Nattheim / Thomas Jentscher Der aus Nattheim stammende Lars Mack stieg bei der Weltmeisterschaft in Murmansk (Russland) bei 0 Grad ins Wasser, holte dabei einen Titel und zweimal Silber.

Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt kommt normalerweise niemand auf die Idee, auch nur für Sekunden ins Wasser zu gehen. Doch es gibt besonders unerschrockene Schwimmer, die bei diesen Bedingungen sogar Titelkämpfe austragen. Einer von ihnen ist der aus Nattheim stammende Lars Mack, der kürzlich bei der Weltmeisterschaft im russischen Murmansk den Gefrierschock locker wegsteckte und auf einer Strecke sogar den Titel in seiner Altersklasse holte.

Bei der SSG Heidenheim aktiv

Der 44-Jährige lebt mittlerweile in München, ist aber im Herzen Nattheimer geblieben und verbringt immer wieder Zeit in seinem Elternhaus auf dem Kirchberg. Schon als Kind war Mack bei der TSG Nattheim sportlich aktiv, wechselte dann in die Leistungsgruppe der Schwimmstartgemeinschaft Heidenheim, erhielt dort seine weitere schwimmerische Ausbildung von dem bekannten Trainer Georg Wozniak.

Auch für die Wasserballer des SV 04 Heidenheim war Mack einige Zeit aktiv. „Das Schwimmen begleitet mich weiterhin und ist immer ein perfekter Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag“, sagt der frühere Metzger (im Betrieb seines Vaters Herbert Mack) und Marinesoldat, der seit 2003 als Polizeibeamter in München tätig ist.

Seit zwei Jahren im Eiswasser

Den ersten Kontakt mit dem Eisschwimmen hatte Mack 2017 bei einem Wettkampf in Burghausen, auf die Idee hatte ihn eine befreundete Schwimmerin gebracht. Zuvor war er noch nie in so kaltem Wasser geschwommen, steckte die 50 Meter aber gut weg. „Wenn man gesund und frei im Kopf ist, ist das eigentlich kein Problem“, berichtet Mack. Längere Strecken erfordern dann aber gründliche Vorbereitung.

Bei Mack entwickelte sich schnell eine heiße Liebe zum kalten Sport: „Es ist schon eine besondere Herausforderung für Körper und Geist, umso größer sind aber danach die Glücksgefühle.“ Außerdem seien die Eisschwimmer weltweit wie eine große Familie. Die Athleten sind übrigens nicht viel langsamer als wenn sie im Sportbecken ihre Runden ziehen, nur durch den Wegfall des Startsprungs und das Verbot der Rollwende entstehen deutliche Zeitunterschiede. Je kälter das Wasser ist, desto schwieriger wird’s allerdings, dabei spürt man jedes zehntel Grad.

Sieg bei der DM

Vorsicht ist beim Eisschwimmen sicher angesagt. Auch Mack hat schon einige Male erlebt, dass Starter aus dem Wasser geholt werden mussten, aber passiert ist dabei nie etwas. Er selbst hat keinerlei Probleme. „Anfangs hatte ich auf den ersten Metern schon etwas Schnappatmung, aber inzwischen nicht mehr“, sagt Mack, der im Januar bei der deutschen Meisterschaft in Veitsbronn bei Nürnberg an den Start ging. Im 1,7 Grad kalten Wasser zeigte er eine Topleistung, gewann in seiner Altersklasse über 1000 Meter Freistil und meldete sich daraufhin für die Weltmeisterschaft in Murmansk in Russland an.

Was dort abging, war noch einmal eine ganz andere Dimension des Eisschwimmens. Der Wettkampf fand auf dem See Semyonovskoye statt, der von einer eineinhalb Meter dicken Eisschicht bedeckt war. Mit Motorsägen wurde eine Fläche freigelegt und ein Schwimmbecken mit zehn 25-Meter-Bahnen installiert.

Für Mack lief es in Murmansk glänzend. Über 100 Meter Brust gewann er sogar seine Altersklasse und belegte Platz sechs im Gesamtklassement. Dazu kamen Silbermedaillen über 50 Meter Freistil (Platz 10 im Gesamtklassement) und 50 Meter Brust (Platz 5 im Gesamtklassement).

Bestzeit bei 0 Grad

In der Königsdisziplin, den 1000 Metern Freistil, schwamm der Nattheimer mit 16:54 Minuten eine neue persönliche Bestzeit „Und das bei einer Wassertemperatur, in welcher ich bislang selbst noch nicht geschwommen bin – bei 0 Grad“, berichtet Mack, der mit dieser Leistung Rang 30 der Gesamtwertung dieser Weltmeisterschaft belegte.

Ein großes Lob spricht Mack für die Organisation der WM durch die Stadt Murmansk und den Eisschwimmer-Weltverbands IISA aus. „Fast allen Schwimmern stand ein Volunteer zur Verfügung, welcher sich um alles Organisatorische kümmerte und rund um die Uhr Ansprechpartner für die Athleten war“, so der Schwimmer. Seit 1999 gibt es Weltmeisterschaften, die IISA kämpft derzeit darum, dass Eisschwimmen ein Teil der Olympischen Winterspiele wird.

Die nächste Weltmeisterschaft im Eisschwimmen findet 2021 in Kattowitz (Polen) statt, nächstes Jahr steht die WM im Winterschwimmen in Bled (Slowenien) auf dem Programm. Ein Traum wäre für Mack, in der Antarktis zu schwimmen, dafür fehlt ihm aber noch das Geld.

Schwimmen unterm Gletscher

Bis dahin versucht er, in der warmen Jahreszeit in möglichst kalten Seen zu trainieren und weiterhin längere Strecken im Freiwasser zu absolvieren. Beispielsweise besteht am Hintertuxer Gletscher die Möglichkeit, circa 35 Meter unter der Skipiste in einer Eisröhre bei 0 Grad oder sogar darunter zu schwimmen.

„Das ist eine super Trainingsmöglichkeit, wenn draußen Sommerhitze herrscht“, sagt Mack, der natürlich auch nicht auf Übungseinheiten verzichtet, wenn er zu Besuch in der alten Heimat ist. Die wird zwar manchmal Schwäbisch Sibirien genannt, ist für Eisschwimmer aber eher lauwarm. „Ich trainiere meistens im Härtsfeldsee, wo man bei etwas kälteren Außentemperaturen hin und wieder verwunderte Blicke erlebt“, schmunzelt der Weltmeister von Murmansk, der dann aus Sicherheitsgründen meistens mit einer Rest-Tube trainiert, einem „Sicherheits-Sack“, welchen man hinter sich herzieht.

Was ist Eisschwimmen?

Von Eisschwimmen spricht man, wenn man nur mit Badehose oder -anzug, Badekappe und Schwimmbrille bei weniger als 5 Grad Wassertemperatur Strecken zwischen 50 und 1000 Meter zurücklegt. Neoprenanzüge sind dabei nicht erlaubt.

Es wird aus dem Wasser gestartet, Rollwenden sind aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Die 1000 Meter dürfen nur dann in einem Wettkampf geschwommen werden, wenn man nachgewiesen hat, dass man diese zuvor unter Aufsicht schon einmal erfolgreich absolviert hat. Vor dem Wettkampf ist zudem ein ärztlicher Check notwendig (unter anderem EKG, Puls, Blutdruck, Allgemeinbefinden).