Heidenheim Mit dem Auto von Frankreich nach Jordanien

Heidenheim / Sandra Gallbronner 22.08.2018
Gemeinsam mit fünf Freunden fuhr der Heidenheimer Jakob Jung bei der „Europa-Orient-Rallye“ von Straßburg nach Amman. Knapp 7000 Kilometer ohne Navi, aber mit einer Menge Spaß.

Mitten in der Wüste Jordaniens passierte es: Jakob Jung und seine fünf Freunde hatten die Orientierung verloren. Das Ziel war bekannt. Doch den Weg konnten die sechs Teilnehmer der Europa-Orient-Rallye nicht ausfindig machen. Ein Navi durften sie nicht verwenden. Die Karte half auch nicht weiter. Jede Abzweigung der Straße führte die sechs Deutschen zu einem Militärgelände. Jedes Mal wurden sie mit den Worten „Hier kommst du nicht durch“ abgewiesen. Dann brach die Dunkelheit ein. Frust machte sich breit.

Morgens um drei Uhr dann der Lichtblick: Ein Kommandant der Nationalgarde zeigte Erbarmen und lud die Rallye-Teilnehmer auf einen Tee ein. „Das war eine tolle Erfahrung“, erzählt Jung. Nur so recht weiterhelfen konnte der Jordanier den Deutschen nicht. Neuer Versuch – diesmal fuhr die Gruppe querfeldein. Und siehe da: Der Plan ging auf. Völlig geplättet erreichten sie in den frühen Morgenstunden den Treffpunkt der Rallye-Teilnehmer – ein Beduinenzelt in der Wüste.

6 Verrückte, 3 Autos, 1 Ziel

Insgesamt 23 Tage war der 27-Jährige Jung aus Heidenheim mit seinen Freunden Alexander und Stefan Merk, Torben Heyen, Andreas Joltea und Maximilian Böhm – alias die „Wandering Otters“ – in drei alten Autos unterwegs. Los ging die „Europa-Orient-Rallye“ in der französischen Kleinstadt Bischwiller bei Straßburg. Etwa 6600 Kilometer mussten die Teilnehmer zurücklegen, um am Ziel, der jordanischen Hauptstadt Amman, anzukommen.

Mit 30 weiteren Teams trat die Gruppe um Jung an. 11 Länder durchquerten sie. Die Bedingungen der Rallye-Veranstalter: keine GPS-Hilfsmittel, keine Autobahnen. Das wirkte sich aufs Tempo aus: „Bis nach Istanbul sind wir im Schnitt 50 km/h gefahren“, so Jung.

Dabei nahmen es die Sechs mit dem Zeitplan relativ locker – frei nach dem Motto: Lieber einmal zu viel, als zu wenig anhalten. Schließlich wollte die Gruppe ihre Reise nicht nur im Auto verbringen, sondern auch Länder und Kulturen kennenlernen. „Da waren coole Stops dabei. Beispielsweise an einer Landzunge am Schwarzen Meer. Und wenn gerade in der Nähe ein See lag, sind wir dort auch mal vorbeigefahren“, so Jung.

In der freien Natur geschlafen

Geschlafen wurde zunächst im Auto, ab Istanbul auf einer Matratze im Freien. „Das war viel schöner“, sagt Jung. Die schönste Nacht hätte die Gruppe in Kappadokien, einer Landschaft in Zentralanatolien in der Türkei, und dem weltweit größten Fluggebiet für Heißluftballons, verbracht. Dort schlugen sie ihr Lager in einem Nationalpark auf, der sich durch seine weich geschwungenen Felsformationen auszeichnet. Bei Tagesanbruch bot sich dann ein eindrucksvolles Bild: Der Himmel war übersät mit bunten Ballons, die über die Täler und Schluchten hinwegflogen.

Doch die Rallye-Teilnehmer mussten auch Aufgaben erledigen, mit denen es Punkte zu sammeln galt. Der Hauptpreis: ein Kamel, das gespendet wurde. Dafür mussten sie unter anderem in Çanakkale, im Westen der Türkei, ein trojanisches Pferd bauen und zwar aus Dingen, die ihnen vor die Füße kamen. „Wir haben von bulgarischen Autotunern Europaletten bekommen“, beschreibt Jung die Vorgehensweise seiner Gruppe. Am Ende steckten sie einen Plüschotter in ihr Pferd. Sieger sind sie dennoch nicht geworden. Mit einem feuerspeiendem Pferd konnte ihres dann doch nicht mithalten.

Begegnung mit Uri Geller

Bei einer anderen Aufgabe legten die Rallye-Teilnehmer gemeinsam mit einer Künstlerin ein Mosaik aus Kronkorken in Tel Aviv in Israel. Allein 8000 haben die „Wandering Otters“ dafür im Vorfeld sammeln müssen. Und sie begegneten Uri Geller. Der israelische Mentalist ließ allerdings keine Löffel verbiegen, sondern wechselte die Farben von Kronkorken. Jung jedenfalls war beeindruckt.

Ein Höhepunkt war für den Heidenheimer ein Fußballspiel im Nationalkaderstützpunkt nahe Istanbul, wo er gemeinsam mit einigen Rallye-Teilnehmern gegen Einheimische spielte. Alle anderen Rallye-Fahrer – immerhin um die 160 Menschen – heizten derweil das Stadion ein. Grund zum Jubeln gab es auch nach dem Spiel, das man mit 4:2 für sich entschied.

Und bekanntermaßen kommt nach der Arbeit das Vergnügen, wie Jung bestätigt: „Wir haben uns durch die verschiedenen Bierkulturen gekämpft.“ Da passte es ganz gut, dass in Jerusalem gerade ein internationales Bierfest gefeiert wurde.

Froh über jeder Panne

Doch zur Reise hinzu kam, was kommen musste: Pannen. Die erste erwischte die Truppe in Bulgarien. Die Handbremse gab den Geist auf. Doch auf sich allein waren die jungen Männer nicht gestellt, erklärt Jung: „Etwa 20 bulgarische Dorftuner leisteten uns Erste Hilfe.“ So wurde die Handbremse kurzerhand ausgebaut. Die Fahrt konnte weitergehen.

Verärgert war Jung über die ungewollten Stopps nicht. Im Gegenteil: „Ich war froh über die Pannen. So sind wir immer wieder in Kontakt zu Einheimischen getreten und das war jedes Mal klasse.“

Nach 23 Tagen erreichten die sechs Deutschen Amman. Das Kamel haben sie zwar nicht gewonnen, aber darauf kam es der Gruppe auch gar nicht an. Vielmehr stand der Spaß im Vordergrund. Und so fällt Jungs Fazit durchaus positiv aus: „Wir wurden in allen Ländern mit offenen Armen empfangen und konnten von jedem Land einen kleinen Eindruck gewinnen. Es war richtig cool.“

Rallye für den guten Zweck

Dennoch: Die Armut in vielen Regionen ging nicht spurlos an dem jungen Mann vorbei: „Man hatte manchmal schon ein beklemmendes Gefühl.“ Am Ende der Reise waren die Auto bis auf wenige Habseligkeiten leer. Der Rest wurde an Einheimische verschenkt.

Zu guter Letzt blieb noch der Abschied von den Autos: „Der war hart“, gibt Jung zu. Er habe sich in das Auto – einen 3er-BMW für 600 Euro – verguckt. Der Erlös der Autos kommt dem SOS-Kinderdorf in Amman zugute.

Auch wenn sich die Reise für Jakob Jung gelohnt hat, nochmal würde er sie nicht antreten. „Ich könnte mir aber eine Rallye durch die Mongolei oder Westafrika vorstellen – vielleicht nicht gleich nächstes Jahr, aber irgendwann bestimmt.“

Eine Reise, die ist lustig, eine Reise, die ist schön

Durch 11 Länder fuhren die Teilnehmer der Europa-Orient-Rallye: Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Türkei, Israel und Jordanien.

Seit 2006 gibt es die Rallye bereits – bis 2017 unter dem Namen „Allgäu-Orient-Rallye“. Da der Start in diesem Jahr nach Frankreich verlegt worden ist, wurde die Tour in „Europa-Orient-Rallye“ umbenannt.

Politische Unruhen führen immer wieder dazu, dass die Strecke geändert werden muss. Um Syrien zu umgehen, flogen die Rallye-Teilnehmer deshalb vom Süden der Türkei in den Osten Israels.

Abenteuerlustige aus dem Kreis Heidenheim wagen die Spaß-Tour immer wieder. So nahm 2006 eine Gruppe von sechs Heidenheimern teil. 2013 startete ein Team aus Sontheim. sga

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