern können. „Viele haben die vage Hoffnung, dass der Dreikampf so gut ankommt, dass Sportklettern olympisch bleibt und wir bei folgenden Olympischen Spielen in den Einzeldisziplinen antreten können.“ Eine Teilnahme Halenkes 2020 in Tokio? Wohl eher nicht.

Auch Adam Ondra, einer der größten Konkurrenten Halenkes im Weltcup-Zirkus der Lead-Kletterer sieht das Format kritisch. Anders als Halenke hat der Tscheche aber angekündigt, in Tokio starten zu wollen: „Die Speed-Spezialisten werden keine Chance beim Bouldern und im Lead haben. Das heißt, ins Finale kommen Leadkletterer und Boulderer, die im Speed keine gute Figur machen“, so Ondra gegenüber dem Fachportal „Klettern.de“.

Sebastian Halenke könnte sich als Lead-Spezialist mit dem Bouldern durchaus anfreunden, keinen Sinn macht für ihn aber eine Teilnahme im Speed. „Das ist quasi ein Sprint in der Vertikalen – dafür wird ein ganz anderer Klettertyp verlangt.“ Er sieht auch die Gefahr, dass durch die Änderung des Wettkampfmodus die Einzeldisziplinen auf lange Sicht an Wert verlieren und somit die sportliche Qualität leidet. „Ich weiß, dass das nicht alle so sehen, aber dann verzichte ich lieber auf Olympia und versuche, im Lead noch stärker zu werden.“

Denn zur absoluten Weltspitze in der „Königsdisziplin“ des Sportkletterns gehört Halenke schon seit geraumer Zeit. Noch im November 2016, also kurz nach seinem Fortzug aus Giengen, gewann er erstmals einen Weltcup bei den Herren – im slowenischen Kranj. Schon zuvor hatte sich der 23-Jährige immer mindestens einen Platz unter den ersten sechs erkämpft – bis hin zur Krönung in Kranj. In der vergangenen Saison fiel Halenke dann in ein mentales Loch, bei seinem einzigen Weltcupstart im Juli 2017 im französischen Briancon kletterte er zwar nochmal ins Finale, holte aber nur noch einen Rang acht. „Danach begann die Abwärtsspirale“, sagt Halenke rückblickend.

Wettkampfpause seit September

Vor allem seit September vergangenen Jahres hatte er mit psychischen Probleme und leichten Depressionen zu kämpfen, sodass er sogar die Weltcup-Saison abbrach und auf weitere Wettkämpfe verzichtete. „Ich habe professionelle Hilfe in Anspruch genommen, um da wieder herauszukommen“, sagt er. Auch in diesem Jahr ließ er es zunächst etwas langsamer angehen, trainierte für seine Verhältnisse nur selten, um nun allmählich die Vorbereitung auf die diesjährige Weltcupsaison anzugehen. Sieben Weltcups stehen auf dem Programm, dazu kommt die Weltmeisterschaft vom 6. bis 16 September in Innsbruck. „Ich werde nicht überall mitklettern, ich will mich nicht gleich mental überfordern“, sagt er.

Deshalb lässt er auch den Weltcup-Auftakt an diesem Wochenende (6./7. Juli) in Villars in der Schweiz aus. Spätestens zu den Frankreich-Weltcups Nummer zwei (11. bis 13. Juli, Chamonix) und drei (20. bis 22. Juli, Briancon) will er aber wieder einsatzfähig sein. Halenke: „Dann wird man sehen, zu was es reicht.“

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